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Renault Trafic: eine schöne Schachtel
1959 stellte Renault mit der Estafette einen bemerkenswerten kleinen Transporter vor. In einer Zeit, in der VW mit dem Heckmotor-T1 überaus erfolgreich war, kopierte man dieses Rezept nicht einfach, sondern stellte eine eigene Interpretation des Themas auf die Räder. Um eine gute Beladbarkeit, eine hohe Variabilität und eine gute Laderaumnutzung zu erreichen, erhielt die Estafette als erster Renault überhaupt Frontantrieb, noch vor dem legendären Renault 4. Die optionalen Schiebetüren für Fahrer und Beifahrer waren eine weitere richtungsweisende Besonderheit des kleinen Transporters. Die Estafette wurde so erfolgreich, daß sie über 20 Jahre, bis 1980, gebaut wurde, sanft aktualisiert zwar, aber in Grundzügen immer noch das Fahrzeug, daß 1959 Zeichen in seiner Klasse setzte.
Die Ablösung Anfang der achziger Jahre, der Trafic, war deutlich konventioneller gezeichnet, baute aber auf dem technischen Layout des Vorgängers auf. Dieses Fahrzeug blieb bis zum Jahr 2000 im Programm, mit einem leichten Facelift zum Ende der Produktionszeit und wurde insgesamt 930.000 mal gebaut. Immerhin war der Transporter 1998 noch aktuell genug, um als Arena Opels Wiedereinstieg in den Markt der leichten Nutzfahrzeuge zu ermöglichen. Heute haben sich die Konzepte für Transporter vereinheitlicht. Auch die Konkurrenz liefert Fahrzeuge mit Frontantrieb. Das Ladevolumen, die Zuladung und die Beladefreundlichkeit ähneln sich. Für eine Differenzierung bleibt also nur die Ausstattung und das Aussehen. Nutzfahrzeuge müssen in Zukunft schön, eigenständig und unverwechselbar sein. Ein deutlicher Markenbezug hilft, vom Image der PKW-Linien zu profitieren.
Diesen Weg ist Renault mit dem neuen Trafic konsequent gegangen und setzt damit eine erfreuliche Entwicklung fort, die mit Avantime und den VelSatis-Studien begonnen hat. Das Markenimage wird durch eine Rückbesinnung auf französische Tugenden im Automobilbau geschärft. Die Fahrzeuge erhalten wieder eine französische Optik. Das dabei ein Transporter eines der ersten neu gestalteten Objekte ist, fügt sich gut in eine lange Tradition. Besonders Citroen hatte immer Nutzfahrzeuge im Programm, die sehr eigenständig waren und dem avantgardistischen Anspruch der Marke Rechnung trugen. Und die Estafette war auch ein durch und durch französisches Fahrzeug. Auch wenn der neue Trafic eine Gemeinschaftsproduktion mit Opel ist, bleibt er ein Erbe der französischen Kleintransporter-Kultur.
Der Entwurf des Vorderwagens lehnt sich an Van-Konzepte an, ein deutlich konturiertes Gesicht mit markenspezifischen Elementen sorgt für einen hohen Wiedererkennungseffekt. Die deutlich ausgestellten Radhäuser sind durch eine breite Blechkontur verbunden, die vorderen und hinteren Stoßstangen gehen fließend in die Radhäuser über. Damit wird eine gestreckte Seitenansicht erzeilt. Das kuppelförmige Fahrerhaus ist durch ein den hinteren Fensterauschnitten gegenläufigen Linie vom Rest des Fahrzeugs abgesetzt. Insgesamt nicht unbedingt eine strahlende Schönheit, aber markant und eigenwillig und damit ein Entwurf, der nicht schon in wenigen Jahren gealtert sein wird.
Das Renault-Konzept wird aufgehen, da die neue Trafic-Reihe auch durch ihre innerer Werte überzeugt, mit aktuellen Motoren, Sicherheitstechnik und Austattungsdetails auf PKW-Niveau und einer hohen Variabilität. Und mit der neuen Optik werden alle die angesprochen werden, die sich für ihren Geschäftsauftritt ein Fahrzeug mit Charakter wünschen, ohne auf die Nutzbarkeit verzichten zu müssen. Ob der Opel Vivaro und das angekündigte Nissan-Derivat genauso davon profitieren, wird sich erst noch zeigen müssen, denn optisch fügt sich der Trafic vor allem in die Renault-Designlinie ein.
(Text:
Dieter Roßbach ) |
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