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Fiat Ecobasic: Kompakt in der Zukunft
In der Tradition eines Fiat Panda (und damit auch, wie dessen Designer Giorgio Giugaro gerne zugibt, in der Tradition eines Citroën 2 CV) hat Fiat das kompakte Konzeptauto Ecobasic entwickelt. Wie vor 60 Jahren folgt man der Vorgabe, "zwei Bauern und zwei Säcke Kartoffeln" möglichst ökonomisch zu transportieren. Der Zeitgeist hat sich geändert, die Berufsbilder sind andere und heutzutage wird auch das Freizeitverhalten in der Konzeption berücksichtigt. So ist der Ecobasic eine Interpretation des Kompaktautos von morgen. Das betrifft die Werkstoffe, die Karosserie, den Antrieb, den Innenraum, die Funktionalität und die Produktion. Das Fahrzeug ist 3,49 Meter lang, 770 Kilogramm leicht, mit einem cw-Wert von 0,28 aerodynamisch günstig, bei einem Verbrauch 2,9 Liter/100 km sparsam und umweltfreundlich (Euro 4). Die Karosserie baut auf einem Spaceframe mit eingefärbten Kunststoffpaneelen auf, so dass auf die Lackierung verzichtet werden kann. Das 1,2-Liter-Turbodiesel-Triebwerk arbeitet mit der neuen Multijet-Direkteinspritzung. Der Fiat Ecobasic ist nach Baukastenprinzip aufgebaut. Dies ermöglicht einen niedrigen Grundpreis von etwa 5.000 Euro und gestattet außerdem eine individuelle Aus- sowie Nachrüstung von Türen, Sitzen oder Sonnendächern. Das Pflichtenheft der Studie beschreibt einen multifunktionalen Kleinwagen, der wenig kostet, wenig verbraucht und bedienungsfreundlich ist, die Umwelt schont und seinen Insassen optimale Sicherheit bietet. Ein Auto, das angenommene Tendenzen der Gesellschaft berücksichtigen will ebenso wie neue technische Anforderungen und das in der Lage ist, analog zum Kundenverhalten verstärkt unterschiedliche Nutzen zu erfüllen. Deshalb setzt Fiat bei der Studie mehr auf eine durchdachte und vielseitige Nutzung des Innenraums als auf üppige Einrichtung, mehr auf eine aerodynamisch effiziente Linienführung als auf Design sowie mehr auf zuverlässige Technik als auf aufwendige Elektronik. Die geräumige Karosserieform, die große und steilstehende Windschutzscheibe, das gewölbte Dach und das rundliche Heck ergeben eine Form, die zusammen mit dem flachen Wagenboden, strömungsoptimierter Anordnung der Fahrwerkselemente, rollwiderstandsarmen Reifen (Größe 165/65 R14) und sorgfältiger Gestaltung aller Lufteinlässe für den geringen Luftwiderstand (cw = 0,28) verantwortlich sind – nicht schlecht für ein 3,49 Meter langes Fahrzeug. Während Plattform und Rahmen des Spaceframe aus Stahl bestehen, setzt sich die Karosserie des Ecobasic aus gewichtssparenden Kunststoffpaneelen zusammen, die je nach Einsatzart Kotflügel, Türen, Heckklappe und Dach unterschiedliche Materialeigenschaften aufweisen und mit dem Karosseriekörper verklebt oder verschraubt werden. Ergebnis ist eine Karosserie, die nicht nur steif ist, sondern auch durch ihre Materialbeschaffenheit (pigmentierter thermoplastischer Kunststoff) kratzfest ist und nicht lackiert werden muß. Das gilt auch für das von innen unverkleidete, zweiteilige Dach, dessen abnehmbarer vorderer Teil gegen ein Sonnendach ausgetauscht werden kann.
Die Heckscheibe und die hinteren Seitenfenster sind aus Polycarbonat, ebenfalls die in ihrer Funktion veränderte Motorhaube, die ausschliesslich Öffnungen für Servicearbeiten hat. Nicht mehr der ganze Motor liegt offen, eine kleine Klappe in der Frontpartie schafft lediglich Zugang zu den Einfüllöffnungen für Motoröl, Kühl- und Scheibenwaschmittel. Der Innenraum ist geprägt vom weitgehendem Verzicht auf Verkleidungen und Feinbearbeitungen. Kunststoffe und Bleche liegen frei und zeigen die funktionelle Struktur. Das rohrförmig strukturierte Armaturenbrett mit modularen Ablagefächern enthält in einer zylindrischen Mittelkonsole Armaturen, Schalthebel und - in einem multifunktionellen Kugelgriff - die Bedienungseinheiten für Heizung und Belüftung. Kunststoff-Folien ersetzen Glühlampen und Leuchtdioden und erlauben eine geringere Bautiefe der Instrumente.
Die Vordersitze sind durch ihre Rohrstruktur samt gepolsterter Hartschale nicht nur extrem leicht, sondern auch individuell aufrüstbar (Armlehnen, gepolsterte Seiteneile u. ä.). Die Rücksitze haben geteilte Lehnen, die auf Knopfdruck an die Seitenwand des Ecobasic klappen und so Türen und Seitenscheiben vor eventueller Beschädigung durch das Ladegut schützen. Um die Größe der Ladefläche zu verdoppeln, genügt es, die Sitzflächen, deren Unterseite aus hartem Kunststoff besteht, umzudrehen. Der Ecobasic wird von einem 1,2-Liter-Vierzylinder-Turbodieselmotor mit vier Ventilen pro Zylinder und zwei obenliegenden Nockenwellen angetrieben. Das Einspritzsystem arbeitet nach dem von Fiat entwickelten Multijet-Verfahren, dem Common Rail der nächsten Generation. Im Gegensatz zu den zwei Einspritzungen des Unijet-Systems arbeitet Multijet mit mehreren über den gesamten Verbrennungszeitraum verteilten Einspritzungen. Dadurch erfolgt eine noch effizientere Kraftstoffverbrennung, ein auf unter drei Liter gesenkter Verbrauch und eine Reduzierung des Schadstoffausstoßes bei gleichzeitiger Leistungssteigerung . Der Turbodiesel-Direkteinspritzer leistet 45 kW (61 PS), erreicht ein maximales Drehmoment von 160 Nm bei 1.800 U/min. Damit erreicht das Auto eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 13 Sekunden.
Der Ecobasic ist mit einem Fünfgang-Automatikgetriebe ausgestattet, dessen Steuerelektronik durch optimale Gangwahl den Motor stets im verbrauchsgünstigsten Drehzahlbereich hält. Zwei Automatikprogramme (Standard und Economy) sowie eine "Stop and Go"-Funktion (der Motor stellt sich vier Sekunden nach Stillstand automatisch ab) sorgen für eine weitere Senkung des Verbrauchs. Bemerkenswert ist auch der Produktionsprozeß. Durch die gefärbten Kunststoffpaneele entfällt die herkömmliche Lackierung. Die sichtbaren Teile des Space-Frame werden durch doppelte Farb-Kataphorese lackähnlich geschützt. Dieses Verfahren spart Zeit, Energie und Kosten. Das gilt auch für die Montage. Durch die Beschränkung auf eine Basisversion, die am Ende des Fertigungsprozesses komplettiert wird, eine Motorversion, die auf das Wesentliche reduzierte Ausstattung und, wie beim Smart, die Vormontage einzelner Fahrzeugabschnitte (z. B. Frontpartie, Kunststoffpaneele) werden die Montagearbeiten vereinfacht. Eine speziell für das Konzeptauto entwickelte Logistik soll außerdem die heutzutage üblichen Lieferzeiten halbieren.
Der Ecobasic als Innovationsträger mit Realitätsbezug trägt Lösungen in sich, die wohl bald in die Serienfertigung einfließen werden. Unabhängig von der Intelligenz und Kreativität des Konzepts scheint es jedoch nicht so, dass der Markt Minimalismus in der Ausstattung mit hohen Verkaufszahlen belohnt. So werden sich in der Produktion vor allem die technischen Neuerungen wiederfinden.
(Text:
Rainer Rossbach , Fiat Deutschland) |
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