|
|
|
|
Matra m 72:
19.07.2002
Matra, sehr erfolgreich im Rennsport der sechziger und siebziger Jahre und Hersteller von Klassikern wie Matra Djet und 530 LX war die letzen Jahre nur als Produzent von Renault Espace und Avantime aufgefallen. Zwanzig Jahre ist es her, dass man mit dem Matra Murena ein Fahrzeug unter dem eigenen Namen produzierte. Zunächst auf dem Pariser Salon 2001 und nun in Genf zeigte man mit dem m72 wieder ein eigenes Konzept - ein kleines puristisches Spassmobil mit zwei Sitzen, das die Qualitäten von Motorrad und Roadster verbinden soll. 50 PS und 130km/h Spitze bei einem Gesamtgewicht von 430 kg scheinen den Franzosen dafür ausreichend. Interessant ist, dass weitere Hersteller wie die Ligier/Piaggio-Liaison diese Nische für attraktiv halten. Während deren Fahrzeug, vergleichbar der Matra-Einstiegsversion, mit 20 PS für den führerscheinfreien Betrieb ab 16 Jahren ausgelegt ist, kommt die stärkere Variante des m 72 als Sportler daher. Konzentration war die Schlüsselidee: Zweisitzig, offen und leicht führt dieses Fahrzeug Mobilität auf das Wesentliche zurück. Das Erlebnis des Fahrens, die Wahrnehmung von Natur und der unmittelbare Kontakt zur Strasse waren die Leitlinien der Entwicklung.
Die Architektur ist völlig offen. Der freistehende vordere Stossfänger besteht aus Thermoplastmaterial und Neopren, das das Muster des Profils der Michelin-Reifen aufnimmt. Die Vorderräder stehen frei und werden von mitlenkenden kleinen Schutzblechen abgedeckt. Die Vorderradaufhängung liegt frei im Blick und zeigt ihre doppelten Dreieckslenker sowie das Federbein. Die Seitenansicht wird dominiert von zwei Aluminiumprofilen: Das untere trägt die Bodengruppe und wird formal in den hinteren Kotflügeln weitergeführt. Das obere setzt sich in einem grossen Überrollbügel fort, der neben seinen statischen Funktionen und Sicherheitsaufgaben auch als Halterung für ein festes Dach dienen kann. Der Fahrer wird seitlich durch eine Tür gehalten, die aus einer Alustrebe und einer bis zum oberen Aluprofil des Käfigs reichenden transparenten Gitterstruktur besteht. Diese lässt den Fahrtwind nahezu ungefiltert passieren und sorgt für ein nachhaltiges Frischlufterlebnis. Oberhalb des Mittelmotors befindet sich eine Staubox, die auf der Rückseite die roten Heckleuchten aufnimmt. Darunter wird das Kennzeichen befestigt. Den unteren Abschluss bildet ein gerundetes, mit Öffnungen versehenes Blech, das den Blick auf die mechanische Komponenten des Antriebs freigibt. Der hintere Stossfänger ist aus den gleichen Materialien gefertigt wie der vordere. Die Passagiere sitzen auf wetterbeständigen, stoffbezogenen Schalensitzen. Der Fahrer bedient Leichtmetallpedale und informiert sich über Instrumente, die auf der Mittelkonsole sitzen. Gestartet wird über einen zentral liegenden roten Knopf. Damit wird der 750ccm-Reihenzweizylinder gestartet, der vom deutschen Hersteller Weber-Motor stammt und nur 43 kg wiegt. Ausgleichswellen im wassergekühlten Triebwerk sorgen für einen vibrationsärmeren Motorlauf. Das maximale Drehmoment beträgt 61Nm und liegt bei 3000 U/min an. Das Leistungsgewicht beträgt 8,6kg/PS und ist damit auf dem Niveau eine Renault Avantime V6. Der Vortrieb erfolgt über eine CVT-(Continuous velocity-Transmission)Automatik. Da diese Getriebeeinheit nur 21 kg wiegt beläuft sich das Gesamtgewicht des Antriebs auf erstaunlich geringe 64 kg.
Als Fahrstufen stehen Vorwärts und Rückwärts zur Verfügung. Alle vier Räder sind einzeln aufgehängt, vorne mit doppelten Querlenkern und hinten mit einer McPherson-Achse. Die Reifengrösse vorne beträgt 155x80 und hinten 185x80, gebremst wird mit vier Scheiben. Wesentliche Herausforderung der Konstruktion war ein leichtes, aber dennoch stabiles Chassis zu bauen. Durch den Verbund von hochelastischem Stahl für die Bodengruppe und Aluminium für den Sicherheitskäfig entstand eine hochfeste Struktur, die die Basis für die exzellente Strassenlage bildet. Durch die Verwendung von Aluminium im Karosseriekörper verlagert sich der Gesamtschwerpunkt nach unten und sorgt damit für zusätzliche Fahrstabilität. Viele Komponenten der Aussenhaut sind verschraubt und erlauben so spätere Modifikationen des Fahrzeuglayouts. 2003 soll der m72 in die Produktion gehen. Für die 50 PS-Version ist ein Preis von 8000 Euro im Gespräch. Der Vertrieb soll über unterschiedliche Kanäle erfolgen. Auf der einen Seite stellt Renault Kompetenz und Organisation zur Verfügung, auf der anderen Seite kann das Fahrzeug direkt beim Hersteller über das Internet geordert werden. Aber auch Händler, die etwa Motorräder oder Boote vertreiben kommen als mögliche Partner in Betracht, wobei generell darauf geachtet werden wird, dass die notwendige technische Betreuung für den Kunden verfügbar ist. Matra erklärt, dass es seine Position auf dem europäischen Markt wiederbeleben will. Der m72 ist ein interessantes erstes Fahrzeug, dem allerdings eine sequentielle Schaltung statt der DAF-Automatik gut zu Gesicht gestanden hätte. Da aber schon von einer weiteren neuen Baureihe, die 2004 vorgestellt werden soll, die Rede ist, besteht die Aussicht auf neue charakterstarke Fahrzeuge der eigenwilligen französischen Firma. (Text: Rainer Rossbach ) |
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||