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Mille Miglia 2002: Deja vue
10.06.2002
Wenn die Mille Miglia nun schon in Frauenzeitschriften wie "Marie Claire" beworben wird, und Reisen dorthin verlost werden, kann es nicht überraschen, dass sie immer mehr zu einer touristischen Großveranstaltung wird. Brescia scheint Anfang Mai mehr und mehr zum Pflichtprogramm aller zu werden, die keinen aktuellen Trend verpassen wollen. Wenn man um die Mittagszeit in einem Café sitzt und mehrfach auf Deutsch angesprochen und nach dem Weg zur Piazza de la Vittoria gefragt wird, dann muss Brescia fest in deutscher Hand sein. Nie gab es so viele Zuschauer wie in diesem Jahr. Die Veranstaltung selbst bot die übliche Kost. Neben 350 Fahrzeugen, die man jedes Jahr wiedersieht, gab es auch dieses Jahr wieder einige, die mehrere Jahre nicht dabei waren oder sogar zum ersten Mal an der historischen Veranstaltung teilnahmen. So kam auch der langjährige regelmäßige Besucher auf seine Kosten. Man nimmt die 300SL mit und freut sich an den Stangas, Erminis und Cisitalias. BMW und Mercedes hatten wie üblich die Museen. Der Einfluss der beide Werke ist nicht zu übersehen. Mercedes stellte dieses Jahr gleich viele Starter wie Ferrari. Statt des üblichen 300SLR von 1955 brachte Daimler Chrysler dieses Jahr einen wunderschönen Mercedes 6-40-64 mit. Dieser 1,5L-Rennwagen debütierte bei der Targa Florio 1922 mit mäßigem Erfolg und leitete die Kompressor-Ära im Rennsport ein. Das Rennen gewann Guilio Masetti auf einem Mercedes GP/14, den Otto Salzer 1914 im GP-Rennen gefahren war. Einziges Manko des Mercedes 4-40-65: An der Mille Miglia hatte er nie teilgenommen.
Frankreich war gut vertreten durch einen Deutsch-Bonnet HBR Le Mans, der 1954, 1955 und 1956 an der Mille Miglia teilgenommen hatte, ein Panhard 750 Sport von 1950 und ein Renault 750 von 1954. Gerade der HBR zeigt die Klasse kleiner französischer Rennwagen dieser Jahre, ein Fahrzeug gleichen Typs konnte die Sportwagen-Kategorie bis 750ccm gewinnen, nachdem sein Vorgänger schon 1952 in der MM erfolgreich war.
Die Einzelstücke sind es, die den Reiz der Veranstaltung ausmachen. So ist dieses Mal endlich wieder ein Pegazo Z102 dabei. 1948 entscheidet sich Signore Prete, seinen eigenen Rennwagen zu bauen. Er nimmt den Motor eines Alfa 6C2500, ein Chassis von Maserati und eine eigene Karosserie und nennt das Gebilde mit der viel zu hohen Motorhaube A.M.P. In der 1949er Ausgabe der Mille Miglia ist der Wagen in Rom sechster, muss aber aufgeben. Immerhin erreicht er aber einen dritten Platz bei der Targa Florio des gleichen Jahres.
Zur selben Zeit baute Sergio Sighinolfi sich sein eigenes Rennauto für die Elfhunderter Sportwagenklasse. Wie viele andere nutzte er die mechanischen Komponenten des Fiat 1100S und kombinierte sie mit einem eigenen Rohrrahmen-Chassis und einer Aluminium-Karosserie. Der Motor wurde von Stanguellini präpariert. Sighinolfi setze den Wagen 1950 und 1951 ein, musste aber beide Male aufgeben. Bei anderen Rundstrecken- und Bergrennen waren Fahrer und Fahrzeug aber so erfolgreich, dass Enzo Ferrari ihn ab 1954 unter Vertrag nahm. Auf die gleiche Basis wie Sighinolfi baute Ala d’Oro auf, eine Spezialfirma für Aluminiumkarosserien, als sie einen Wagen für die Mille Miglia 1947 entwarf. Auch dieses Auto war in seiner Zeit nicht sonderlich erfolgreich aber einer der Höhepunkte der Milla Miglia 2002.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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