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Formel 1 vor 20 Jahren: GP Brasilien, Jacarepagua (Rio)
26.03.2002
Auf dem Genfer Salon 1982 zeigt Porsche das neue 911 Cabriolet, VW steigert die Leistung des Golf Diesel mit Hilfe eines Turboladers auf sagenhafte 70 PS und versieht den GTD folgerichtig mit den Attributen des GTI: Breitreifen und Kotflügelverbreiterungen. Überhaupt ist der Turbolader das technische Detail der Stunde. Sogar Rolls Royce/Bentley trägt diesem Trend Rechnung und stellt den Bentley Mulsanne Turbo vor. 300PS treiben das Schwestermodell des Rolls Royce Silver Spirit auf 217 km/h Höchstgeschwindigkeit. Nach acht Wochen Pause wird die Formel-1-Saison am 21. März mit dem GP von Brasilien fortgesetzt. Die Rennstrecke "Autodromo da Ciudad do Rio de Janeiro" liegt im Westen der Stadt, nahe der Küste. Die Wahl der Rennstrecke favorisiert immer den aktuellen brasilianischen Fahrer, jetzt ist Nelson Piquet aus Rio der wichtigste Pilot, also wird in Jacarepagua gefahren. Zu Zeiten eines Carlos Pace und eines Senna, beide aus Sao Paulo, ist Interlagos der Austragungsort. Natürlich hat die FIA allen Piloten ihre Lizenz wieder erteilt und die Bedingungen für die Superlizenz sind in deren Sinne geändert worden. Lotus und Alfa Romeo haben die Zeit genutzt und bringen nun endlich auch die 1982er Modelle an den Start. Nachdem der BT50 mit dem BMW-Turbomotor in Südafrika nicht sehr weit gekommen war, setzt Brabham wieder auf den BT49D mit Cosworth-Motor. Die erste Startreihe ist wieder in Turbo-Hand, Alain Prost steht vor Villeneuve. Vor den Renault von Rene Arnoux setzt sich allerdings Keke Rosberg mit dem Williams. Lauda, Reutemann und Piquet folgen. Beide Toleman, Henton auf Arrows und Paletti auf Osella können sich nicht qualifizieren. Der Renntag ist heiss, 42° C, und trocken. Da Jacarepagua gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, ist die Belastung der Fahrer untypisch und durch die Hitze extrem. Hier wird die Physis des Fahrers zum bestimmenden Element über Erfolg oder Niederlage. Niki Lauda hält dieses Rennen für das bis dahin schwierigste aller Zeiten. Niemand könne die 63 Runden im vollen Tempo durchfahren. Alle Piloten rüsten sich mit zusätzlichen Trinkflaschen, Halteriemen für die Helme und erweiterten Belüftungsöffnungen. Trotzdem erreichen die Cockpittemperaturen 70° C und mehr. Der sehr holperige Kurs und der nicht vorhandene Federweg der Ground-Effekt-Fahrzeuge tun ein übriges, um die Fahrer in 63 Runden mürbe zu machen. Um die Bremstemperaturen in den Griff zu bekommen, haben Brabham und Williams große Wasserbehälter mit Kühlflüssigkeit an Bord. Vom Start weg gehen Villeneuve, Piquet und Rosberg in Führung. Lauda beginnt verhalten, um sich Reserven für den Endspurt zu bewahren, in der Hoffnung, daß bis dahin die Heisssporne den Umweltbedingungen zum Opfer gefallen sind. Diese Taktik wird von Reutemann torpediert, der den Mclaren abschiesst und wenig später auch noch René Arnoux aus dem Rennen boxt. Patrese dreht sich zur Hälfte des Rennens bei 250 km/h, weil ihm plötzlich schwindlig wird. Anschließend gibt er entkräftet auf. Villeneuve hat gegen Piquet und Rosberg keine echte Chance, sein Ritt auf der Rasierklinge endet in den Fangzäunen. Damit ist der Weg frei für Nelson Piquet, er fährt den ersten Sieg eines Brasilianers in Brasilien 1975 ein, vor Keke Rosberg und Alain Prost, der mit seinem defekten Auto zu kämpfen hatte. Auf dem Siegerpodest klappt Nelson Piquet mit einem Hitzekollaps zusammen. Nigel Mansell bringt mit dem neuen Lotus 91 Colin Chapmans Punktekonto über die 1000-Punkte-Schwelle. Das Rennen geht nach dem Rennen weiter. Renault protestiert gegen Williams und Brabham, da deren Wassertanks nicht der Bremsenkühlung dienten, sondern zu einem unfairen Gewichtsvorteil von rund 40 kg führten. Diese Auffassung wird untermauert durch die Tatsache, daß die Fahrer für alle sichtbar sehr früh im Rennverlauf große Wassermengen abgelassen haben. Die FIA schliesst sich dieser Auffassung an und disqualifiziert Piquet und Rosberg nachträglich, Alain Prost erhält den Sieg zugesprochen. Die befürchtete Dominanz von Renault und Alain Prost in der Saison 1982 scheint wahr zu werden. Durch die Disqualifikation holt Manfred Winkelhock im seinem zweiten Formel-1-Rennen zwei Punkte. Der damalige Brabham-Designer Gordon Murray ist sich heute sicher, daß Piquet ohne Wassertanks auch gewonnen hätte. Der Brasilianer wurde also nicht nur von der FIA, sondern möglicherweise auch vom Vabanquespiel des eigenen Teams um einen hart erkämpften Sieg gebracht.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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