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Toyota p.o.d.: Ein Auto als Haustier
1.04.2002
Auch die Beziehung zwischen Mensch und Maschine entwickelt sich weiter, beide werden lernen sich zu verstehen. Autos werden Gefühle entwickeln und ihre Kommunikation mit dem Fahrer auf eine neue Ebene stellen: p.o.d. (Personalization On Demand) kann lächeln und weitere zehn verschiedene Emotionen zeigen. Um seine Gemütslage zum Ausdruck zu bringen, stehen ihm Kombinationen aus farbigen Lampen sowie die verschiedenen Karosserieteile wie Scheinwerfer, Frontgrill und Außenspiegel zur Verfügung. p.o.d. kann sogar mit dem Schwanz wedeln, indem es die Radioantenne am Heck bewegt. Aber Vorsicht: Gerüchten zufolge haben finstere Gestalten den Virus "Cranky" programmiert, der, wenn er seinen Weg in die Emotionselektronik findet, p.o.d. launisch und unberechenbar macht. Diese Studie will sich als emphatischer Reisebegleiter verstanden wissen. Versehen mit einem Bewusstsein für die Gefühlswelt ihres Besitzers kann sie auf die Stimmungen und Vorlieben der Passagiere reagieren und damit Sicherheit, Insassenkomfort, Information und Kommunikation individuell anpassen. p.o.d. versteht sich als Kokon, der umschließt und schützt: Die Passagiere sind integriert und werden sicher, komfortabel und unterhaltsam in Bewegung gehalten. Intelligenz wird als die Fähigkeit definiert, zu lernen, zu verstehen und zu denken. Deshalb ist das Fahrzeug in der Lage, die Persönlichkeit und die Nutzungsgewohnheiten seiner Nutzer zu erlernen und zu verstehen, um die passenden Atmosphären zu schaffen. Nachdem p.o.d. den Fahrstil seines Besitzers und die bevorzugten Straßen registriert hat, passt es sich dieser Situation selbsttätig an. Mag der Fahrer eine sportliche Fahrweise auf kurvigen Landstraßen stimmt die Elektronik das Fahrwerk und den Schaltmodus der Automatik auf diese Anforderungen ab. Auf eine entspannte Fahrweise reagiert p.o.d. hingegen mit einer komfortablen und wirtschaftlichen Abstimmung. Da es sich um ein intelligentes Fahrzeug handelt, steht die Sicherheit immer an erster Stelle. Bei Bedarf reagiert p.o.d. mit einer Warnung oder einem Lob, was mancher Pilot wohl als Unbotmäßigkeit betrachten wird. Die Bedienelemente im Cockpit sind mit Sensoren ausgestattet, die Pulsfrequenz und Transpiration des Fahrers messen. Um den Fahrer gegebenenfalls zu entspannen, aktiviert das Auto optische Warnzeichen, spielt beruhigende Musik oder sorgt für ein kühleres Raumklima. Dank DSRC (Distance Short Range Communication) reagiert es auf unerwartete Hindernisse, die vor dem Fahrzeug auftauchen. DSRC sammelt Informationen aus dem Umfeld, von anderen Fahrzeugen und von Fußgängern. Ebenso kann p.o.d. mit den Fahrern anderer Autos kommunizieren, etwa um einen Überholvorgang zu signalisieren oder um sich zu bedanken. Es hört zu, wenn im Fahrzeug gesprochen wird und kann reagieren; etwa bei Bedarf eine Telefonverbindung herstellen, den Musikkanal wechseln oder über eine Verspätung des Fahrers informieren.
Der Innenraum ist mit zwei unterschiedlichen Displays ausgestattet: Neben dem zentral angeordneten Monitor verfügt jeder Sitzplatz über einen eigenen Bildschirm. Während das Zentraldisplay Informationen rund um das Fahrzeug liefert, stehen die übrigen Monitore für die Nutzung von Audio- und Video-Software zur Verfügung. Da p.o.d. die Unterhaltung im Fahrzeug mitverfolgt, kann es Informationen zum Thema beisteuern oder das Fahrziel ändern. Das Navigationssystem liefert auf Wunsch Routenvorschläge und informiert den Fahrer über Abweichungen von der vorausberechneten Ankunftszeit. Selbst Fotos von interessanten Wegepunkten können bereitgestellt werden. Ein wichtiger Baustein des Unterhaltungs- und Informationssystems ist "mini p.o.d.", das tragbare Terminal des Fahrzeugs. Das Modul speichert die musikalischen Vorlieben oder TV-Programme schon zuhause. Darüber hinaus gewährt mini p.o.d. den schlüssellosen Zugang zum Fahrzeug. Dabei übermittelt er die Identität des Fahrers sowie sein mutmaßliches Befinden. Aufgrund dieser Informationen wählt es die passende Hintergrundmusik aus, schlägt eine Fahrtroute vor oder empfiehlt sich als Einkaufsführer. Vier drehbare Einzelsitze ermöglichen die uneingeschränkte Kommunikation zwischen den Passagieren. Um den Einstieg zu erleichtern, drehen sich die Sitze selbsttätig zur Tür. Ist eine gemütliche Atmosphäre gewünscht, schwenken die Sitze zueinander. Nur während der Fahrt besteht das Fahrzeug auf einer nach vorn gerichteten Position des Gestühls.
p.o.d. nutzt ein Drive by wire-System, das konventionelle Elemente wie Lenkrad und Pedale durch einen elektronischen Joystick ersetzt, der allein mit der rechten Hand bedient wird. Diese Lösung soll in Sachen Benutzerfreundlichkeit, Raumangebot und Crash-Sicherheit Vorteile bringen. Über den Joystick werden die Befehle "Fahren", "Bremsen" und "Lenken" als elektronische Information an zahlreiche Aktuatoren weitergeleitet, die ihrerseits die Lenkung, die Bremsanlage, die Drosselklappe und das Getriebe bedienen. Es reicht, den Hebel nach vorn oder hinten, nach rechts oder links zu bewegen. "Willkommen "und "Auf Wiedersehen" sagt das Fahrzeug sobald man sich mit dem "mini p.o.d." nähert. Wenn es den Fahrer froh gelaunt begrüßt hat, öffnet es die Tür, schwenkt den Sitz zum Einstieg und wählt die passende Sitzhöhe. Wenn Sie bereit sind, nimmt der Motor selbsttätig seine Arbeit auf. Bei Beendigung der Fahrt, nachdem man den Motor ausgeschaltet hat und das Fahrzeug mitsamt "mini p.o.d." verlässt, wünscht p.o.d. ein fröhliches Auf Wiedersehen - selbst dann, wenn man ziemlich schlecht gelaunt ist, danach senkt es sich ab und ruht. Aber diese Freundlichkeit zeichnet einen echten Freund schließlich aus.
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(Text: Rainer Rossbach ) |
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