|
|
|
|
Bristol Blenheim 3S: No sex please, we are british
27.12.2001
Jaguar, Aston Martin und Land-Rover gehören zu Ford, Bentley gehört VW, der Mini und Rolls Royce sind BMW-Ableger, Lotus ist in asiatischen Händen und Rovers Zukunft steht in den Sternen Fremdherrschaft überall, wären da nicht zwei kleine Hersteller, die tapfer Großbritanniens Fahrzeugbau-Tradition gegen die ausländischen Invasoren verteidigen. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt ist Morgan, die wahre Exklusivität und echte britische Exzentrik liefert allerdings einzig Bristol: "We wish to state that we have no distributers or dealers, please contact us directly". Eine Manufaktur mit direktem Endkundenkontakt! Bristols Weg in die Automobilherstellung war ein Ergebnis des gewonnenen zweiten Weltkriegs. Die bisherige Produktion, Kampfflugzeuge, hatte ihren Markt verloren und man sah sich nach Alternativen um. Da kam es sehr gelegen, daß man als Produzent einer Siegermacht Zugriff auf die Technik des Verlierers hatte, und so wurde aus dem BMW 327 der Bristol 400. Seit 55 Jahren produziert Bristol nun schon Automobile, und trotz des Ahnherrn BMW waren es immer sehr britische. Understatement ist der Leitfaden der Fahrzeuggeschichte. Unscheinbare Coupes mit langem Radstand und antiquiertem Design sind das Markenzeichen. Fahrzeuge, die gut zum Bild des sehr konservativen Lord passen, gerade richtig, um damit im Club Stil und Wohlstand zu zeigen, ohne durch schrille Töne aufzufallen. Jeder Bristol wird immer noch komplett von Hand gefertigt, ohne Zeitdruck. Die Produktion eines Wagens dauert so drei- bis viermal länger als die eines "normalen" Luxusautos. Nur eine Handvoll Fahrzeuge pro Woche verlassen das Werk, Händler oder Vertretungen gibt es nicht. Bristol vertreibt seine Produkte nur direkt, allerdings kaum in der Art, in der Vorwerk Staubsauger verkauft. Bristol erwartet, daß der Kunde nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit mitbringt, um die Erschaffung seines eigenen Fahrzeuges mitzugestalten, denn ein Bristol ist ein Fahrer-Auto. So wird zum Beispiel das Ansprechverhalten der Servolenkung individuell auf die Wünsche des Kunden eingestellt.
Das aktuelle Produkt ist der Blenheim 3. Er baut auf einen Entwurf der frühen siebziger Jahre auf. Durch den extrem langen Radstand von 2,89m und die lange Motorhaube wirkt das Auto sehr unproportioniert, aber nur so ließ sich ein Front-Mittelmotor-Konzept verwirklichen, bei dem trotz Chrysler-V8 eine ausgewogene Lastverteilung erreicht wird. Die Wahl eines Großserienmotors erlaubt, den Blenheim technisch ohne großen Aufwand aktuell zu halten und mit ausreichend Leistung liefern zu können. Das Fahrwerk bietet gängige Technik: Dreieckslenker und einstellbare Stoßdämpfer vorne, eine Mehrlenker-Achse hinten. Für das Interieur werden nur beste britische Zutaten verwendet, Conolly-Leder und Echtholz bestimmen das Bild.
Auch für solche Fahrzeuge gibt es Modellpflege. Gerade bekam der Blenheim eine aufgewertete Version, den 3S, zu Seite gestellt. Der "S" definiert die Sportlichkeit, die einem Bristol angemessen ist. Tiefer, breiter und lauter sind nicht die typischen Attribute eines Blenheim 3S. 16" Alumininumräder und etwas breitere Reifen sind in Zeiten der 18-Zöller dezente äußere Merkmale. Eine 6cm breitere hintere Spur zog eine Änderung der Kotflügel nach sich. Einstellbare Dämpfer und härtere Stabilisatoren sollen die Karosseriebewegungen bei "enthusiastic motoring" im Zaum halten. Die vier Auspuffrohre setzen einen fast schon aufdringlichen optischen Akzent. Der Bezug der Ledersitze wurde so geändert, daß die Polsternähte der Rückenlehne nun vertikal statt horizontal verlaufen, ein tiefer Einschnitt in die Haustradition, aber durch den verbesserten Seitenhalt, den ein Sportmodell nun einmal bieten muss, begründet. Diese grundlegende Änderung soll allerdings keinen Einfluß auf den Sitzkomfort haben. Mahagoni und Walnussholz runden das Bild ab. Je ein Benzineinfüllstutzen auf jeder Wagenseite nehmen dem Fahrer die Entscheidung ab, von welcher Seite er die Tankstelle anfahren soll. Und natürlich hat der 3S wie schon der Blenheim die zwei Service-Klappen hinter den Vorderrädern, unter denen auf der linken Seite das Reserverad und der Wagenheber und auf der rechten Seite der Waschwasserbehälter, Bremsservo, Sicherungen und Batterie untergebracht sind.
Ein Sportwagen braucht mehr Leistung, selbst wenn es sich um einen Bristol Blenheim handelt. Also hat man den V8 überarbeitet. Geänderte Ansaugrohre, vergrößerte Ventile und eine angepaßte Steuerelektronik erlauben 500 U/min mehr, widerstandsärmere Schalldämpfer und große Metallkatalysatoren runden das Bild ab. Über die Leistung selbst spricht Bristol in guter britischer Tradition nicht. Der Hinweis muß genügen, daß der Motor nichts von seiner Laufruhe, Geräuscharmut und Effizienz verloren habe, nun aber, wenn es die Situation erfordere, unverzüglich die notwendige Leistung bereitstelle, um "muscular authority" zu zeigen. Die versprochene Beschleunigung von 0-100km/h in 5,4 Sekunden unterstreicht den sportlichen Anspruch. Um all das in jeder Situation beherrschen zu können, bekommt der Blenheim 3S zudem Vierkolben-Bremssättel an der Vorderachse. So stellt man sich die Modellpflege eines traditionellen britischen Herstellers vor, das Ergebnis kann für £129.750 zzgl. Mehrwertsteuer erworben werden. (Text: Dieter Roßbach, (Fotos: Bristol) |
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||