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Formel 1 vor 20 Jahren: Großer der Schweiz, Dijon
17.10.2002
Dijon ist Renault-Land, auch wenn das der Grand Prix der Schweiz ist. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Hier hat Jean Pierre Jabouille 1979 für die Renault-Turbos den Premierensieg errungen, hier begann 1981 die Siegesserie des Alain Prost. Im Qualifikationstraining läuft alles nach Plan, Alain Prost ist schnellster, vor René Arnoux, die Brabham, die in den letzten Rennen für Renault eine starke Konkurrenz waren, sind endlich wieder geschlagen. Riccardo Patrese wird Dritter, vor Niki Lauda als bestem Saugmotorfahrer. Alfa gelingt eine erneute Trainingsüberraschung, denn Andrea de Cesaris steht auf Platz 6, noch vor Nelson Piquet auf dem zweiten Brabham. Patrick Tambay leidet unter einem eingeklemmten Nerv im Halswirbel, der ihn in der Qualifikation stark behindert, der zehnte Platz ist die Folge. Zum Rennen tritt der einzige Ferrari-Pilot dann gar nicht erst an. Seit 1954 hat es keinen Grand Prix der Schweiz mehr gegeben. Der Unfall in Le Mans 1955 hatte zu einem totalen Verbot von Rundstreckenrennen in der Schweiz geführt. Die Zahl und Erfolge französischer Rennfahrer hatte den Wunsch nach mehr Formel-1-Rennen in Frankreich aufkommen lassen und da bot es sich an, in Dijon einen "Großen Preis der Schweiz" als Ergänzung zum Rennen in Paul Ricard auszutragen. Niki Laudas Siegchancen sind dahin, als in der Nacht der linke Vorderreifen, eine Spezialanfertigung für den Kurs, gestolen wird. Gleichwertigen Ersatz gibt es nicht, und mit dem gebrauchten Reifen, den er aufziehen lassen muss, ist die Balance des Autos schlecht. Nach dem Start können sich Prost und Arnoux sofort vom Feld absetzen, vor Patrese, Lauda und Piquet, dem in der Folge gelingt, sich bis auf Platz drei vorzuarbeiten. In der elften Runde überholt er auch noch René Arnoux und hält diesen Platz bis zu seinem Boxenstop in Runde 40. Das Boxenstop-Spektakel mit Tanken und Reifenwechsel dauert nur 11,5 Sekunden, aber es wirft Nelson Piquet auf den fünften Platz zurück. Damit sind die Positionen bezogen, Renault auf den ersten beiden Plätzen, dann Keke Rosberg, Niki Lauda, Piquet und Patrese, bis 5 Runden vor Schluss René Arnoux sein Auto mit einem Schaden an der Einspritzung abstellen muss. Keke Rosberg ist nun Zweiter und schliesst schnell auf Alain Prost auf. Am Renault ist 20 Runden vor Schluß ein 80cm langes Stück aus der linken Schürze weggebrochen, mit fatalen Folgen für das Fahrverhalten. In der vorletzten Runde schliesslich kann er ihn überholen. Der Schock für den Veranstalter ist so groß, daß man vergißt, die karierte Flagge herauszuhalten und Rosberg fährt eine weitere Runde, um sicher zu gehen. Mit seinem Premierensieg liegt Keke Rosberg nun plötzlich an der Spitze der Wertung, mit besten Chancen auf den Titel. Sein direkter Verfolger Pironi hat keine Gelegenheit mehr, dagegen zu halten, alle anderen haben nun schon einen deutlichen Rückstand. Für Williams ist es ebenfalls der erste Sieg in dieser Saison. Brabham hat das erste Rennen mit Nachtanken und Reifenwechsel beendet, beide Wagen haben durchgehalten und sind in die Punkte gekommen, werden aber überrundet. Grund ist nicht der Boxenstop sondern die Goodyear-Reifen, die nicht mit dem Wagen und der Strecke harmonieren. Die steigende Zuverlässigkeit der BMW-Turbos und ihre Leistungen muß den Konkurrenten Sorgen machen. Nach Dijon gibt es nun neun verschiedene Sieger aus vier verschiedenen Teams.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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