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Das grosse Z(ett)
02.11.2001
Toyota zeigte auf dem Genfer Salon 2001 den exzentrisch gezeichneten Roadster VM 180. Zagato hatte eines seiner, leider selten gewordenen, Statements zum Automobil-Design abgegeben. Dieser Entwurf basiert auf dem aktuellen MR2 und hat einen leistungsgesteigerten 155 PS-1.8l-VVTi-Motor. Toyota Modellista International wird den Zweisitzer in einer limitierten Serie für den japanischen Markt produzieren. Wie bei anderen Entwürfen der Mailänder Firma werden sich die Geister auch an der Gestaltung dieses Fahrzeugs scheiden. Die vorderen Lichteinheiten in Verbindung mit dem zahnbewehrten Kühllufteinlass formen ein Bild animalischer Agressivität. Die Rückseite mit den schwarz unterlegten Leuchten mutet seltsam unfertig an. Interessant ist der Rückgriff auf die ausgeprägten Kotflügelformen der fünfziger und sechziger Jahre. Während die mittlerweile zu Serien-Produzenten aufgestiegenen Designer wie Bertone, Ital Design und Pininfarina, speziell bei Auftragsarbeiten, meist den Kammerton italienischer Ästhetik bemühen, entwickelt Zagato hier auf den Linien des Raptor von 1996 eine expressive Sprache. In der Radikalität der Formensprache bleibt sich Zagato treu, und viele Klassiker belegen die visionäre Kraft der Firma. Man spürt die Herkunft der Firma aus dem Flugzeugbau und immer scheint das traditionelle Interesse von Zagato an der Aerodynamik durch. Ugo Zagato gründet 1919 mit 29 Jahren eine Karosseriebaufirma in Mailand. Seine Konstruktionen zeichnen sich durch Aerodynamik und Leichtbauweise aus, die er im Flugzeugbau vor und während des Ersten Weltkriegs kennengelernt hat. Sehr bald nach der Gründung erhält er Aufträge von Alfa Romeo. Vittorio Jano läßt ihn den legendären Alfa Romeo 6 C 1500 und den Rennwagen 6 C 1750 gestalten. Die Zusammenarbeit bewährt sich, und bis in die Mitte der Dreissiger entstehen die allermeisten Entwürfe für die Mailänder Marke. Um diese Abhängigkeit zu mindern sucht Zagato die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern. So entwickelt man auch Fahrzeuge für die anderen großen italienischen Hersteller Fiat und Lancia. Ein Höhepunkt der Firmengeschichte ist der Gewinn der F1-Weltmeisterschaft 1951 durch Alberto Ascari auf dem, von Zagato gezeichneten, Alfa 159.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt sich durch das Aufkommen der GT-Fahrzeuge ein neues Betätigungsfeld. Nach Übernahme der Firma durch Ugos Söhne, Gianni und Elio, wird eine neue Fabrik gebaut und in zwei Richtungen expandiert: Zagato Car srl ist für die Entwicklung und Produktion von Strassenfahrzeugen zuständig, Zagato Design srl steht für ein umfassendes Angebot von Industrie- und Produktdesign. Vor allem Fahrzeuge wie der Fiat 8V von 1952, der Maserati A6GZ 2000 von 1955, Abarth 750 Z von 1956, Aston Martin DB 4 GTZ von 1960, Lancia Appia Sport III von 1961 oder Alfa Romeo Junior Z von 1968 markieren Spitzenleistungen Zagatos im Automobildesign. Die 70er Jahren wird durch die Produktion erfolgreicher Entwürfe wie den Alfa Junior Z oder Lancia Fulvia Sport geprägt. Die Designstudien aus der Zeit wirken seltsam beliebig und uninspiriert (z.B. Cadillac Nart von 1970, Lancia Beta Spider von 1975). Zukunftsweisend sind nur Konzepte wie das Microcar Zele 1000-1500-2000 Van von 1975. Erst in den 80er Jahren entstehen wieder präzise Fahrzeuge wie der Alfa Romeo Zeta 6 (1984) oder der Aston Martin Volante Zagato (1987). Wirtschaftliche Probleme in den Neunzigern sind dafür verantwortlich, dass die Serienproduktion von Fahrzeugen ausläuft. Insofern markieren der Alfa Romeo SZ, sein offenes Pendant RZ und der Lancia Hyena einen Endpunkt. Der Focus von Zagato liegt heutzutage auf Design und Prototypenbau als Dienstleistung für die Industrie: Konzepte für Strassenbahnen und Gabelstapler bestimmen das Geschäft. Allerdings ist es schön, dass sich die Firma mit dem Z im letzten Jahrzehnt mit Studien wie dem Raptor (1996), Zuma (1998) und ISO Isocity (1999) wieder verstärkt zu Wort meldet. Was aber besonders erfreulich ist: Mit dem Toyota VM 180 wird wieder ein Zagato in einer Kleinserie gefertigt. Schade nur, dass uns in Europa dieses Auto vorenthalten bleibt.
(Text:
Rainer Rossbach ) |
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