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Fioravanti Vola: Das Zen des Klappdachs
08.09.2002
Fioravanti, in Moncalieri bei Turin beheimatet, setzt 2002 die Roadsterstudie Alfa-Romeo "Vola" ein, um der Industrie die eigene kreative Leistungsfähigkeit und Designkompetenz nahezubringen. Zentrales Thema dieser Fahrzeugstudie ist es, eine Alternative zu den heute verwendeten festen Cabrio-Dächern à la Mercedes SLK oder Peugeot 206 CC zu entwickeln. Diesen Lösungen konstatieren die Italiener eine interessante und hochwertige Technik, empfinden sie aber als zu komplex. Fioravantis Alternative, dargestellt im Vola, ist ein rotierendes Dach, das aus sehr einfachen Elementen besteht. Während die oben genannten Lösungen das Verdeck in den Kofferraum falten und damit auch den Stauraum deutlich einschränken, klappt die Fioravanti-Studie ihr Verdeck auf den Kofferraum-Deckel. Die konstruktive Basis dieser patentierten Lösung ist, dass der Drehpunkt des Daches dem des Kofferraums entspricht. Folglich kann dessen Deckel frei bewegt werden und macht so eine uneingeschränkte Nutzung des Gepäckabteils möglich. Das kommt im vollen Umfang der Reisetauglichkeit des offenen Fahrzeugs zu. Die zugrunde liegende Geometrie der Mechanik lässt darüberhinaus die Verwendung in einer Vielzahl von Gestaltungen zu.
Das Dach, gestützt durch einen Karbonfiberrahmen, besteht aus transparentem, eingefärbtem Kunststoff. Einerseits soll die Sonneneinstrahlung reduziert, andererseits die bestmögliche Sicht zum Heck des Fahrzeugs gewährleistet werden. Das Öffnen kann entweder mechanisch oder manuell erfolgen. Im gedrehten Zustand wird der Bereich des Daches, der die Funktion des Heckfensters übernimmt, zum Windschott. Die Frontpartie des Vola wird von einem auf seine geometrischen Grundformen reduzierten und in Chrom gefaßten Alfa-"Scudetto" dominiert. Zwei Sicken verlängern und betonen seine Form nach oben in die Motorhaube hinein. Die Stossfänger greifen die Dreiecksform auf, indem sie korrespondierende schmale und sich nach aussen verjüngende Vertiefungen auf die Radläufe leiten. In diese Formen sind dünne Lichtbänder eingelassen, die in einem nach oben geführten Bogen über die vorderen Radausschnitte weg bis in die Türen laufen. Dieses Band integriert Blinker und die für italienische Autos so typischen Positionslichter. Die imaginäre Linie dieser Leuchten endet in den seitlichen Spitzen der Hecklampen. Diese sind als schmale Dreiecke gestaltet und werden optisch durch eine etwas tieferliegende und mittig im Heck angebrachte Rückfahrleuchte abgestützt. Die Alufelgen variieren das traditionelle Alfa-"Telefonscheiben-Design" in einer filigranen Variante.
Vorderes Standlicht, Abblendlicht , Fernlicht, Luftauslässe des Motors und die Kameras für die Sicht nach hinten sind unter einem schmalen transparenten Element auf der Oberkante des vorderen Kotflügels zusammengefaßt. Mit ihrer metallischen Fassung sorgen sie für einen kräftigen Akzent im vorderen Fahrzeugbereich. Der Wagenkörper verlässt mit einem leichten Schwung nach unten im Bereich des Passagierabteils die recht strenge Linie. Die Anlenkpunkte des Dachs wachsen hinter den Sitzen trapezförmig aus der Seitenlinie. Zur Sichtbarmachung der Rotation ist auf dieser Fläche eine runde Metallplakette mit dem Firmenlogo angebracht. Von der Mitte dieser Kreisform geht eine dünne freistehende runde Metallleiste zum Heck. Diese unterstreicht den Coupécharakter des Alfa im geschlossenen Zustand. Der Innenraum ist symmetrisch angelegt. Fahrer und Beifahrer sitzen in identischen Räumen, von Fioravanti "Canoes" genannt. Unterschieden wird nur durch die Funktionen die die Fahrerseite erfordert. Die Mittelkonsole folgt der konzeptionellen Strenge und ordnet das Display für GPS, Telefon und Klimaanlage sowie den Bedienknopf für das Dach in exakter Ordnung aus.
Das schwarze Karbon-Lenkrad ist teilweise mir rotem Leder bezogen und beherbergt die Wippen für die Schaltung. Drehzahlmesser und Tachometer sind dreidimensional negativ aus Plexiglas herausgefräst und von hinten rot beleuchtet, wodurch sie fast den Charakter eines Hologramms bekommen. Diese transparente Einheit nimmt in Form und Größe den Platz eines konventionellen Armaturenträgers ein und setzt der reduzierten Ästhetik des Innenraums ein spielerisches Element entgegen. Rote Sitze und Verkleidungen in Kombination mit hellen Applikationen lösen die Strenge der Formen in warmen Tönen auf. Der Vola ist ein fantasievolles Beispiel für die innovative Kraft und die gestalterische Kompetenz italienischer Studios. Die überzeugende Schlichtheit des Klappdachs hat fast japanischen Charakter. (Text: Rainer Rossbach ) |
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