|
|
|
|
Formel 1 vor 20 Jahren: GP von Kanada, Circuit Gilles Villneuve
23.07.2002
Für Freunde alter Renntechnik wird ein besonderes Ereignis wieder neu aufgelegt. 25 Jahre nach dem letzten Rennen werden die alten Rennwagen in einer über drei Tage laufenden Zuverlässigkeitsfahrt auf die traditionelle Strecke von Brescia nach Rom und wieder zurück geschickt. Mercedes SSK, Porsche 356, Bugatti, Alfa, Osca und Ferrari dürfen auf italienischen Landstraßen in zügigem Tempo bewegt werden. Bei Teilnehmern und den Zuschauern an der Strecke kommt die Veranstaltung so gut an, daß man plant, zukünftig alle zwei oder drei Jahre eine solche historische Mille Miglia zu veranstalten. Mitte Juni findet traditionell das 24-Stunden-Rennen in Le Mans statt. Porsche bringt drei neue 956 an den Start, Ford Deutschland kommt mit zwei C 100, Lancia mit zwei LC1, einige Rondeau sowie der Nimrod-Aston sorgen für ein buntes Starterbild. Lancia kommt nicht sehr weit, schon in der ersten Runde bleiben beide Rennwagen mit Elektronikproblemen stehen, können aber repariert werden. Trotzdem ist um Mitternacht Schluß. In der ersten Stunde bestimmen ein Rondeau und die beiden Ford das Tempo, aber nach kurzer Führung des Ford übernimmt Porsche nach einem Viertel des Rennens das Kommando und fährt mit den neuen Autos einen ungefährdeten Dreifachsieg ein. Zwei 935 auf dem Plätzen 4 und 5 machen den Triumpf vollständig. Für die nächsten Jahre wird der 956/962 das Maß aller Dinge an der Sarthe sein. Eine Woche nach Detroit geht es in Kanada weiter. Ferrari tritt wieder nur mit einem Fahrzeug für Didier Pironi an. Geoff Lees ersetzt den verletzten Jan Lammers bei Ensign. Nach dem Debakel von Detroit sind BMW und Piquet besonders motiviert, allen Kritikern zu beweisen, daß das ein Ausrutscher war. Eines der Hauptprobleme war die ungünstige Leistungsabgabe des Motors gewesen, das dazu führte, daß für die engen Kurven kein passender Gang zu finden war. Der BMW hat mehr Leistung als alle anderen, aber sie war nicht benutzbar. Hewland hatte keinen zweiten Gang, der kurz genug war, und die verfügbaren langen Ersten brachten den Motor in den Spitzkehren immer nahe ans Absterben. Dazu war die Einstellung der inovativen Bosch Motronic ein Glücksspiel. Die Streckencharakteristik von Montreal kommt dem Turbomotor entgegen und Paul Rosche hat zusammen mit Bosch eine Motoreneinstellung gefunden, die das volle Potential des Triebswerks zeigt. Nelson Piquet dankt es ihnen mit dem vierten Startplatz, hinter Pironi, Arnoux und Alain Prost. Damit stehen alle vier Turboautos in den ersten beiden Reihen. Riccardo Paletti hatte sich schon in Detroit qualifizieren können, mußte dann aber seinen Wagen an Jean-Pierre Jarier abgeben. Daher war er nach der erfolgreichen Qualifikation in Montreal besonders motiviert, sein erstes Grand Prix Rennen bestreiten zu können. Beim Start würgt Pironi den Motor ab und bleibt auf der Pole Position stehen. Alle kommen problemlos an ihm vorbei, nur Raul Boesel berührt den Ferrari und schießt quer über die Strecke. Hinter ihm beschleunigt Paletti seinen Osella, in der Sicht nach vorne behindert, direkt in das Heck des Ferrari, der daraufhin über die Startlinie geschleudert wird und Lee's Theodore trifft. Pironi und Sid Watkins versuchen, Paletti aus dem Wrack zu befreien. Ein Feuer bricht aus und ist schnell gelöscht. Trotzdem dauert es fast eine halbe Stunde, bis Paletti aus dem Osella befreit ist. Es dauert Stunden, bis die Strecke wieder frei ist. Erst um 18:00 Ortszeit kann das Rennen neu gestartet werden. Pironi übernimmt die Spitze vor Arnoux, Prost und Piquet. In der ersten Runde treffen Nigel Mansell und Giacomelli auf einander, Mansell bricht sich dabei den rechten Arm. Pironis Ersatzwagen hat bei weitem nicht die Qualitäten des ursprünglichen Einsatzfahrzeugs und verliert an Boden. Binnen kurzem haben Arnoux, Piquet, der mittlerweile Dritter ist und Prost ihn hinter sich gelassen. In der neunten Runde erobert Nelson Piquet die Spitze und entschwindet nach vorne. Bis zum Rest des Rennens werden ihn die Konkurrenten nur noch bei Überrundungen sehen. René Arnoux dreht sich an zweiter Stelle liegend, der Motor stirbt ab und läßt sich nicht mehr starten, Prost muss den Wagen mit Motorplatzer abstellen, eine weitere Nullrunde für Renault. Riccardo Patrese hat damit in der 29. Runde den zweiten Platz erobert, mit dem Brabham mit Cosworth-Motor. Lange Zeit kann sich Andrea de Cesaris mit dem Alfa auf dem dritten Platz halten und Eddie Cheever mit dem Ligier-Matra auf einem überraschenden vierten, John Watson ist Fünfter und Derek Daly im Williams Sechster. Natürlich hat Alfa wieder Pech, in den letzten Runden geht de Chesaris das Benzin aus, er wird aber noch als Sechster gewertet. Auch Cheever und Daly haben zu wenig getankt. Dadurch kommen Watson noch auf das Podium und Elio de Angelis im Lotus und Marc Surer im Arrows in die Punkteränge. Durch den dritten Platz hat John Watson seine Führung in der Gesamtwertung ausgebaut und Piquet hat das endgülige Ende der Cosworth-Aera eingeläutet. Riccardo Paletti hat das erste Formel-1-Rennen seines Lebens nicht überlebt.
(Text: Dieter Roßbach ) |
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||