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Porsche 910: Der erste Schritt zum Titel
Der Porsche 906 war nicht nur ein kommerzieller Erfolg, die fünfzig zur Homologation in der Sportwagenklasse notwendigen Exemplare waren schnell verkauft, er hatte sich auch im Rennsport in der der für Porsche üblichen Weise, David gegen Goliath, gut geschlagen. Aber für die Zukunft war das Konzept des "Produktions-Rennwagens" eine Sackgasse, wollte man die Erfolge in der Langstreckenweltmeisterschaft stabiliseren und sich sogar eine Chance auf den Gesamtsieg schaffen. Ein Produktions-Rennwagen ist ein Kompromiss zwischen dem technisch Machbaren und dem vom Kunden Bezahlbaren. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde der 910 entwickelt. Zum ersten Mal gab es bei Porsche ein Rennfahrzeug, das in größerer Stückzahl hergestellt und nicht direkt als Neufahrzeug dem Kunden angeboten wurde. Technisch war der 910 ein Nachkomme des 906. Rohrrahmen, Motoren, Getriebe waren in Vorläuferversionen schon im Carrera 6 zum Einsatz gekommen. Der 904 hatte noch eine Straßenzulassung, der 906 war schon nicht mehr dafür vorgesehen, aber erst mit dem 910 wurde die Wende zum reinen Wettbewerbsfahrzeug vollzogen: er war der erste rechtsgesteuerte Langstreckenrennwagen von Porsche. Um die Boxenstopps zu optimieren, erhielt der Wagen statt der bisher verwendeten Radmuttern einen Zentralverschluß. Diese Art der Radbefestigung gab es in Form der "Knock off Hubs", auch Rudge-Nabe genannt schon lange, sie ist allerdings nicht viel effektiver als die konventionelle Befestigung und zu schwer. Die neue Art der Radbefestigung mit einer Leichtmetall-Zentralmutter und Mitnehmerfinger hatte den Vorteil, pressluftschrauber-tauglich und leicht zu sein. Nun konnten Radwechsel mit deutlich weniger Handgriffen durchgeführt werden und die möglichen Fehlerquellen wurden auch reduziert. Eine Technik, die sich sehr schnell im gesamten Rennsport durchsetzte. Durch den Wechsel von 15-Zoll-Rädern zu 13-Zoll-Rädern bekam Porsche Zugriff auf die Reifenentwicklung für die Formel 1, die das gleiche Format verwendete. Ab dem 1000km-Rennen auf dem Nürburgring am 28. Mai 1967 hatte der 910 als erstes Fahrzeug überhaupt vorne innenbelüftete Bremsscheiben. Er ist somit der Trendsetter für die Bremsentechnik der folgenden 35 Jahre, bis zur Entwicklung der Carbonbremsscheibe. Und er markiert den Startpunkt einer Tradition bei Porsche, daß alle Fahrzeuge in der Bremsleistung der Konkurrenz überlegen sind und sich auch daduch den Vorsprung auf der Rennstrecke sichern. Schnellwechselbremsen, bei denen der Belag nach Umklappen eines einzelnen Federstegs gewechselt werden konnten, kamen im Laufe des Jahres 1967 dazu. Um Weiterentwicklungen schneller auf die Rennstrecke zu bekommen und Problemen durch Materialermüdung und Verschleiß aus dem Weg zu gehen, beschritt Porsche einen kostenintensiven Weg: jeder Wagen wurde nur- ein oder zweimal im Rennen eingesetzt um dann an die schon Schlange stehenden Privatfahrer weiterverkauft zu werden.
Der 910 wurde nur einige Monate vom Werk in Langstreckeninsätzen genutzt und schon früh vom 907 abgelöst. Trotzdem ist seine Erfolgsbilanz bemerkenswert: Ein Dreifachsieg bei der Targa Florio, ein Vierfachsieg beim 1000km-Rennen auf dem Nürburgring, den beiden Hausstrecken, dazu ein Sieg auf dem alten Mugello-Kurs, der eine verkleinerte Ausgabe der Targa Florio war.
Der 910 wurde in Le Mans 1967 vom Typ 907 ersetzt, diente aber als Versuchsträger bei den Läufen zur Europabergmeisterschaft. Der Reduzierung des Einsatzgewichts wurde dabei besondere Aufmerksamkeit gewidmet und lieferte Ergebnisse, die später den 908/3 so erfolgreich werden liessen. Der 910 Spider hatte beim Ollon-Villars-Rennen 1967 ein Einsatzgewicht von 430kg, das für das kommende Jahr mit 382kg noch einmal deutlich unterboten wurde. Porsches Strategie für die kommenden Jahre war klar zu sehen: Gewicht und Aerodynamik gegen den Hubraum der Konkurrenz. Und auch das Bild des Porsche-Langstreckenrennwagens änderte sich erst, als versucht wurde, mit dem 917 auch in der Motorleistung die Konkurrenz in den Schatten zu stellen und dabei die Grenzen des 910-Konzepts erreicht waren. Der 910 war so gut und entwicklungsfähig, daß er in privater Hand noch bis 1974 für Plazierungen bei internationalen Rennen gut war, eine Karriere über 7 Jahre! 907 und 908 sind Varianten des 910. Der 907 erhielt eine verbesserte Karosserie. Rohrrahmen, Radaufhängung und Motor waren bis auf die Weiterentwicklung der Teile gleich. Mit ihm und mit dem 908 holte sich Porsche 1968 erstmals den Langstrecken-Weltmeistertitel, und selbst der 917 von 1969 ist optisch und in einigen Grundmaßen ein Abkömmling des 910. Der erfolgreichste Fahrer des 910 war sicher Gerhard Mitter, der sowohl bei Langstreckenrennen Erfolge einfuhr als auch in der Europabergmeisterschaft das Maß aller Dinge war. Die Targa Florio war Vic Elfords erster Renneinsatz als Belohnung für die guten Rallye-Ergebnis mit dem 911 im gleichen Jahr. Rennleiter Huschke von Hannstein glaubte, daß die Targa Florio der ideale Einstieg in den Rennsport sei, da diese Veranstaltung einer Rallye am ähnlichsten wäre. Jo Siffert lernte mit dem 910 Langstreckenrennen zu fahren, selbst die Grand Prix-Piloten Graham Hill und Bruce McLaren liessen sich für den Einsatz in Brands Hatch als Werksfahrer gewinnen, Ahrens, Stommelen, Kauhsen, Herrmann, Rindt, Lauda, Neerpasch und Maglioli sind mit dem 910 Rennen gefahren. Produktionszahlen
Die Coupés hatten eine herausnehmbare Dachpartie und wurden sowohl offen als auch geschlossen gefahren. Im geschlossenen Zustand war die Aerodynamik des Wagens besser, allerdings bevorzugten großgewachsene Piloten die offene Variante, da die Platzverhältnisse sehr eng waren.
Bis Ende 1967 musste der 910 in der Prototypenklasse starten, da für eine Homologation als Sportwaren 50 Fahrzeuge hätten produziert werden müssen. Mit der Senkung der Mindestzahl auf 25 Stück, die letztlich zur Entwicklung des 917 führte, konnte der 910 ab 1968 in der Sportwagenklasse starten. Technik
Motor:
Im 910 kamen zwei Motorentypen zum Einsatz. Der 901 war ein Sechszylinder, abgeleitet vom Serienmotor des 911, der 771 ein Achtzylinder, der eine Weiterentwicklung des Formel-1-Triebwerks aus dem 804 war. Der Achtzylinder hatte deutlich mehr Leistung, war aber auch schwerer und brauchte etwas mehr Treibstoff, was letzlich zu einem Patt zwischen den beiden Fahrzeugvarianten führte. Das Werk setzte daher meist Fahrzeuge beiden Typs ein, so zum Beispiel zur Targa Florio 1967 je drei 2,2l und drei 2l.
6 Zylinder Boxer, luftgekühlt
8 Zylinder Boxer, luftgekühlt
Getriebe: Porsche 906
272 PS bei 9000
Paul Frere, Das Rennen vor dem Rennen, Motorbuch 1,.Auflage 1973
(Text: Dieter Roßbach ) |
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