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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Citroën Osée: Ein Gesicht für die Zukunft

20.12.2001

pfeil  Technische Daten

Osée Frontpartie
 Symbiose von Tradition und Zukunft
Pininfarina hat für Peugeot einige der schönsten französischen Klassiker gezeichnet: Coupé und Cabrio der 404- und 504-Baureihe haben im Lauf der Jahre nichts von ihrer Eleganz verloren. Auch neue Baureihen, wie das aktuelle 406 Coupé, stammen aus den Turiner Ateliers.

Citroën hingegen, die zweite Marke des aus dem ostfranzösischen Hersteller hervorgegangenen PSA-Konzerns, hat seit der Übernahme ihre Seele verloren.

Der Avantgardist von einst führt ein Schattendasein. Die Nachfahren innovativer Baureihen wie Traction Avant, DS, SM oder 2CV sind Alltagslangweiler. Nach einer langen Phase des ausschließlich betriebswirtschaftlichen Interesses zeigt sich PSA nun endlich daran interessiert, der Marke wieder ein Profil zu verschaffen. Projekte wie der Pluriel, der 2002 auf den Markt kommen soll, machen Hoffnung auf einen neuen Anfang.

Die mögliche Wiederbelebung hat auch für ein Partnerunternehmen wie Pininfarina strategische Bedeutung. Die Italiener hoffen, die lange und fruchtbare Zusammenarbeit mit Peugeot auf Citroën ausdehnen zu können.

Was lag also näher, als eine Studie auf die Beine zu stellen: Der Osée soll die Brücke schlagen zwischen dem Esprit der grossen Jahre und einer Zukunft, die den Mythos zeitgerecht übersetzt.

Das realisierte Fahrzeug, ein Sportwagen mit Mittelmotor, hat nicht gerade das Layout, das man mit Citroën verbindet. Dringender als Sportlichkeit erwartet man innovative Raumkonzepte, überragenden Komfort und, (wenigstens die echten Liebenden), skurille Funktionalität.

Die Turiner wählten deshalb die untypische Bauweise, weil sie gegenüber dem Stammhaus nicht schulmeisterlich auftreten wollten. Die Weiterentwicklung der klassischen Tugenden will man den Franzosen selbst überlassen – der eigene Anspruch orientierte sich eher daran, einen frischen Formenkanon zu finden und neue Türen für die Gestaltung aufzustoßen.

Silhouette vordere Leuchten
 DS und SM liefern die ideelle Blaupause

Allerdings machte man Anleihen in der Firmengeschichte. Volumen- und Flächenprinzipen von DS und SM wurden als Bezugspunkte gewählt. Grosse Fronthaube und weit nach hinten gesetzter Fahrgastraum, glatte und gestreckte Flächen, die von klar erkennbaren Linien aufgelockert werden, ein spitz zulaufender Querschnitt in der Mitte der Motorhaube, sich zum Heck verjüngende Karosserielinien und eine geschlossen scheinende Frontpartie mit halbversteckten Luftansaugöffnungen waren stilbildend für die Persönlichkeiten der grossen Nachkriegs-Citroën. Hier sah man die Quintessenz des Markenprofils.

Und man bemühte sich um poetische Assoziationen: Begriffe wie fließende Dynamik, dahingleiten, Heiterkeit und Kreativität begeleiteten den Gestaltungsprozeß. Citroën inspirierte die italienischen Designer wie ein blechgewordener Genius französischer Ingenieurskunst.

Das technische Konzept beruht auf einem längs eingebauten Mittelmotor, um grösstmögliche Freiheiten in der Formensprache zu haben. Als Tribut an die traditionelle Raumökonomie von Citroën wurde der Innenraum für drei Personen entwickelt, bei dem der Fahrer in einem Schalensitz in der Mitte und vor seinen Mitfahrern angeordnet sitzt. Um den Zugang zum Fahrersitz zu erleichtern wurde der gesamte obere Bereich des Innenraums beweglich gestaltet.

Silhouette
 Kurze Überhänge und ein langer Radstand

Die Überhänge des Osée sind kurz, die Räder befinden sich genau in den Ecken, um den Eindruck von Kompaktheit und Stabilität zu vermitteln. Die Flanken sind klar und übersichtlich gehalten, ohne überflüssige Linien. Der grosse Radstand und der ganz nach vorne gerückte Fahrgastraum ergeben eine ungewöhnliche Symetrie und ist insofern typisch. Die transparente Kuppel endet in einer nach vorne weisenden Öffnung, durch die der Motor mit Kühlluft versorgt wird. Die dahinterliegenden Karosserielinien senken sich zum Heck ab.

Der vordere Lufteinlass ist nur mit schmalen Spalten angedeutet und integriert unaufdringlich und elegant das Citroën-Markenzeichen. Die durchgehenden und abgerundeten Flächen der Front vermeiden den Eindruck von Aggressivität, dreieckige Leuchtgruppen varriieren die Form des Markenzeichens.

Aus der breiten, kurzen Motorhaube führt die Windschutzscheibe ihre Linie als auslaufendes Dreieck weiter ins Dach. Dessen Fläche verläuft, leicht verjüngt, nach hinten und intergriert die Luftauslässe aus dem Motorraum, die ebenfalls in Dreieckformen ausgeführt sind. Das Heck wird durch zwei grosse Flächen definiert, welche aus der sich verjüngenden Fahrgastzelle abgeleitet werden. Diese endet in Form einer Spitze und läßt eine Art Rückgrat entstehen, welches den "Chevron", das Markenzeichen, als Motiv nochmals thematisiert. Der hintere Abschluß der Karosserie erinnert an ein klassisches Bootsheck. Diffusor und Auspuffrohre zitieren nochmals die Dreiecksform.

Aufsicht Heck
Vielfältige Variationen des Dreiecks-Thema

Die Basis für den Osée ist ein neu konstruiertes Fahrgestell. Der verwendete Sechszylinder mit drei Litern Hubraum ist der aktuellen Produktion entnommen, ebenso das hydroaktive Fahrwerk. Dieses allerdings wurde so modifiziert, dass sich eine aktive Aerodynamik ergibt. Je nach Geschwindigkeit und notwendigem Abtrieb verändern sich die Stellung und der Winkel des Wagenkörpers.

Die Pininfarina-Studie verleugnet ihre italienische Abstammung nicht. Verwegene ästhetische Lösungen, wie das Design eines HY, eines Ami 6 oder das Heck eines DS-Break sind ihre Sache nicht. Basierend auf einer gründlichen Markenanalyse steht sie mit ihrem verfeinerten Stilgefühl und den wohlkalkulierten formalen Brüchen eher für das, was Marketing heutzutage dem Konsumenten für zuträglich hält. Der Drahtseilakt ohne Netz von früher hat sich in eine Gratwanderung zwischen kommerziellem Erfolg und einer gerade noch marktfähigen stilistischen Extravaganz verwandelt. Die früher vorhandene innere Einheit von technologischer Vision und gestalterischer Avantgarde, die den Mythos von Citroën begründete, ist heute wirtschaftlich nicht mehr darstellbar.

Pininfarina hat mit dem Osée bewußt ein Fahrzeug geschaffen, welches ganz anders ist als die heutigen Serien-Citroën. Während das exzentrische Heck den Studiencharakter des Wagens betont, erscheint die Gestaltung der Frontpartie mit ihrer subtilen Variation des Dreiecksthemas durchaus geeignet, als Vorbild für zukünftige Serienfahrzeuge zu dienen. Insofern hat Pininfarina ein mögliches Vorbild für die Zukunft der Marke geschaffen.

(Text: Rainer Rossbach )
(Fotos: Pininfarina, Rainer Rossbach)

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