Prova Logo
 
Inhalt
Magazin
Neues aus der Industrie
Neue Bücher
Nissan PIVO3
Audi R8 LMS ultra
Mercedes 190 E Evo II
Ford GT90
Renault 5
Alpine A 106
BMW i3 Concept
Land Rover DC100 Sport
Cadillac Ciel
e-Opel
Citroën Tubik
smart fortwo electric drive
Lister Monzanapolis
Chevrolet Miray Concept
Hispano Suiza Xenia
Fahrberichte
Lancia Thema
Mercedes Benz B 200
Fiat Freemont
Lexus CT200h
Ford Galaxy Titanium
Kultur : Unterwegs
Art und Cars bei Mercedes
Porsche Sonderausstellung
Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH

Fünf Jahre für Rekorde - der Grenzlandring

Vier Jahre nach Kriegsende begannen die Leute, wieder nach vorne zu blicken und damit wuchs das Bedürfnis nach Unterhaltung. Da aber die meisten Einrichtungen immer noch in Schutt und Asche lagen, musste improvisiert werden. Was lag näher, als eine unversehrt gebliebene Ringstraße zu Motorsportveranstaltungen zu nutzen? So kam der Grenzlandring zu seinem kurzen Ruhm.

Die Straße war zwischen Juni 1939 und Juni 1942 auf Wunsch der Militärs gebaut worden. Zur Vorbereitung des Krieges verlangten sie nach gut nutzbaren Transportwegen zwischen den Baustellen für die Bunker des Westwalls, die Wegberg und Beerk mit ihren engen Ortsdurchfahrten nicht boten. 3,3 Millonen Reichmark wurden in eine Straße ohne weitere militärische Bedeutung investiert.
Selbst den Leuten aus der Gegend war nicht bewußt, daß es sich dabei um eine Ringstrecke handelte und es bedurfte eines Zufalls, um die Entwicklung in Gang zu bringen: der Bürgermeister der Stadt Rheydt bemerkte auf einer Dienstfahrt 1947, daß er dreimal am gleichen Fahrradfahrer vorbegekommen war, also im Kreis gefahren sein musste. Und das auf einer für die Zeit ausgezeichneten Straße. Wenige Wochen später begutachteten Rennleiter und Fahrer die Strecke und ihr positives Urteil führte zum ersten Rennen am 19. September 1948.

Alte Karte des Grenzlandrings
 Eine versteckte Rundstrecke, die den Krieg unversehrt überstanden hatte und das erste Beispiel einer gelungenen Konversion
Die Strecke hatte eine Länge von 9,0052 km. Sie war als 6,8m breites, langes Betonoval mit weiten Kurven angelegt, eine echte Hochgeschwindigkeitsstrecke, die gegen den Uhrzeigersinn befahren wurde. Da sie nie als Rennpiste gedacht war, fehlte jede Infrastruktur und alle Sicherheitsmaßnahmen. Ein besonderes Problem war, das in ihrer Mitte die Stadt Wegberg lag und diese während der Veranstaltungen von der Außenwelt abgeschnitten war. Kein Brücke oder Unterführung liess ein Überqueren der Piste zu, wenn die Rennen liefen.

Die erste Veranstaltung wurde für Motorräder und Sportwagen ausgeschrieben, die Formel 1 liess man schon damals als zu gefährlich außen vor. Und alle, die ein brauchbares Fahrzeug auftreiben konnten, kamen: Kling und Ulmen mit Veritas, Hans Stuck mit einem AFM, Huschke von Hannstein, Fritz Ries auf Ferrari, und die Motorradgrößen Schorsch Meyer, HP Müller und Wiggerl Kraus auf BMW sowie Wilhelm Herz auf NSU.

Erwartet wurden einhunderttausend Zuschauer, am Renntag waren es dann 250.000 Besucher, die mit Lastwagen, auf dem Fahrrad oder zu Fuß nach Wegberg pilgerten.
Das erste Rennen war geprägt von Geschwindigkeitsrekorden und machte die Strecke zum schnellsten Straßenkurs in Europa. Beim zweiten Renntag am 11.September 1949 setzte Schorsch Meyer auf seiner BMW 500 Kompressor mit der schnellsten Runde von 216 km/h und einem Renndurchschnitt von 209 km/h die Rekordmarken, die auch Toni Ulmen mit den Veritas Meteor Formel II, der am 9. September 1951 auf 211,9 km/h kam, nicht überbieten konnte.

Borgward und Veritas RS am Grenzlandring 1952
 Borgward und Veritas RS beim letzten Grenzlandringrennen 1952

Mit dem Rennen am 31. August 1952 endet die Geschichte des Grenzlandrings als Rennstrecke, und wie zu erwarten, tragisch. Helmut Niedermayer verunglückte mit seinem AFM in der Roermonder-Kurve. Er und 31 Zuschauer wurden schwer verletzt, dreizehn Zuschauer starben. Daraufhin wurden weitere Rennen auf der Strecke verboten. Alle Pläne, Boxenanlagen und Tribünen zu bauen und das Provisorium in eine permanente Rennstrecke umzuwandeln, waren damit Makulatur. Selbst eine Verbreiterung der Strecke war angedacht worden, um sie Formel-1-tauglich zu machen.
So gab es nur fünf Renntage: 19.9.1948, 11.9.1949, 17.9.1950, 9.9.1951 und 31.8.1952, bei denen im Schnitt etwa 250.000 Zuschauer gezählt wurden.

Wenn man heute den Grenzlandring besucht, findet man ein erstaunlich unverändetes Bild vor. Die Strecke ist fast vollständig erhalten und in die Bundes- und Landstraßentruktur der Gegend integriert. Roermonder Kurve, Rheydter-Gerade, Beeck-Kurve und Erkelenzer-Gerade können auch heute noch befahren werden. Nur die Einmündungen größerer Straßen wurden verkehrsgerecht umgebaut und stören damit den Fluß der Strecke. Aber das ist eine Entwicklung, die auch die meisten permanenten Rennstrecken genommen haben. So gesehen ist der Grenzlandring immer noch auf der Höhe der Zeit.

Der Grenzlandring heute
 Heute ist der Grenzlandring an die aktuellen Verkehrsverhältnisse angepaßt

Die Renaissance alter Kurse, die durch die Wiederbelebung der Mille Miglia eingeleitet wurde und heute zu Veranstaltungen wie der Tour d'Auto, der Carrera Panamericana, der Targa Florio oder den 2000 km durch Deutschland geführt hat, brachte die Stadt Wegberg fünfzig Jahre nach dem ersten Rennen auf den Gedanken, eine Grenzlandring-Revival zu versuchen. Im September 1999 wurde zusammen mit dem Deutschlandtreffen der Veritas-Eigner eine Erinnerungsveranstaltung durchgeführt. Leider sind, auf Grund der geänderten Streckenführung und der heutigen Verkehrsverhältnisse noch nicht einmal Gleichmäßigkeitsveranstaltungen denkbar, von historischen Rennen ganz zu schweigen. So blieb es bei Demonstrationsfahrten auf einem Teil der Strecke.

Veritastreffen am Grenzlandring 1999
 50 Jahre nach den Rennen treffen sich die alten Fahrzeuge wieder in Wegberg

Immerhin ist die Strecke aber Teil des Verkehrsnetzes und kann daher jederzeit touristisch befahren werden. Eine Runde mit dem eigenen Wagen vermittelt den Charakter der Strecke sehr gut und man kann sich leicht vorstellen, wie es Ende der vierziger Jahre gewesen sein muss, mit einem Eigenbau, schlechten Reifen und unzureichenden Bremsen einen Durchschnitt von 200km/h zu fahren. Die Qualität der heutigen Straße verleitet dazu, schnell fahren und die Renn-Athmosphäre zuspüren und nur der Gedanke an den Verlust der Fahrerlaubnis bremst auf das durch die STVO erlaubte Geschwindigkeit.

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: Rainer Roßbach, Robert Bosch AG, Stadtarchiv Wegberg )

Zurück zur Startseite

Prova Gesamtarchiv
Archivsuche
ausführen Hilfe
Termine
Impressum / Kontakt
 Anzeigen
Anzeige Porsche 804-Buch
Anzeige Porsche 908-Buch
Anzeige Porsche 917-Buch
Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de