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Formel 1 vor 20 Jahren: GP von England, Brands Hatch
24.08.2002
Lancia stellt im Sommer 1982 den Nachfolger des Stratos vor; der Lancia Rally 037 soll die Erfolge der Vorgängers wiederholen. Um die dazu nötige Leistung zu bekommen, erweckt Lancia eine alte Technik zu neuem Leben: der neue Mittelmotorsportwagen hat einen Vierventilmotor mit mechanischem Kompressor. Diese Art der Leistungssteigerung scheint in den Zeiten der Turbotriebwerke ausgestorben, aber das fehlende Turboloch und die gute Drehmomentkurve mechanisch aufgeladener Motoren machen sie für Lancia attraktiv. Die Konkurrenz reagiert mit Kopfschütteln und lacht, aber die Erfolge bleiben nicht aus. Zwanzig Jahre später ist der Kompressor wieder erste Wahl für Mercedes, Jaguar und Aston Martin, wenn Leistung und Drehmoment gefragt sind. Nachdem er in Holland wegen der Verletzung, die er sich in Kanada zugezogen hatte, nicht hatte starten können, wollte Nigel Mansell bei seinem Heimrennen dabeisein, obwohl er offensichtlich noch immer unter den Nachwirkungen litt. Startplatz 23 war die Folge, noch hinter den Ensigns, Fittipaldis, Arrows und Osellas. Zum zweiten Mal in dieser Saison steht kein Turboauto auf der Pole Position. Nach Andrea de Cesaris in Long Beach gelingt es Keke Rosberg in Brands Hatch, die schnellste Qualifikationsrunde zu drehen. Aber direkt dahinter kommen die beiden Brabham-BMW, Nelson Piquet und Riccardo Patrese. Die Renaults, die bisher in allen Rennen das Training dominierten und selbst in Long Beach noch die zweite Reihe belegten, schaffen diesmal nur Rang 6 und 8, Elio de Angelis auf Platz 7 und Michele Alboreto mit dem Tyrell auf Platz 9 zeigen, daß Brands Hatch eine gute Saugmotorstrecke ist. Große Aufregung verursacht Brabham, denn sie bringen eine aufwändige Tankanlage mit, mit der ein schnelles Nachtanken im Rennen möglich wäre. Bisher ist es allgemeiner Konsens, daß Boxenstopps die Chance auf eine gute Platzierung ruinieren. Brabham scheint auf eine andere Strategie zu setzen. Weiche Reifen, weniger Gewicht durch weniger Treibstoff und einen Boxenstopp zur Mitte des Rennens sollen die Siegchancen verbessern. Die anderen Teams sind beunruhigt, da sie diese Option bisher nicht in Betracht gezogen haben und nicht abschätzen können, wir groß der Vorteil dieser Strategie ist. Beim Vorstart bleibt Rosberg stehen und muss vom Ende des Feldes starten. Patrese erhält so freie Fahrt nach vorne, kann diesen Vorteil aber nicht nutzen, denn auch er bleibt beim Rennstart stehen. Piquet geht sofort in Führung, Pironi muss dem Brabham von Patrese ausweichen und kommt Rene Arnoux in die Quere, der ihm ins Heck fährt und ausscheidet. Um den beiden nicht aufzufahren, flüchtet John Watson ins Gras. Piquet führt vor Lauda und Pironi, de Angelis und Daly. In der zweiten Runde kollidiert Chico Serra mit Jean-Pierre Jarier, der Fittipaldi steigt in die Luft und kommt kopfüber wieder auf die Strecke zurück. Serra bleibt unverletzt. Watson versucht, eine Kollision mit dem Fittipaldi zu vermeiden, dreht sich dabei und scheidet aus. Die Chance auf weitere Punkte in der WM sind vertan. Inzwischen arbeitet sich Keke Rosberg von hinten durch das Feld. Schon in der ersten Runde hat er acht Kontrahenten hinter sich gelassen. In der zehnten Runde wird Piquet langsamer, der leidige Zahnriemen der Einspritzpumpe verhindert einmal mehr einen Erfolg. Damit führt Niki Lauda, vor Didier Pironi, der seine Ambitionen auf den Titel in den letzten Rennen deutlich unterstreicht. Inzwischen sind Derek Daly und Derek Warwick vor heimischem Publikum auf Platz drei und vier vorgestossen. Als Warwick erst Daly und dann auch noch Pironi überholen kann, ist die Sensation perfekt. Ein Toleman-Hart liegt an zweiter Position in einem Weltmeisterschaftslauf, aber die schon sprichwörtliche Unzuverlässigkeit des Toleman schlägt wieder zu, in Runde 40 bricht eine Gelenkwelle. Auch Rosbergs Ritt durch das Feld wird nicht belohnt, fehlender Benzindruck zwingt ihn an die Box und zur Aufgabe. In der vierzigsten Runde muß Brian Henton an die Box, um Karosserieteile befestigen zu lassen. Bei der Gelegenheit werden natürlich auch gleich neue Reifen montiert. Ein leerer Tank und frische Reifen ermöglichen es ihm, in Runde 63 die schnellste Zeit des Tages zu fahren. In der letzten Runde verliert Elio de Angelis seinen sicheren dritten Platz durch Benzinmangel. Damit siegt Niki Lauda vor Pironi, der sich die Führung in der Gesamtwertung sichert, und seinem Teamkollegen Patrick Tambay. Derek Daily wird fünfter und Alain Prost holt den ersten Punkt nach sieben erfolglosen Rennen.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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