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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Volvo SCC: Wachgeküsst?

28.01.2002

SCC Heck
 Volvo SCC: Starkes Heck

"Optimale Sicht" ist das Thema des Safety Concept Car, es enthält aber außerdem, Volvos Tradition entsprechend, eine Reihe von Techniken, die die persönliche Sicherheit und das passive Sicherheitssystem verbessern. Sicherheit war in den 70er Jahren das grosse Marketingthema der Schweden und oft litt das Design darunter. Die verschiedenen Varianten der 240er Baureihe werden sicherlich nicht in den Pantheon der sinnlichen und eleganten Autos eingehen: Klobige Autos mit klobigen Stossstangen beschützten Leute, die eigentlich gar nicht Auto fahren wollten. Diese Zeiten sind gottlob vorbei. Deshalb freut es die Ästheten, dass das SCC seine Verwandschaft zum PS 1800 ES "Schneewittchensarg" offen zeigt - und eine Beziehung zu einer Epoche herstellt, in der Volvo schöne und sportliche Autos baute. Es wäre erfreulich, wenn die klassischen Formgebungen der Volvo-Historie schöne neue Schwedenautos inspirieren würden.

Das Design der Studie folgt den aktuellen Gepflogenheiten bei Volvo: man assoziiert Nieselregen, Landhäuser und Barbour-Jacken, ein Hund im Kombi ist eigentlich Pflicht. Rustikal und stämmig im Gesicht, mit einem holzschnittartigen Heck, erzeugt das aktuelle Volvo-Design Gefühle von Geborgenheit und Sicherheit und reflektiert damit die Geschichte der Marke. Durch die schlitzförmigen Scheinwerfer, die glatte Front, Lufteinlässe wie ein Zitat von Porsche, und die grossen transparenten Flächen evolutioniert das SCC diese Sprache zu einer dynamischeren Artikulation. Die ausgestellten Radhäuser mit ihrer schwarzen Einfassung tun ein übriges. Im Heck findet man die Verwandschaft zum PS 1800 ES: Die weisse horizontale Linie in den Rückleuchten und die theatralisch betonte, im unteren Bereich tief in die Stossfänger eingelassene, gläserne Hecktür zitieren den alten Schweden.

P 1800 ES
 PS 1800 ES
Der Sinn dieser Studie liegt allerdings in der Darstellung moderner Sicherheitsfeatures: Volvo nutzt beim SCC technische Innovationen auf dem Gebiet der Computer- sowie Sensortechnik und kombiniert moderne Elektronik mit neuen Materialien und neuen mechanischen Lösungen. Ein Beispiel ist die erweiterte Rundumsicht. Über 90 Prozent aller wichtigen Informationen erreichen den Fahrer in Form von optischen Eindrücken durch die Fenster und die Windschutzscheibe des Fahrzeugs. Wird die Qualität dieser visuellen Informationen verbessert, soll die Fähigkeit des Fahrers gesteigert werden, in schwierigen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen und so Unfälle zu verhindern.

Deshalb wurde das SCC für das Auge konstruiert. Und dies bezieht sich nicht nur auf die Gestaltung, sondern darauf, dass vor allem das Blickfeld des Fahrers optimiert wurde. Sobald sich der Fahrer setzt, identifiziert ein Sensor die Position seiner Augen. Der Sitz wird automatisch der Größe des Fahrers angepasst, so dass das bestmögliche Blickfeld entsteht. Gleichzeitig werden die Pedale, das Lenkrad und die Mittelkonsole einschließlich Schalthebel so verschoben, dass sich alle Instrumente in ergonomischer Reichweite befinden. Der Fahrer hat dadurch den besten Überblick über das Geschehen außerhalb des Fahrzeugs und auch optimale Sicht auf die Instrumententafel.

Doch nicht nur die optimale Sitzposition sorgt für Sicht. Der Fahrer kann auch durch die seitlichen A-Säulen der Windschutzscheibe hindurchsehen, da diese aus einem Metallrahmen mit durchsichtigem Plexiglas bestehen. Die B-Säulen sind, freistehend, nach innen gebogen und folgen der Form des Sitzes, um so freie Sicht nach hinten zu gewähren.

Frontansicht
 Bullige Sportlichkeit
Weitere Details definieren die schwedische Vorstellung von Sicherheit. Ein Radargerät misst den Abstand zum nachfolgenden Verkehr, um vor Fahrzeugen im toten Winkel zu warnen. In die Seitenspiegel sind nach hinten gerichtete Kameras integriert, die dem Fahrer auf einem Monitor im Armaturenbrett zeigen, ob sich im toten Winkel ein anderes Fahrzeug befindet. Die Scheinwerfer passen sich der Straße an, indem sie á la Citroën DS Pallas beispielsweise den Lichtstrahl in die Richtung dirigieren, in die der Fahrer an einer Kreuzung oder Kurve lenkt. Außerdem passt sich die Beleuchtung der Geschwindigkeit des Fahrzeugs an: Bei schneller Fahrt auf der Landstraße oder der Autobahn wird der Lichtstrahl länger, bei Stadtfahrten dagegen wird der Lichtstrahl kürzer und breiter, um einen größeren Bereich auszuleuchten. Ein Infrarotlichtverstärker erweitert die Nachtsicht über die Reichweite der Scheinwerfer hinaus. Eine nach vorne gerichtete Kamera, ein sogenannter Kollisionwarner, überwacht die Position des Wagens auf der

Straße und warnt den Fahrer, sobald sich der Abstand zu schnell verringert. Bei einem scharfen Bremsmanöver reagieren die Bremslichter mit einem pulsierenden Blitzmodus und warnen so den nachfolgenden Verkehr.

Außerdem arbeitete Volvo an der passiven Sicherheit. Die Vordersitze bilden zusammen mit den B-Säulen des Fahrzeugs einen Sicherheitsrahmen, der bei Unfällen mit Überschlag und beim Seitenaufprall mindestens so effektiv sein soll wie konventionelle B-Säulen. Zwei neuartige 4-Punkt-Sicherheitsgurtsysteme, zusätzlichverläuft ein Brustgurt von der Schulter zur Hüfte, sorgen für die Fixierung der Passagiere. Der Kreuzgurt sorgt dafür, dass die bei einem Unfall auftretenden Kräfte gleichmäßiger über den Brustkorb verteilt werden. Der Centre-Buckle-Gurt V4 ist ein neuer 4-Punkt-Sicherheitsgurt mit einem Mittelverschluss und Schultergurten, die V-förmig über den Brustkorb laufen. Der Gurt hält die Schultern optimal und sichert den Körper bei einem Überschlag in seiner Position. Der Rücksitz hat zwei elektrisch verstellbare Sitzpolster, deren Höhe stufenlos eingestellt werden kann, um Kinder unabhängig von ihrer Körpergröße in die bequemste und sicherste Sitzposition zu bringen. Am Vorderteil des Wagens befindet sich ein verdeckter, externer Airbag, der sich aufbläst, um Fußgänger oder Fahrradfahrer bei einem Unfall besser zu schützen.

Fernbedienung
 Das Auto in der Hosentasche
Die Fernbedienung des SCC wurde zum Volvo Personal Communicator (VPC) weiterentwickelt und enthält einige neue Funktionen. So sorgt ein Fingerabdrucksensor dafür, dass die Fernbedienung nur einer Person zugänglich ist. Der Fahrer muss nur den Türgriff anfassen, um die Tür zu entriegeln - und der Wagen kann ohne Schlüssel gestartet werden. Der VPC übermittelt die persönlichen Einstellungsparameter des Fahrers an den Wagen, so dass automatisch die notwendigen Anpassungen von Fahrersitz, Lenkrad, Pedale etc. vorgenommen werden.

Das System kann außerdem mit einer Reihe von Fahrzielen vorprogrammiert werden. Dann ist das Navigationssystem entsprechend eingestellt, sobald der Fahrer die Tür entriegelt. Ein Herzfrequenzsensor registriert Herzschläge von Mensch und Tier in einem geparkten Fahrzeug. Dieser Sensor wird aktiviert, wenn jemand in den Wagen einbricht und sich darin versteckt. Er dient auch als Erinnerung, falls ein Kind oder ein Tier im Wagen vergessen wurde. Sobald der Fahrer sich mehr als 100 Meter vom Wagen entfernt, kann der VPC diese Informationen über ein Handy übertragen. Es ist auch möglich, Informationen von einem PC oder Handheld-Computer zu übermitteln.

Zu der personalisierten Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fernbedienung kann der Fahrer bestimmte Daten bezüglich seiner Gesundheit hinzufüge (Informationen über allergische Reaktion auf Medikamente, Herzprobleme etc.). Diese Informationen werden an das Telematik-System des Fahrzeugs übertragen und im Falle eines Unfalls an den Notfalldienst gesendet. Dadurch erhält das Rettungsteam bereits medizinische Informationen, während es auf dem Weg zum Unfallort ist, was zu einer schnelleren, effizienteren und zuverlässigeren Behandlung beitragen kann.

Das Telematik-System im SCC ist eine Weiterentwicklung des Volvo On Call. Studien des Ford-Forschungslabors und Volvo Cars haben gezeigt, dass es möglich ist, die Menge wichtiger Informationen zu erhöhen, die bei einem Unfall vom Fahrzeug an den Notfalldienst übertragen werden. Zu diesen Informationen gehören auch Bilder von den Kameras im Wageninneren. Das erweiterte On Call-System registriert auch automatisch, wie viele Menschen sich beim Unfall im Wagen befinden, wo sie gesessen haben, wie viele angeschnallt waren und in welche Art von Unfall der Wagen verwickelt wurde. Das System wird sogar in gewissen Grenzen in der Lage sein, Feedback über die aufgetretenen Kollisionskräfte zu geben, denen die Fahrzeuginsassen ausgesetzt waren.

Die Frage muss erlaubt sein, ob z.B. Herzfrequenzprozessoren die Mobilität entscheidend weiter entwickeln. Interessant wäre, unter Einbeziehung aller fahraktiver Sicherheitsfeatures, ein Modell darzustellen, welches der Form des PS 1800 ES nicht nur äusserlich sondern auch im Geist nachspürt.

(Text: Rainer Rossbach )
(Fotos: Volvo)

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