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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Rover-B.R.M.: „The Whispering Ghost“
Rover-BRM,1965
 Rover-BRM-Le Mans-Coupé von 1965

Auf der Techno Classica 2001 in Essen zeigte der British Motor Industries Heritage Trust/Gaydon das 1965er Le Mans-Coupé mit Gasturbinenantrieb.

Wie General Motors, Chrysler, Fiat und Renault experimentierte Rover im Laufe der 50er Jahre mit der Gasturbine als Alternativ-Antrieb zum herkömmlichen Hubkolbenmotor.

In der Folge dieser Entwicklungen forderte 1953 der Automobile Club de l´Ouest in Le Mans Fahrzeuge mit neuen Antriebskonzepten zur Teilnahme am 24-Stunden-Rennen auf.

Es gab Versuchsträger und Show-Cars wie Renaults "Etoile Filante", die auch im Rahmenprogramm des Rennens vorgeführt wurden wurden. Aber selbst das ausgelobte Preisgeld von 25.000.000 alten Francs für den Wagen, der das Rennen mit einem Schnitt von 150 km/h zu Ende fahren würde, brachte keine Teilnehmer an den Start.

Nachdem Rover 1962 mit der T4-Limousine mit Gasturbinenantrieb erfolgreiche Versuche durchgeführt hatte, entschloß man sich, die Herausforderung des A.C.O. anzunehmen.
Rover T4
 Rover T4-Experimentallimousine

Die Zeit bis zum 1963er 24-Stunden-Rennen war knapp bemessen, deshalb suchte man die Zusammenarbeit mit einem renomierten Rennwagenhersteller. In B.R.M. fand man den gewünschten Partner. Auf der Basis des 1957er 2,5 l-Formel 1-Chassis entstand unter der Leitung von Tony Rudd und Noel Penny ein offener Sportwagen, der von Graham Hill und Ritchie Ginther gefahren werden sollte.

Rover war verantwortlich für Entwicklung und Test der Antriebseinheit und für die Elektrik. B.R.M. kümmerte sich um Getriebe, Bremsen, Ersatzteile, Fahrer sowie um den Bau des Fahrzeugs. Es war vereinbart, dass das Fahrzeug nach dem Einsatz in das Eigentum von Rover übergehen sollte. Rover hatte 20 Jahre Erfahrung mit Gasturbinen und zum damaligen Zeitpunkt schien es klar, das dieser Technologie die Zukunft des Automobils gehören würde.

Drei Motoren wurden gebaut und die Wahl fiel auf den Typ 2S 150 ohne Wärmetauscher. Jede Maschine wurde handgefertigt und der grosse Vorteil schien die Einfachheit des Layouts zu sein: keine Kupplung, keine Gänge und wesentlich weniger Teile als ein Hubkolbenmotor. Der grosse Nachteil des Turbinenkonzepts war sein hoher Kraftstoffverbrauch. Das B.R.M-Chassis hatte grössere Bremseinheiten als zu zu seiner Formel 1-Zeit, da die Turbine keine mitbremsende Eigenschaft hatte. Das Getriebe hatte einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang.

Rover-B.R.M. 1963
 Richie Ginther und Graham Hill bewegten 1963 diesen
 offenen Prototyp

Der Rover-B.R.M. benötigte vom Veranstalter der 24 Stunden eine spezielle Erlaubnis zur Teilnahme und er wurde zugelassen, allerdings startete er außerhalb der Wertung und 30 Sekunden hinter dem restlichen Feld mit der Nummer "00". Team-Manager war Wilkie Wilkinson, der 1956 und 1957 mit den Jaguar der Ecurie Ecosse gewonnen hatte. Das Rennen gewannen Scarfiotti/Bandini auf Ferrari. Hill/Ginther beendeten das Rennen auf der achten Position. Ihr Schnitt betrug 172,5 km/h, sie legten 4133 Kilometer zurück und sie gewannen den Spezialpreis für das erste Gasturbinen-Fahrzeug, welches das Rennen zu Ende fuhr. Richie Ginther erzielte die schnellste Runde mit einem Schnitt von 182 km/h.

Für den Einsatz in Le Mans 1964 wurden eine neue Karosserie und eine neue Maschine mit einem Wärmetauscher entwickelt, um auch die Abgasenergie zu nutzen und damit den Verbrauch zureduzieren. Offiziellen Verlautbarungen Rover´s nach wurde der Einsatz durch einen Unfall während der Testphase verhindert, inoffiziellen Äußerungen nach war das Coupe einfach nicht fertig geworden.

Rover-B.R.M. 1965
 Der Rover-BRM an der Box

1965 kam das Coupé zum Einsatz, welches in Essen gezeigt wurde. Kennzeichnend für sein Design waren die grossen Lufteinlässe hinter der Fahrerkabine und die glatt in die Front eingelassenen Scheinwerfer. In diesem Jahr durfte der Rover-BRM mit der Fahrerpaarung Graham Hill und Jackie Stewart im offiziellen Klassement fahren. Die Wertung erfolgte in der Zweiliter-Klasse. Die Gasturbine dieses Fahrzeugs war mit einem Wärmetauscher versehen, um die konzeptionelle Schwäche der Turbine beim Verbrauch zu mindern. Mit einer Leistung von 126 PS, die bei 60.000 Umdrehungen/Min. erreicht wurden, betrug die Durschnittsgeschwindigkeit 158 km/h. Diese war niedriger als 1963, weil einige Turbinenblätter am Anfang des Rennens durch eindringende Fremdkörper beschädigt wurden und damit die Leistungsausbeute um 13 Prozent geringer war.

Graham Hill/Jackie Stewart beendeten das Rennen auf dem zehnten Platz. Dieser Erfolg war gleichzeitig der Abgesang auf die Turbinenentwicklung bei Rover. Sie wurde kurz darauf vollständig eingestellt.


(Text: Rainer Rossbach)
(Fotos: Rainer Rossbach, John Sismey, Tim Dyke)

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