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Leuchtendes Beispiel: Vom Nummernschild zur Nummernfolie
5.9.2001
Mit der Entwicklung eines selbstleuchtenden Nummernschilds haben die Ingenieure vom Mercedes-Benz wieder einmal einen neuen Markstein in der Sicherheitstechnik präsentiert, der dem Anspruch der Marke gerecht wird. Im Durchlichtverfahren wird ein Nummernschild aus transparenter Folie von hinten durch eine Elektroluminizenzfolie in seiner gesamten Fläche beleuchtet. Bessere Sichtbarkeit bei Nacht und Nebel, aber auch bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung sind die Folge. Die bisher notwendigen Glühlampen zu Kennzeichenbeleuchtung, deren Defekt oft erst bei der nächsten Hauptuntersuchung festgestellt wird, sind nun überflüssig. Elektroluminiszenz ist ein Phänomen aus der Festkörperphysik, bei dem als Leuchtstoffe bekannte Halbleiterkristalle elektrische Energie in Lichtenergie umsetzen. Diese Art der Lichterzeugung arbeitet mit einem hohen Wirkungsgrad: Wärmeerzeugung und Infrarotabstrahlung gibt es nicht. EL-Bauelemente haben daher einen sehr geringen Stromverbrauch, die Lebensdauer ist praktisch unbegrenzt, die Leuchtkraft nimmt über eine Betriebsdauer von ca 6000 Stunden kontinuierlich auf 50% ab, um dann konstant zu bleiben.
EL-Folien bestehen meist aus drei Lagen, einer transparenten Elektrode, etwa aus Polyesterfilm, die mit einem Metall wie Indium-Zinn-Oxyd bedampft wird, einer Schicht mit Leuchtsegmenten, zum Beispiel Phosphorpartikel oder Zinksulfid, dem Metalle wie Silber, Kupfer, Gold oder Mangan beigemengt werden, um Farbeffekte zu erzielen und einer unteren Kathode aus Aluminium, Carbon oder Silberlack, die dann gleichzeitig auch als Reflektorschicht dient. Legt man nun ein Wechselfeld mit einer bestimmten Spannung und Frequenz an die Elektroden an, wird in der Schicht mit dem Leuchtsegmenten eine Ladung induziert und die eingelagerten Partikel emittieren Energie in Form von Licht. Das Gesamtgebilde ist extrem dünn, je nach Trägermaterial und Art der unteren Elektrode zwischen 0,17 mm und 0,3 mm, dazu flexibel, frei formbar und widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse, mechanisch sehr stabil und die zu beleuchtende Fläche wird gleichmäßig ausgestrahlt. All diese Effekte macht sich Mercedes-Benz für die neue Kennzeichenbeleuchtung zu Nutze. Ergänzend wird das neue Nummernschild noch mit einer Reflektionsschicht, ähnlich der heute üblichen Reflektionskennzeichen versehen, um auch beim geparkten Fahrzeug den Sicherheitsstandard halten zu können. Neben der erhöhten Sicherheit und der unbegrenzten Haltbarkeit kommen den Fahrzeugentwicklern die reduzierte Stromaufnahme zugute. Strom ist durch die vielen Helferlein im Auto, von der elektrischen Spiegelverstellung über Fensterheber und Sitzverstellung bis zu Navigationssystem und den aktiven Fahrsystemen ein knappes Gut geworden. Da ist jede neue Technik, die mit weniger Strom auskommt, hoch willkommen. Auch der Designer freut sich: die Heckgestaltung wird nicht mehr von der Platzierung des Kennzeichens und seiner Beleuchtung bestimmt, denn die Einbauräume für das Kennzeichen in der Heckklappe oder dem Stoßfänger können deutlich kleiner ausfallen. Allerdings sind bis zu einer Serienreife noch einige Hürden zu überwinden. Da ist erst einmal die Zulassung durch die Behörden, die in allen großen Märkten erfolgt sein muß. Und es muß eine Logistik aufgebaut werden, da die Schilderdienste die neuen Kennzeichen nicht auf ihren vorhandenen Geräten produzieren können. Auch über die Kosten für ein EL-Kennzeichen gibt es noch keine Aussagen.
(Text:
Dieter Roßbach) |
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