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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Turiner Salon 1950: Lancia Aurelia feiert Premiere

pfeil Motorvarianten   pfeil Produktionszahlen

Lancia B 10
Lancia B10, 1950

Der neue Aurelia B10 Berlina bricht optisch und technisch radikal mit den bis dahin gültigen Fahrzeugkonzepten der Nachkriegszeit.

In der selbstragenden Karosserie arbeitet der erste serienmäßig eingesetzte und sehr schmal bauende V6-Motor der Welt; sein Zylinderwinkel beträgt 60 Grad, seine Leistung 56 PS, sein Hubraum 1.755 cm3. Die Hinterräder werden an einer modernen Schräglenkerachse geführt. Direkt vor dieser Einzelradaufhängung befinden sich das Getriebe und die Kupplung. Das Transaxle-Prinzip – Motor vorne, Getriebe und Kupplung hinten – bewirken eine besonders ausgewogene Achslastverteilung. Optimale Traktion garantieren erstmals Michelin X-Stahlgürtelreifen. In den 50er Jahren ebenfalls ein Novum: die aufpreisfreie Tönung der Aurelia-Scheiben.

Das Design der von Pininfarina entworfene Limousine strahlt Eleganz und Modernität aus. Waren bis jetzt die tradierten Linien der Vorkriegszeit, mit abgegrenzten Kotflügeln und Motorhauben, die Regel, dominieren hier nun die homogenen und klaren Linien der Pontonform. Ein Konzept, das als Limousine, Coupé und Spider bis 1958 Gültigkeit haben wird.

Lancia B 50 Convertible
Lancia B 50 Convertible, Cabrio-Sonderkarosserie, 1950-53

Rundscheinwerfer mit einer Chromeinfassung rahmen den nach unten v-förmig zulaufenden Kühlergrill ein. Die Scheinwerfer sind in die Kotflügel integriert.

Oberhalb der Gürtellinie wirkt die neue Limousine elegant, weil sie von einer für damalige Verhältnisse extrem großen Fensterfläche geprägt wird. Diese wird durch den Verzicht auf die B-Säule erreicht. Die Fondtüren sind hinten verankert und werden zur Fahrzeugmitte hin geöffnet. Daher wirken die Fensterstege filigran; gleiches gilt für die schmalen Fensterrahmen.

Innen zeigt der 4,42 Meter lange Aurelia außergewöhnlich gute Platzverhältnisse. Hinten sitzen die Mitfahrer, bei einer grossen Beinfreiheit, in komfortablen Sesseln. Sie besitzen im vorderen Bereich der Sitzauflage bereits eine abgesteppte, nach oben ragende Aufpolsterung, um den Oberschenkeln mehr Halt zu geben. Dank der nicht vorhandenen B-Säule ist der Zustieg in den Fond sehr bequem.

Im Cockpit informieren zentral in der Mitte vor dem Fahrer platzierte drei Rundinstrumente über das Wesentliche: der Tacho in der Mitte, links die Uhr und rechts die Kombianzeige für Kraftstoff und Motortemperatur. Im Lenkrad findet sich der Schriftzug "Aurelia" wieder. Geschaltet wird über einen Lenkstockhebel, optional gibt es ein Autoradio.

Der Aurelia erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 135 km/h und ist der Vorreiter einer neuen Limousinen-Generation, die sich leichter und dynamischer als bislang gewohnt fahren lässt.

Ein Jahr nach der Markteinführung reagiert Lancia auf die Kundenwünsche nach mehr Leistung mit dem Aurelia B21. Der Motor des konzeptionell mit dem B10 identischen Modells hat nun zwei Liter Hubraum und leistet 70 PS; die Höchstgeschwindigkeit klettert auf 145 km/h und kann erstmals mit den Sportwagen dieser Epoche Schritt halten. Noch heute gilt dieser Lancia Aurelia als Wegbereiter der hochklassigen Sportlimousine und als Lancia par Excellence. Auch eine Repräsentationslimousine mit verlängertem Radstand, B15 genannt, entsteht auf dieser Basis.

Die Zulassungszahlen des Jahres 1951 zeigen, dass der stärkere Lancia Aurelia B21 innerhalb kürzester Zeit einen Anteil von 75 Prozent am Gesamtvolumen der Baureihe erreicht hat. Damit wird klar, dass die Kunden eindeutig die dynamischeren Modelle des Lancia Aurelia favorisieren. Das Unternehmen reagiert, steigert die Leistung mit dem B22 dank eines Weber-Doppelvergasers auf 90 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h.

Die zweite Generation

D24 Spider Sport
D24 Spider Sport, 1953-54

Parallel zum Design modifiziert Lancia die Technik der zweiten Aurelia-Generation. Die wichtigste konstruktive Änderung des B12 ist die komplett neue DeDion-Hinterachse, abgeleitet vom Rennsportwagen D24. Obwohl die Höchstgeschwindigkeit mit 160 km/h auf dem Niveau des älteren B21 liegt, verbessert sich das Durchzugsvolumen des nun knapp 2,3 Liter großen und 87 PS starken V6 deutlich.

Äußerlich gibt sich der neue Lancia Aurelia Berlina B12 an den jetzt runden Scheinwerfern, modifizierten Kotflügeln, rechteckigen Nebelscheinwerfern und Ausstellfenstern in der Fahrer- und Beifahrertür zu erkennen. Das Modell wird bis zum Produktionsstopp im Jahre 1955 rund 2.400 Mal gebaut; insgesamt werden es zwischen 1950 und 1955 genau 11.700 Aurelia-Limousinen.

Coupé und Spider

1951 debütiert der Lancia Aurelia B20 GT; ein Coupé. Das Design entsteht in der Carozzeria Ghia, wird aber kurze Zeit später durch Pininfarina überarbeitet und dort auch von Hand gebaut. Neben diversen Coupé- und Cabrio-Sonderkarosserien auf Basis der Aurelia-Limousinen, ist es dieser Sportwagen, der nach dem zweiten Weltkrieg die dynamische Tradition der Marke Lancia fortführt.

Lancia B20 GT
Lancia B20 GT

Technisch teilt sich das neue Coupé die Plattform mit der B21-Limousine. Der V6-Motor hat in dem 2+2-Sitzer eine höhere Verdichtung, zwei Weber-Vergaser und eine Leistung von 75 PS. Bei einem Gewicht von 1.000 Kilogramm erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.

Nach 500 gebauten Exemplaren folgt 1952 die zweite Serie des Coupés, nun mit 80 PS, optischen Modifikationen und einem tiefer gelegten Fahrwerk. Ein weiteres Jahr später geht die dritte Generation an den Start; aus dem Aurelia wird im Volksmund endgültig die Aurelia, der Lancia schlechthin. Die Leistung des nun 2,5 Liter großen Sechszylinder steigt auf 118 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf 185 km/h. Auch der Name ändert sich: Lancia Aurelia B20 2500 GT.

In der vierten Serie bekommt das Coupé dann die verbesserte DeDion-Hinterachse der Limousine. Resultat: Das ehemals stark übersteuernde Fahrverhalten wird wesentlich neutraler. Zahlreiche Spezialisten steuern technische Feinheiten bei, mit denen sich die Leistung, etwa durch die Nardi-Doppelvergaser-Anlage, auf 132 PS steigern lässt. Es folgen in den Jahren danach zwei weitere Serien, die aber nie wieder die extremen Leistungsmerkmale der vierten erreichen.

Lancia B24 Spider
Lancia B24 Spider, 1954-58

Dafür ergänzt 1954 eine dritte Karosserievariante die Aurelia-Baureihe: der B24 Spider. Er debütiert im Januar auf dem Automobilsalon in Brüssel. Wieder ist Pininfarina für das Design verantwortlich. Ursprünglich nur für den amerikanischen Markt konzipiert und deshalb parallel auch America genannt, erhält er einen auf 108 PS gedrosselten Motor.

Nach nur kurzer Bauzeit und 240 produzierten Wagen folgt eine überarbeitete Variante mit optischen und technischen Korrekturen; vor allem das Verdeck wird verbessert: Aus dem Spider wird der Convertible.

Während der gesamten Produktionszeit des Lancia Aurelia feiern die Coupés diverse Erfolge im internationalen Motorsport. Bei allen großen Rennsport-Klassikern, der Mille Miglia, der Carrera Panamericana, der Targa Florio oder der Rallye Monte Carlo, sind die italienischen Sportwagen am Start und nicht selten, wie etwa 1953 nach der Panamericana, 1954 nach der Monte und Mille Miglia, auf Platz eins des Gesamtklassements. Vor allem auf den Nachfolgeveranstaltungen dieser klassischen Rennen kann man die verschiedenen Varianten der Aurelia heute sehen.

Lurani/Bracco in Le Mans 1951
Lurani/Bracco in Le Mans 1951;
links zu sehen ist der erste Porsche-Werkseinsatz

(Text: Rainer Rossbach, Fiat Presse)
(Fotos: Rainer Rossbach, Fiat Presse))

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