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Aktualisiert am 31.12.2011
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Vor 25 Jahren: Die Produktion des NSU Ro80 wird eingestellt

13.06.2002

NSU Ro80, 1967-1977
NSU Ro80, 1967-1977
Lupe

Internationale Automobilausstellung in Frankfurt, September 1967. Die Veranstaltung, bei der die deutsche Automobilindustrie ihre Leistungsfähigkeit zur Schau stellt, wird für die großen Hersteller zum Debakel. Alles, was die Stände von Mercedes, BMW, Audi, VW, Ford und Opel schmücken soll, wirkt plötzlich veraltet und bieder, denn NSU präsentiert den Ro80. Wie schon 1955 Citroen mit der DS, gelingt es wieder einem kleinen Hersteller, ein revolutionäres Fahrzeug vorzustellen und in Serie zu fertigen. Natürlich wird der R080 1967 "Auto des Jahres".

Der Ro80 setzte die Maßstäbe für die kommenden Jahre, denn er war neu, wirklich neu. Die konsequente Keilform ermöglicht eine beispielhafte Aerodynamik, der lange Radstand wird durch den extrem kurz bauenden Motor möglich und sorgt für Platz im Fahrgastraum und hohen Fahrkomfort, die großzügige Verglasung bietet beste Rundumsicht. Der Frontantrieb, für Fahrzeuge dieser Leistungsklasse vollkommen unüblich, sorgt zusammen mit der Einzelradaufhängung aller vier Räder für bestes Fahrverhalten. Eine Vollausstattung ohne die übliche Aufpreispolitik mit serienmäßiger Selektivautomatik, Verbundglas-Frontscheibe, Stahlgürtelreifen, Stoßstangen aus Edelstahl hebt den Ro80 vom Rest der deutschen Automobilproduktion ab. Dazu kommt der Motor, der leicht ist, kurz baut und eine turbinenartige Leistungsabgabe bei hoher Laufruhe bietet. Eine echte Zweikreisbremsanlage, bei der beide Kreise alle vier Räder bedienen, hat selbst Mercedes für seine Oberklassemodelle nicht zu bieten, die serienmäßige Selektivautomatik.

Aber wie Citroen hat auch NSU für den Mut und die Innovationskraft mit dem Verlust der Selbständigkeit bezahlen müssen. Dem neuen Eigentümer VW ging es mehr um die Produktionsstätte in Neckarsulm und um den K70, als an neuen Antriebskonzepten zu arbeiten. Ein Nachfolgemotor mit 170 PS, der KKM871, ist zwar schon fast fertig und beseitigt alle bekannten Schwachstellen des KKM612, der nach 10 Jahren ohnehin zu einer für ein neues Antriebskonzept erstaunlichen Reife gekommen ist. Im neuen Audi 100 darf er zu Versuchszwecken und als Vorstandsfahrzeug seine Qualitäten zeigen, aber in die Produktion gibt man dann doch lieber den Fünfzylindermotor, den man dann im Laufe der Jahre mit hohem mechanischen Aufwand wie Turboaufladung und Vierventilkopf auf die Leistung des KKM871 bringt.

Für den NSU Ro80 kommt im Frühjahr 1977 das Ende. Offiziell sind die Folgen der Ölkrise der Todesstoß für den Ro80. Aber es darf wohl nicht sein, dass ein 10 Jahre altes Auto moderner wirkt als das Spitzenmodell des Konzerns, der Audi 100, und für alternative Antriebskonzepte ist in einem Großkonzern kein Platz. Das letzte Avantgardefahrzeug, das in Serie gebaut wurde, ist Geschichte. Wäre nicht Mazda mit seinem trotzigen Festhalten am Wankelmotor, gäbe es ab jetzt nur noch Varianten des altbekannten Themas Hubkolbenmotor, bis hin zu W16-Varianten, die im Vergleich zur Ästhetik eines gleich starken und wahrscheinlich laufruhigeren und sicher nicht durstigeren Vierscheibenwankelmotors wie technische Monster wirken, trotz Motronik, Mehrventiltechnik und Turboaufladung.

Das Antriebskonzept hat nicht überlebt, die Designideen werden von den Automobilherstellern dagegen gern aufgegriffen und kopiert, ohne dass die Ergebnisse besondere Höhepunkte im Automobildesign werden. Ein Ro80 dagegen kann selbst heute noch bestehen, und dass mit einem fast 40 Jahre alten Entwurf, denn die Grundform des Wagens wurde schon 1965 vom NSU-Vorstand abgesegnet.

Mit der Einstellung des Ro80 wird auch gleich die Marke NSU zu Grabe getragen. Was hätte man auch nach diesem Auto mit dem Namen NSU produzieren können?

(Text: Dieter Roßbach )
(Bild: Audi AG)

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