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Fünf Jahre für Rekorde - der Grenzlandring Vier Jahre nach Kriegsende begannen die Leute, wieder nach vorne zu blicken und damit wuchs das Bedürfnis nach Unterhaltung. Da aber die meisten Einrichtungen immer noch in Schutt und Asche lagen, musste improvisiert werden. Was lag näher, als eine unversehrt gebliebene Ringstraße zu Motorsportveranstaltungen zu nutzen? So kam der Grenzlandring zu seinem kurzen Ruhm.
Die Straße war zwischen Juni 1939 und Juni 1942 auf Wunsch der Militärs gebaut worden.
Zur Vorbereitung des Krieges verlangten sie nach gut nutzbaren Transportwegen zwischen den Baustellen für die Bunker des Westwalls, die Wegberg und Beerk mit ihren engen Ortsdurchfahrten nicht boten. 3,3 Millonen Reichmark wurden in eine Straße ohne weitere militärische Bedeutung investiert.
Die erste Veranstaltung wurde für Motorräder und Sportwagen ausgeschrieben, die Formel 1 liess man schon damals als zu gefährlich außen vor. Und alle, die ein brauchbares Fahrzeug auftreiben konnten, kamen: Kling und Ulmen mit Veritas, Hans Stuck mit einem AFM, Huschke von Hannstein, Fritz Ries auf Ferrari, und die Motorradgrößen Schorsch Meyer, HP Müller und Wiggerl Kraus auf BMW sowie Wilhelm Herz auf NSU. Erwartet wurden einhunderttausend Zuschauer, am Renntag waren es dann 250.000 Besucher, die mit Lastwagen, auf dem Fahrrad oder zu Fuß nach Wegberg pilgerten.
Mit dem Rennen am 31. August 1952 endet die Geschichte des Grenzlandrings als Rennstrecke, und wie zu erwarten, tragisch. Helmut Niedermayer verunglückte mit seinem AFM in der Roermonder-Kurve. Er und 31 Zuschauer wurden schwer verletzt, dreizehn Zuschauer starben. Daraufhin wurden weitere Rennen auf der Strecke verboten. Alle Pläne, Boxenanlagen und Tribünen zu bauen und das Provisorium in eine permanente Rennstrecke umzuwandeln, waren damit Makulatur. Selbst eine Verbreiterung der Strecke war angedacht worden, um sie Formel-1-tauglich zu machen. Wenn man heute den Grenzlandring besucht, findet man ein erstaunlich unverändetes Bild vor. Die Strecke ist fast vollständig erhalten und in die Bundes- und Landstraßentruktur der Gegend integriert. Roermonder Kurve, Rheydter-Gerade, Beeck-Kurve und Erkelenzer-Gerade können auch heute noch befahren werden. Nur die Einmündungen größerer Straßen wurden verkehrsgerecht umgebaut und stören damit den Fluß der Strecke. Aber das ist eine Entwicklung, die auch die meisten permanenten Rennstrecken genommen haben. So gesehen ist der Grenzlandring immer noch auf der Höhe der Zeit.
Die Renaissance alter Kurse, die durch die Wiederbelebung der Mille Miglia eingeleitet wurde und heute zu Veranstaltungen wie der Tour d'Auto, der Carrera Panamericana, der Targa Florio oder den 2000 km durch Deutschland geführt hat, brachte die Stadt Wegberg fünfzig Jahre nach dem ersten Rennen auf den Gedanken, eine Grenzlandring-Revival zu versuchen. Im September 1999 wurde zusammen mit dem Deutschlandtreffen der Veritas-Eigner eine Erinnerungsveranstaltung durchgeführt. Leider sind, auf Grund der geänderten Streckenführung und der heutigen Verkehrsverhältnisse noch nicht einmal Gleichmäßigkeitsveranstaltungen denkbar, von historischen Rennen ganz zu schweigen. So blieb es bei Demonstrationsfahrten auf einem Teil der Strecke.
Immerhin ist die Strecke aber Teil des Verkehrsnetzes und kann daher jederzeit touristisch befahren werden. Eine Runde mit dem eigenen Wagen vermittelt den Charakter der Strecke sehr gut und man kann sich leicht vorstellen, wie es Ende der vierziger Jahre gewesen sein muss, mit einem Eigenbau, schlechten Reifen und unzureichenden Bremsen einen Durchschnitt von 200km/h zu fahren. Die Qualität der heutigen Straße verleitet dazu, schnell fahren und die Renn-Athmosphäre zuspüren und nur der Gedanke an den Verlust der Fahrerlaubnis bremst auf das durch die STVO erlaubte Geschwindigkeit.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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