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Venturi Fétish: Magie und Kraft
18.06.2002
Juli 2001 wechselte die 1984 von Claude Poraud und Gérard Godfroy gegründete Manufaktur Venturi Paris SA den Besitzer. Gildo Pallanca Pastor aus Monaco erwarb die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Gesellschaft. Die etwa 700 bis dahin gebauten Venturi-Sportwagen besitzen einen V6-Mittelmotor, 2,5 - 3l-Hubraum und leisten zwischen 200 und 600 PS. Immerhin sind sie die schnellsten bis heute gebauten französischen Sportwagen. In ihrer Form sind sie typische Erscheinungen der frühen achtziger Jahre wie etwa der Lotus Esprit, und wurden durch technische Aufrüstungen und Facelifts weiterentwickelt. Pallanca Pastor stellte die bisher verfolgte Produktstrategie völlig in Frage. Seine Vorstellung von einem Sportwagen beschreibt er mit dem Begriff eines "Grand Tourisme Light". Ein Fahrzeug mit etwa 2l-Hubraum und technischen Komponenten aus der Großserie, aber ungewöhnlich emotional und charakterstark im Design - gebaut für Käufer, die eine starke Affinität zu französischem Design und französischer Lebensart haben. Innerhalb von dreizehn Monaten wurde diese Idee in ein fertiges Fahrzeug umgesetzt.
Der Venturi Fétish manifestiert diese Vision. Mit seinen fließenden Formen übersetzt das Mittelmotorcoupé die französische Formensprache der 30er Jahre ins Heute. Der Designer Sacha Lakic bezeichnet seine Kreation als eindeutig feminin: Emotionale Linien, die dazu auffordern angesehen und berührt zu werden. Sportlichkeit, Eleganz und Sinnlichkeit waren die Schlüsselbegriffe, die sich in der Aussenhaut widerspiegeln. Zweisitzig und sportlich, aber auch komfortabel und reisetauglich durch einen Kofferraum und leicht zu bedienen, dabei kompakt und technologisch anspruchsvoll: das meint der Begriff "Grand Tourisme Light". Das Leistungsgewicht ist das eines Sportwagens: Das Aluminium-Chassis und die Verbundmaterialien der Karosserie machen ein Gewicht von 850 kg möglich. 180 PS sorgen für eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h., für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h reichen sechs Sekunden. Der Innerraum hat eine kühle Ästhetik und ist mit technischer Eleganz gestaltet: Offen zeigen sich die Schweller aus Aluminium, der Mitteltunnel ist im gleichen Material ausgeführt. Darauf wird der Schalthebel durch eine Öffnung in einem frei gespannten Leichtmetallbogen geführt. Dessen runder Knauf ist ebenfalls aus Metall. Das Armaturenbrett ist auf eine grundlegende Formen reduziert, oben ein Aluprofil und darunter eine glatte silberne Fläche, die links und rechts verschraubt ist.
Das schöne Lenkrad in Schwarz und Silber besteht aus Aluminium und Neopren und trägt das einzige dekorative Element des Innenraums, das rote Firmenwappen. Über der Lenksäule sind die blau hinterlegten alugefassten Instrumente in einer schlichten und wirkungsvollen Geometrie zusammengefaßt: Der große Drehzahlmesser integriert an seiner Basis zwei kleinere runde Instrumente. Gelochte Leichtmetallpedale und die schlichte Innenauskleidung der Türen mit oberem Metallprofil und glatten schwarzen Flächen unterstreichen den eleganten Purismus des Venturi. Die Schalensitze in rotem Neopren korrespondieren mit der Farbe des Logos im Volant. Lenksäulenverkleidung und Hebel sind aus Kunststoff. Wenn hier ebenfalls das gleiche Materialbewusstsein stattgefunden hätte, wäre der Fétish innen perfekt. Kostengründe und technische Aspekte werden für diese Lösung den Ausschlag gegeben haben - es sei den Verantwortlichen in Anbetracht des überzeugenden Gesamtkonzepts nachgesehen. Die Scheiben sind getönt und das transparente, aus wärmedämmendem Glas hergestellte Dach kann herausgenommen werden. Ein Palm Pilot kann für den Zugriff auf GPS-Navigation, MP3-Daten sowie auf eine Service-Datenbank angeschlossen werden. Das Fahrzeug wird in Zweifarbenlackierungen angeboten, die verschieden kombiniert werden können. Das V des Firmennamens in der Front, seitlich flankiert von schmal geschlitzten Doppelscheinwerfern, setzt sich in der Geometrie der Fronthaube fort und findet seine Fortführung im Dach und in der Motorhaube bevor es im Logo des Hecks seinen Abschluß hat. Offene gebogene Elemente des Alu-Chassis geben den Blick auf Teile der Technik frei und betonen die Leistungsfähigkeit des Venturi. Durch geschickten Einsatz der Lackierung, die einen Dialog mit der Form der sichtbaren Tragelemente führt, wird die Dynamik des Fétish nochmals betont. Die langen, senkrechten Rückleuchten in den Kotflügeln geben dieser Inszenierung einen Rahmen. Noch handelt es sich bei diesem neuen Venturi um eine Studie. Verhandlungen mit Herstellern über die Lieferung mechanischer Komponenten sind im Gange. Allerdings kann der Wagen schon jetzt zum Preis von 35.000 Euro per Subskription bestellt werden. Auf dem Pariser Salon im Herbst 2002 werden dann die endgültigen Serienfahrzeuge vorgestellt. (Text: Rainer Rossbach ) |
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