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Formel 1 vor 20 Jahren: Großer Preis von Italien, Monza
05.11.2002
Zum Ende der Saison beginnt sich das Fahrerkarussell zu drehen. René Arnoux wird Renault zum Ende der Saison verlassen und im kommenden Jahr für Ferrari fahren, er wird ersetzt durch Eddie Cheever. Zum ersten Mal wird also ein nicht-französischer Fahrer im Werksteam von Renault sein. Gerüchte machen die Runde. McLaren soll einen Turbo-Motor von Porsche bekommen, finanziert von TAG, Lotus und Ligier werden als Renault-Kunden genannt, ATS bekommt den BMW-Turbo. Das Lager der Saugmotorenbenutzer bröckelt, die Erfolge von Renault, Ferrari und dem Neuling BMW in der Saison zeigen klar, daß in Zukunft nur Turbo-Motoren Erfolge versprechen. Auch Alfa Romeo steigt in diese Entwicklung ein und läßt Andrea de Cesaris im Training erstmals ein Turbo-Auto testen. Toleman bringt für Derek Warwick den TG183 an den Start. Um in Monza mit zwei Wagen antreten zu können, hatte man bei Ferrari Mario Andretti für das Rennen verpflichtet. Der Cart Champion des Vorjahrs ist genau das, was die Seele der Ferrarifans nach den Katastrophen dieser Saison braucht, jemand mit Herz, Einsatz, Spass am Rennfahren und italienischen Vorfahren. Andretti kommt eine Woche vor dem Rennen nach Italien um sich in Fiorano an den 126C2 zu gewöhnen und beendet die 87 Testrunden vor 10000 begeisterten Zuschauern mit einem neuen Rundenrekord. Andretti ist außer seinem Kurzeinsatz für Williams in Long Beach dieses Jahres 10 Jahre lang kein Formel-1-Rennen mehr gefahren und hat noch nie in einem Formel-1-Turboauto gesessen. Das Training endet mit einer Sensation. Mario Andretti stellt den für ihn immer noch ungewohnten Wagen auf den besten Startplatz. Patrick Tambay ist noch durch seine Rückenprobleme behindert, schafft aber immerhin Platz drei, hinter Nelson Piquet und vor Patrese. Die Renaults in der dritten Reihe machen den erwarteten Turbo-Triumpf in der Qualifikation perfekt. Bester Saugmotorpilot ist Keke Rosberg, der damit seine Ambitionen auf den Titel deutlich unterstreicht. Beim Start kann Mario Andretti seinen Vorteil nicht nutzen, sein Start ist schlecht. Er hat keine Erfahrung, wie man mit einem Turboauto aus dem Stand startet. In der Cart-Serie sind fliegende Starts üblich. Prost versucht, sich an die Spitze zu setzen, gerät aber auf das Gras und muss zurückstecken. Piquet führt das Feld in die erste Runde, fällt aber dann deutlich zurück. Am Ende der ersten Runde kommt Arnoux knapp vor Tambay, Patrese und Arnoux über die Linie. Piquet fällt weiter zurück, die Kupplung macht Probleme. In Runde zwei überholt Patrese Tambay und beginnt, Arnoux anzugreifen, aber in der sechsten Runde ist auch für ihn das Rennen mit einem Problem an der Kupplung gelaufen. Prost hat inzwischen die Lücke wieder schliessen können, läuft auf Andretti auf und ist nach der siebten Runde Dritter. Aber auch in Monza läuft es wieder nicht für Prost und Renault, Probleme mit der Einspritzanlage bedeuten das Aus in Runde 27. Prosts letzte Hoffnung auf den Titel sind dahin. Rene Arnoux gewinnt vor Patrick Tambay und Mario Andretti. John Watson wird Vierter, vor Michele Alboreto und Eddie Cheever. Keke Rosberg geht leer aus. Es wurde kein Sieg, aber Mauro Forghieri ist trotzdem zufrieden: "Nicht schlecht, wenn man bedenkt: Ein Fahrer kommt direkt aus der Klink, der andere aus der Frührente". In der Weltmeisterschaft haben nun nur noch Watson und Rosberg Titelchancen, wobei Watson für den Titelgewinn im letzten Rennen gewinnen und Rosberg ausfallen muss.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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