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Aktualisiert am 01.08.2010
© 2010 virto GmbH
VW Microbus: Flower Power

19.08.2002

pfeil  Technische Daten  

Microbus
Ein Gesicht in der Menge

Die Produktion des VW-Konzepts "Microbus", vorgestellt in Genf 2001, ist mittlerweile beschlossene Sache. Es lohnt sich also, jetzt einen intensiveren Blick auf diese Studie zu werfen. Entwickelt im kalifornischen Volkswagen-Designstudio Simi Valley wendet sich das Ergebnis zuallererst an Nostalgiker und Retro-Fans in den USA. Mit seinem Design erinnert der Microbus an den ersten VW Bus von1950. Dieser weltweit erfolgreiche Transporter hatte besonders in den USA unter der Bezeichnung "The Microbus" Kultstatus, besonders in den Surfer- und Hippie-Communities der Westküste. Der Ur-Bus sollte durch die Studie jedoch nicht einfach kopiert werden. Ziel war es vielmehr ein Original zu schaffen, welches als Hommage an die Historie eigenständige Wege im Design erlaubt. Manch ein Betrachter fühlt sich dann auch eher an den Lloyd-Transporter LT 600 denn an den original "Bully" erinnert.

Das Exterieur

Die Volkswagen-Designer interpretierten die Stilelemente der ersten VW Bus-Generation völlig neu. Sehr kurze Karosserieüberhänge erinnern an den T1. In den Massen unterscheidet er sich jedoch von den Klassikern: In der Länge misst der Microbus über 4,70 Meter, die Höhe und Breite überschreiten jeweils 1,90 Meter. Von der Größe her entspricht die Studie damit in etwa dem aktuellen VW Bus T4, der in Amerika als EuroVan angeboten wird.

Die Frontpartie zeigt eine prägnante Motorhaube. Sie interpretiert das Motiv des ersten VW-Transporters, darunter befindet sich allerdings zeittypisch ein Frontmotor, dessen Kühllufteinlass für das LLoyd-Gesicht sorgt. Der installierte 3,2-Liter-V6 sorgt für 170 kW/231 PS Leistung. Die Neuinterpretation historischer Formen zeigt sich auch in der Anbindung der Motorhaube zum voluminösen Stoßfänger, zu den flachen Doppelxenon-Scheinwerfern und zur Windschutzscheibe. Entsprechend den aktuellen Trends zeigen die besonders schmalen Frontlampen Klarglasoptik. Sie setzen stilistisch einen Kontrapunkt zu den Rundscheinwerfern der ersten VW Bus-Generation.

Microbus Seite
Die ausgestellten Radhäuser und die steil stehende Frontscheibe tragen ebenfalls zur formalen Eigenständigkeit bei

Seitlich prägen die Studie ein durchgängiges Scheiben-Band und ein zusätzliches Seitenfenster vor der A-Säule. Eine prägnante D-Säule mit integrierten Glasschlitzen erinnert an die Lüftungsschlitze von T1 und T2, ebenso die großen Schiebetüren. Diese öffnen und schließen per Knopfdruck elektrisch. Betont kräftige Radläufe sorgen für einen dynamischen Auftritt. Sie schaffen Raum für die 20-Zoll-Leichtmetallräder und Reifen der Dimension 245/45 R 20. Die flachen Rückleuchten korrespondieren formal mit den vorderen Scheinwerfern. Für den dynamischen Auftritt sorgen in dieser Perspektive sowohl der ovale Auspuff im Zentrum wie auch die breite Spurweite. Mittig in der großen Heckklappe dominiert, wie vorne, das VW Zeichen als Designelement.

Das Interieur

Für eine freundliche, helle Atmosphäre sorgen große, im Dachbereich integrierte Lichtflächen. Der Wagenboden besteht aus einem semitransparenten Material mit einem geometrischen Muster. Unter diesem Kunststoff (Urethane) befindet sich eine Aluminiumfläche, die durchschimmert und optisch perfekt mit den anderen Interieurfarben harmoniert. Es ist davon auszugehen, dass diese Materialexperimente keine Bedeutung für die Serienfertigung haben werden. Die Schalttafel wurde asymmetrisch aufgebaut. Im Bereich des Fahrers ist sie etwas weiter vorne angeordnet, um so das Raumgefühl zu verbessern. Ein kreisrundes Kombiinstrument mit analogem Tacho und digitalen Zusatzinformationen wecken Assoziationen an die Vorbilder früherer Jahre. Der Schalthebel ist in die Instrumententafel integriert. Über diesen Joystick wird die Fünfstufenautomatik mit Tiptronic-Funktion entweder vollautomatisch oder manuell gesteuert. Vorteil dieser Anordnung, die man mittlerweile von vielen Van-Konzeptionen kennt, ist, dass der Schalthebel nicht den Durchgang von Fahrer oder Beifahrer zu den anderen Passagieren behindert. Der Microbus verfügt über drei Sitzreihen, die mit Nappaleder bezogen sind. Die mittleren Einzelsitze können um 180 Grad gedreht werden, die dritte Reihe wurde als Bank mit zwei einzeln konturierten Sitzen ausgelegt. Ein Schienensystem ermöglicht eine multivariable Anordnung der zwei hinteren Sitzreihen. Alle Passagiere werden durch einen Integralgurt gesichert; damit ergibt sich eine von Anlenkpunkten in den Dachsäulen unabhängige Gurtführung. Die runde Schaltereinheit der elektrischen Sitzverstellung befindet sich jeweils außen am Gestühl unterhalb der Fläche. Es muss auf der runden Taste lediglich die gewünschte Achse angetippt werden, und der Sitz fährt nach oben, unten, oder vor und zurück.

Microbus Innen
Bis auf die Schalteinheit ist das Cockpit konventionell geraten

Aktuelle Studien stellen mittlerweile immer die Frage nach der Einsatzbarkeit von Elektronik. So kann der Microbus zum Beispiel in ein wirkliches Autokino verwandelt werden: Dazu bedarf es nach Auffassung der Entwickler eines 7-Zoll-Bildschirms im 16:9-Format in der Mittelkonsole, vier großen Monitoren in den Lehnen der ersten und zweiten Sitzreihe sowie zwei ausfahrbaren Displays zwischen der zweiten und dritten Sitzreihe. Letztere befinden sich im Ruhezustand in der hinteren Bank. Sobald die Konstruktion herausgezogen wird, ergibt sie in der ersten Stufe einen konventionellen Tisch, der bei der Konferenz-Anordnung der beiden hinteren Sitzreihen genutzt werden kann. In der zweiten Phase erscheint beim Drehen dieses Tisches in die Senkrechte je ein Display auf beiden Seiten. Ein zweiter 7-Zoll-Bildschirm dient der Sicht nach hinten. Der Microbus besitzt eine sogenannte Backeyecamera. In Ergänzung der beiden Außenspiegel ermöglicht sie eine umfassende Sicht nach hinten. Der Monitor befindet sich genau dort im Dachbereich, wo sonst der Rückspiegel zu finden ist, damit der Fahrer seine Blickgewohnheiten nicht ändern muss. Parallel warnt das System den Fahrer beim Rangieren via Sprachinformationen vor unerwünschten Kontakten mit der Außenwelt.

Technisch basiert die Konzeptstudie auf keinem der zur Zeit angebotenen Volkswagen; die Bodengruppe zum Beispiel, entspricht einer künftigen Fahrzeuggeneration. Eine Weiterentwicklung stellt auch der 320 Newtonmeter starke, kompakte 3,2-Liter-V6-Motor dar.

Noch ist die Frage unbeantwortet, wie die Umsetzung der Konzeption in die Serie erfolgen wird. Während sich der Karosseriekörper schon produktionstauglich zeigt, werden die gestalterischen Gimmiks in Elektronik und Materialgestaltung des Innenraums wohl nicht in der Serie auftauchen. Erfreulich ist, dass es den Wolfsburgern gelungen ist, der herrschenden gestalterischen Einfalt im Van-Segment eine Persönlichkeit gegenüberzustellen, die wohl nicht nur in den USA ihre Freunde finden wird.

(Text: Rainer Roßbach )
(Fotos: Volkswagen AG)

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