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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH

05.01.2002

Lageplan
Lageplan

Seit 1925 wird in Reims Motorsport betrieben. Der erste Grand Prix findet 1932 statt, mit Nuvolari auf Alfa Romeo Tipo B als Sieger und Caracciola im gleichen Fahrzeug als Drittplatziertem. Reims ist ein schneller Kurs, vergleichbar mit Spa oder Monza. Lorenzo Bandini fährt die schnellste Runde im Training zum letzten Grand Prix 1966 mit einem Schnitt von 233,859 km/h.

Der Anspruch an die Fahrerqualitäten ist nicht allzu groß. Es gibt keine Herausforderungen wie die Eau Rouge oder die Parabolica. Trotzdem finden hier bemerkenswerte Rennen statt, die Höhepunkte in der Geschichte des Grand Prix-Sports sind und in den Siegerlisten sind alle Großen ihrer Zeit eingetragen.

pfeil  Die Rennen in Reims-Gueux

3. Juli 1938 Die 750kg-Formel wurde abgelöst, und viele Hersteller haben zum Saisonstart Probleme mit den neuen Bestimmungen. Der Alfa ist ein Desaster. Alfa Romeo hatte drei Fahrzeuge in den letzten beiden Rennen verloren und verzichtete auf einen Start in Reims. Die erwarteten Maserati für Varzi und Trossi kamen nicht und ein innerfranzösisches Gerangel um Fördergelder, die schließlich an Talbot und Bugatti gingen, führten zu einem Boykott von Delahaye, die einen GrandPrix-Wagen fast fertig hatten. Da Mercedes nur drei statt der erhofften vier Wagen melden durfte, traten nur 10 Fahrzeuge zum Training an. Auto Union hatte sich von den Rückschlägen und Problemen des Jahres noch nicht wieder erholt, Porsche war gegangen, Stuck gekündigt worden und Rosemeyer Anfang des Jahres beim Rekordversuch gestorben. Reims wurde ein weiteres Desaster. Hasse zerstörte sein Fahrzeug im Training und Müller wurde bei einem Unfall verletzt, so daß er nicht starten konnte. Auto Union wollte die beiden verbleibenden Fahrzeuge zurückziehen, die Überredungskunst des Veranstalters rettete schliesslich ein Starterfeld von 9 Fahrzeugen, mit den drei Mercedes von v.Brauchitsch, Lang und Caracciola 10 Sekunden vor den Auto Union von Hasse und Kautz. Die Talbot, der Bugatti und der SEFAC waren nur Statisten mit einem Rückstand von über 17 Sekunden auf den Trainingsbesten.

Nach dem Start setzten sich die Mercedes sofort vom Feld ab. Hasse drehte sich in der Garenne-Kurve und würgte den Wagen ab. Es gelang ihm, den Wagen auf einen Feldweg zu schieben und im Rückwärtsgang wieder zum Laufen zu bringen, rollte aber in ein Getreidefeld und blieb stecken. Kautz beschädigte sich die Radaufhängung und mußte an der Box aufgeben. Auch Wimille mußte seinen Bugatti schon in der ersten Runde abstellen, der SEFAC schaffte zwei Runden. Immerhin lieferten sich die Mercedes einen internen Kampf. Caracciola war schlecht gestartet, konnte sich zur Mitte des Rennens aber die Führung erkämpfen und einen 10-Sekunden-Vorsprung herausfahren. Nach dem obligatiorischen Tankstop, die Kompressor-V12 waren extrem durstig, verlor Lang 4 Minuten an der Box und Caracciolas Motor lief eine Weile nur auf 11 Zylindern. Dadurch konnte V.Brauchitsch die Führung übernehmen und als Sieger ins Ziel gehen, vor Caracciola und Lang, Carrière auf Talbot hat als Vierter 10 Runden Rückstand.

Bhera, Farina, Ascari
 Grand Prix de la Marne 1952

29. Juni 1952 Marne Grand Prix. Für die Formel2-Rennen des Jahres 1952 hat Ferrari mit dem 500 das ideale Fahrzeug. Ascari kommt mit Siegen in Syracuse, Pau, Marseille und Spa nach Reims und ist sicher, auch hier dominieren zu können. Wie erwartet stehen Ascari und Farina in der ersten Startreihe, vor Manzon und Behra mit dem Gordini Type 16. Villoresi mit dem dritten Ferrari folgt auf Platz 5. Ein Drei-Stunden-Rennen bei drückender Juli-Hitze steht an, bei dem noch nicht einmal Meisterschaftspunkte vergeben werden. Beim Start überholt Behra Manzon und als das Feld die Kurve von Thillois erreicht, hat er auch Farina und Ascari hinter sich gelassen. Alle erwarten, daß der überlegene Ferrari sich auf der Zielgerade die Führung zurückerobern wird, aber Behra kann dagegenhalten. Seite an Seite passieren sie die Boxen und am Ende behält Behra die Oberhand. In der vierten Runde wechselt die Führung alleine viermal auf der Geraden zwischen Thillois und Gueux. Villoresi muß in dieser Runde aufgeben Bis zur zehnten Runde haben beide einen Vorsprung von 19 Sekunden auf den Dritten, Dr. Farina, herausgefahren. Diesen Kampf bei der Hitze drei Stunden durchzustehen, wird nicht möglich sein. In Runde 14 geht Ascari an die Box, läßt die Kerzen wechseln und übergibt sein Fahrzeug an Villoresi. In einem Rennen, wo keine Punkte zu erzielen waren, war es für ihn sinnlos, gegen einen gleichwertigen Konkurrenten ein solches Rennen durchzustehen. Behra kann es nun für die folgenden zweieinhalb Stunden etwas ruhiger angehen lassen, aber er baut den Vorsprung auf Farina noch auf 2km aus. Das Ergebnis fällt im Sinne der Zuschauer aus, die auch einen Sieg der dominierenden Ferrari erwartet hatten.

Gerüchte kamen auf, daß der Gordini-Motor 2,3l statt der erlaubten 2l hätte, aber da es sich um ein französische Fahrzeug handelte und es kein Meisterschaftslauf war, interessierte sich niemand dafür, den Wagen überprüfen zu lassen. Es blieb Gordinis einziger Sieg über die Ferrari.

Fangio, Kling & Ascari
 Start zum GP de France 1954

4.Juli.1954 Aus dem Mercedes-Renntransporter werden Fahrzeuge entladen, die die Konkurrenten entgeistert ansehen. Stromlinienförmig, mit vollverkleideten Rädern, elegant, mit Direkteinspritzung und desmodromischer Ventilsteuerung das Reglement bestens nutzend, lassen die neuen W196 alle anderen Fahrzeuge wie Vorkriegsentwürfe wirken.

Mercedes-Benz hat sich Zeit gelassen und den Wiedereinstieg in den Grand-Prix-Sport gründlich vorbereitet. Die Konkurrenz hätte gewarnt sein müssen, der Sieg LeMans 1952, die erfolgreichen Einsätze bei der Panamericana und der Gewinn der Markenweltmeisterschaft zeigten die Ernsthaftigkeit der Mercedes-Mannschaft. Die Verpflichtung von Juan Manuel Fangio für das Team unterstrich den Willen zum Erfolg.

Reims wird zu einem einzigartigen Triumpf für Mercedes, vergleichbar mit dem Debutsieg Jimmy Clarks im Grand Prix von Zandfoord auf dem Lotus 49 Cosworth. Oder Jody Scheckters Sieg mit den Wolf in SA. Mercedes hat die ersten beiden Formel-1-Rennen in Argentinien und Belgien ausgelassen.

Das Premiererennen ist gut gewählt, denn die schnelle Strecke von Reims kommt mit ihren langen Geraden dem Wagen sehr entgegen. Das Training zeigt, daß der neue Wagen nicht ohne Probleme ist. Besonders der Benzinverbrauch ist unerwartet hoch und in einer Eilaktion werden im Werk Zusatztanks hergestellt, nach Reims geschafft und in die Wagen eingebaut. Trotzdem wird das Training zum Erfolg, Fangio steht vor Kling in der ersten Reihe, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 200,048km/h, neben ihnen als dritter Ascari mit einem Maserati 250F vor Gonzales auf Ferrari 553.

Kling geht direkt an die Spitze, gefolgt von Fangio. Ascari scheidet schon in der ersten Runde aus. In Runde 11 hat sich Hans Hermann vom siebten Startplatz an die dritte Position herangearbeitet, drei Mercedes führen. Aber der hastig eingebaute Zusatztank führt zum Ausfall von Hermann, während Fangio und Kling vorneweg fahren. Team-Order, Fahrzeug schonen? Daran ist nicht zu denken. Kling will Fangio zeigen, daß er genauso gut ist, Fangio will das Rennen gewinnen und den Grundstein zur Titelverteidigung legen. Zehnmal wechselt die Führung und erst in der letzen Runde gelingt es Fangio, den Sieg sicher zu stellen.

Im Ziel trennt die beiden Mercedesfahrer eine Wagenlänge, alle anderen Teilnehmer sind überrundet, nur sieben Fahrzeuge haben das 506km-Rennen überstanden.

Ferrari-Dominanz
 Drei Ferrari in der ersten Reihe

2. Juli 1961 Die neue Formel-1-Motorenregel hatte die alte Formel 2 plötzlich aufgewertet und zur Formel 1 werden lassen. Einzig Ferrari hatte es geschafft, ein für die neuen Bestimmungen passendes Fahrzeug rechtzeitig zum Saisonstart fertig werden zu lassen, alle anderen sind nur unzureichend vorbereitet und starten mit modifizierten Vorjahreswagen.

Ferrari hatte die Hausaufgaben gemacht und düpierte die Konkurrenz mit dem neuen 156 "Sharknose". Fünf der sieben Rennen zur Fahrerweltmeisterschaft gingen an das italienische Team.

In Reims stehen Phill Hill, Richie Ginther und Wolfgang von Trips in der ersten Reihe. Nur Giancarlo Baghetti kann mit dem Trio nicht mithalten und steht auf Platz 12. In der Anfangsphase führt Hill, wird ab der 13. bis zur 17. Runde von Trips abgelöst, und übernimmt erneut die Führung, als dieser ausfällt. Alles sieht nach einem normalen Rennen aus, bis sich Hill zu Beginn des letzten Renndrittels dreht und den Motor abwürgt. Richie Ginther erbt für drei Runden die Führung. Aber die Hitze fordert weitere Opfer. Mit Ginthers Ausfall wäre das Debakel für Ferrari komplett, hätte sich nicht Baghetti langsam nach vorne gearbeitet. Zwischen dem Ferraripiloten und den Porschefahrern Jo Bonnier und Dan Gurney, beginnt ein Dreikampf um die Spitze, aus der Bonnier in der 44. Runde aussteigen muss. Ab der 43. bis zur 52. Runde wechselt die Führung bei jedem Überqueren des Zielstrichs, Baghetti, Bonnier, Baghetti, Gurney und wieder Baghetti. Seite an Seite gehen sie in die letzte Runde und als man sie vor der Kurve bei Thillois wieder sehen kann, ist der Ferrari in der ungünstigeren Position, in Führung, mit Gurney im Windschatten. Und so kommen sie die lange Zielgerade herauf. Dann aber, 100m vor dem Zielstrich, lupft Baghetti das Gas, der überraschte Gurney zieht vorbei und muß dem Ferrarifahrer nun ungewollt Windschatten geben, genug, daß dieser mit einer Zehntelsekunde im Fotofinish das Rennen für sich entscheiden kann. Porsche hat mit dem alten Formel2-Rennwagen seinen ersten GP-Sieg denkbar knapp verpaßt, Baghetti hat seinen einzigen GP gewonnen.

1970 findet das letzte Autorennen in Reims statt, ein Motorradrennen beendet 1972 die Geschichte von Reims-Gueux als Rennstrecke.

Steckenkarte
Die verschiedenen Streckenvarianten

Reims-Gueux wurde mit drei verschiedenen Streckenprofilen genutzt. Die erste Variante führte über die D27 durch die Ortschaft Gueux, dann auf die D26 und über die RN31 zurück auf die D27 und ist 7,826 km lang. 1952 änderte man den Verlauf der Strecke, es gab nun keine Ortsdurchfahrt durch Gueux mehr, der Kurs verkürzte sich auf 7,152 km. Ab 1953 wurde die Strecke nach Westen hin über die D27 verlängert, mit der Spitzkehre Virage de Muizon, und ist jetzt 8,301 km lang. Angenehmer und erwünschter Nebeneffekt war, daß die Gerade auf der RN31 noch läänger wurde, denn die Kurve von Garenne kann voll genommen werden. Der Kurs war deutlich schneller geworden.

Außer den Gebäuderesten an der D27, der alten Zielgeraden, finden sich keinerlei Hinweise auf die ehemalige Grand-Prix-Strecke. Auch die Publikationen des Syndicat d’Initative von Reims schweigt sich über die Rennsportvergangenheit im Westen der Stadt aus.

Die Curbe de Gueux (Curbe Luigi Musso) wird gerade in einen Kreisverkehr umgearbeitet, der befürchtete Abriss von Teilen der Anlage blieb allerdings aus. Der morbide Charme des Verfalls liegt über der Zielgeraden, das trübe Wetter und die zeitweise Sperrung der Straße wegen der Umbauarbeiten verstärkt diesen Eindruck noch. Kein Auto stört die Stille. Die alte Rennatmosphäre, die bei anderen Strecken der Modernisierung zum Opfer gefallen ist und die Anlagen steril und gesichtslos wirken läßt, kann hier entdeckt werden.

Kurve in der Ortsmitte von Gueux Reims Gueux, CD26, Virage de la Hovette
Virage de Gueux Virage de la Hovette
Von der Curve de Thillois auf die Zielgerade Reims Gueux, Zielgerade
Aus der Kurve von Thillois Zielgerade

Die Anlage verströmt den Charme historischer Ruinen. Mitten in Feldern, umgeben von grünen Bäumen wie in einer Parklandschaft stehen die leeren Gerippe der Boxenanlage, des Zeitnehmerhauses und der Rennleitung. Irgendjemand hat einen Strauß frischer Blumen an einer Box befestigt, wem zur Erinnerung?

Alles wirkt überraschend sauber, kaum Müll, als ob man den Gebäuden die letzte Ehre einer Reinigung gewährt hätte. Die großen Tribünen warten immer noch auf Zuschauer, die nicht mehr kommen werden.

Die große drehbare Anzeigetafel verrostet langsam, die Leitungen der Tankanlage enden im Leeren.

Alte gemalte Werbeaufschriften verblassen, Streckenmarkierungen aus Beton begrenzen Einfahrten und Feldwege, eine verwitterte alte BP-Reklame erzählt von vergangenen Rennen.

pfeil  Bildergalerie

Auch wenn die Gebäude in einigen Jahren nicht mehr stehen werden, wird der Grand-Prix-Kurs von Reims-Gueux nicht verschwunden sein, alle Streckenvarianten können immer noch befahren werden, da sie ja öffentliche Straßen sind. So wird Reims-Gueux auch dann noch einen Abstecher Wert sein, um mit Fangio, Behra oder Nuvolari eine Runde zu drehen.

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: Dieter Roßbach )

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