Prova Logo
 
Inhalt
Magazin
Neues aus der Industrie
Neue Bücher
Renault Twingo Gordini
Shelby Mustang GT 500
FIA GT Nürburgring
Lamborghini Pregunta
38. AVD-Oldtimer-Grand-Prix
Mercedes-Benz C 111-III
AMX/3
Maserati 450S 1957
Bizzarini 500
Mini Coupé
Mercedes 150 Sport-Roadster
Panoz Abruzzi
Peugeot 402 Andreau
BMW M3 GT2 Art Car
Opel Diplomat V8 Coupé
Fahrberichte
Kia Sorento 2,2 CRDi
Toyota RAV4
Alfa Giulietta 1.4 Multi Air
Subaru Legacy Kombi 2.0D
Hyundai ix35
Kultur : Unterwegs
Supersportwagen
25 Jahre AutoMuseum Volkswagen
Aktualisiert am 09.09.2010
© 2010 virto GmbH
VW Magellan: Drei in Eins

03.10.2002

VW Magellan
Die Front ist verblüffend historisch geraten: Erinnerungen an den Typ 3 werden wach.

Fernando de Magellan umsegelte im 14. Jahrhundert im Auftrag der portugiesischen Krone als erster Mensch die Welt. Seine Leistung leitete eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte ein. Das nach diesem Pionier benannte VW Concept Car wird sicher nicht die Geschichte des Automobils verändern, aber es hat Qualitäten, die es für die Eroberung neuer Räume durchaus geeignet erscheinen lassen.

Der Magellan wird von einem 202 kW / 275 PS starken W8-Motor über alle vier Räder angetrieben und besitzt eine Luftfederung mit einem aktiven hydraulischen Dämpfungssystem. Features wie bei einem Geländewagen: Doch das soll der in "Patagonia Green" lackierte Magellan ausdrücklich nicht sein. Die Studie soll Aspekte von Van, Kombi und Geländewagen vereinen und so Perspektiven für eine neue automobile Klasse aufzeigen. Das dazu bemühte Zeitgeist-Schlagwort heißt Crossover. Im Falle des Magellan führte ein Team des Volkswagen Design-Centers Europe in Sitges bei Barcelona das Layout moderner Geländewagen (SUV, Sport Utility Vehicle), die Variabilität von Großraumlimousinen (MPV, Multi Purpose Vehicle) und die Pkw-Agilität der Kombis zu einem anderen Fahrzeugkonzept zusammen.

Die Dimensionen des Magellan entsprechen in der Länge (4.685 mm) und in der Breite (1.860 mm) dem Niveau der SUV`s. Die Höhe (1.620 mm) definiert dagegen ein abweichendes Maß; das Concept Car baut niedriger als Geländewagen und Vans, aber höher als jeder Kombi.

Der Magellan soll damit den Wünschen von Autofahrern entgegenkommen, die sich von keinem der drei klassischen Segmente SUV, MPV und Kombi versorgt fühlen, die aber dennoch bestimmte Kerneigenschaften dieser Klassen schätzen. Dazu zählen eine hohe Sitzposition, Beweglichkeit auch jenseits befestigter Straßen, viel Platz im Innen- und Kofferraum sowie agile Fahreigenschaften.

Exterieur

Die Gestaltung der Magellan-Karosserie zitiert die solide Anmutung eines Geländewagens, die Raumorientiertheit eines Vans sowie die dynamische Formensprache eines modernen Lifestyle-Kombi. Um diese Mischung harmonisch darzustellen realisierte das katalanische Studio eine klar gezeichnete Silhouette mit homogenen Flächen, die ihre Spannung über die Proportionen der Karosserielinien und eine markante Grafik von Einzelelementen aufbauen soll. Durch ausgeprägte Radläufe, 19-Zoll-Sechsspeichenfelgen, die große Bodenfreiheit, kurze Überhänge und eine vergleichsweise lange Motorhaube wird die sportliche Figur der Studie unterstrichen.

In dieses Bild fügten die Gestalter Kombi-Elemente ein, die das Crossover-Prinzip verdeutlichen sollen und dabei einen deutlichen Kontrast zur Optik üblicher SUV`s darstellen sollen: Dazu zählen die stark geneigte Windschutzscheibe und die vergleichsweise flache Silhouette samt langgestreckter Seitenfenstergrafik. Das Thema MPV findet sich vor allem in der Breite und Höhe des Fahrzeugs wieder.

VW Magellan
Die Grafik des Hecks kommt technisch und expressiv daher.

Prägend soll die C-Säule wirken: Sie ist breit gezeichnet und wurde nach vorne weisend als starker und kräftiger Teil des lackierten Türrahmens ausgelegt. Eine Neuinterpretation traditioneller Wolfsburger Formen prägt die Frontpartie: Die weiche Zeichnung der Haube findet ihre Fortsetzung im ebenso weichen Übergang zur Stirnfläche. Vor allem diese Haubenwölbung und die grafische Komposition aus Scheinwerfertechnik und Kühlluftöffnungen definieren die Front, deren Vorbilder in der Ära der luftgekühlten Volkswagen liegen könnte. Eine akzentuierte Fuge zwischen Motorhaube und Kotflügel zieht sich bis in die vorderen Leuchteinheiten durch. Sie trennt hier die dem Lenkradeinschlag folgenden Hauptscheinwerfer à la Citroën DS/SM und die Blinker voneinander. Zusätzlich diskutieren die Designer in der Frontpartie die Position des VW-Zeichens - statt wie bei den Serienfahrzeugen im Grill, wurde es hier darüber in der Motorhaube integriert. Ein Platz, der bislang dem Concept Car Microbus vorbehalten blieb.

Während die Frontpartie leicht avantgardistische Gediegenheit zelebriert und die Seitenlinie, abgesehen von den ausgestellten Radhäusern, dem Layout bestehender Kombilinien folgt, ist es vor allem das spannungsgeladene Heck, das für die Persönlichkeit des Fahrzeugs sorgt: Die Heckscheibe und die auch von der Seite her gut auszumachenden Rückleuchten bilden trapezförmige Grundelemente, die durch diagonal angeordnete Flächen voneinander getrennt werden. Letztendlich ist es die ausgefeilte Ästhetik der hinteren Leuchteinheiten, die Eindruck macht. Durch die funktionale Struktur der verschiedenen Leucht-Funktionen in einer an Metallguss erinnernden Grafik und durch eine transparente Abdeckung, die formale Entsprechungen im Heckfenster findet, verschafft sich der Magellan einen starken Abgang.

Interieur

Der Innenraum sollte, so das Ziel der Gestalter, leicht, luftig und großzügig wirken, um das Reisen ebenso kurzweilig wie komfortabel zu gestalten. Platzverhältnisse und Sitzkonzeption orientieren sich deshalb an einem MPV unterhalb der Größe des Microbus.

VW Magellan
Ein Versuch neue Wege zu gehen.

Der Innenraum soll die Zukunft reflektieren. Diese Erwartung transportiert der Magellan nach innen einerseits mit hochwertigen und robusten Materialien (wie zwei farblich kontrastierende Leder für Sitze und Verkleidungen oder Aluminium für Bedienungselemente und Applikationen), andererseits über eine angestrebte Leichtigkeit der Formen und scheinbar frei schwebenden Details.

Das dominierende Element der Armaturen z.B. bilden die Instrumente und Bedienungseinheiten, die als 1,10 Meter lange, durchgängige Info- und Steuerungssäule horizontal in einem 30 Zentimeter hohen Raum zwischen dem Schalttafelgrundkörper und einem dunkleren, teilweise lederbezogenen Armaturendach schweben. So sollen Einspiegelungen in der Windschutzscheibe verhindert werden.

Das mittlere Hauptinstrument mit seinem Infotainment-Modul ist durch den symmetrischen Aufbau des Cockpits vom Beifahrer gleichermaßen gut und deshalb quasi gleichberechtigt im Zugriff bedienbar.

Die von der Schalttafel losgelöste Mittelkonsole soll eine eindeutige Trennung zwischen Komfort- (Klimatisierung, Sitzheizung etc.) und Fahrzeugfunktionen (zum Beispiel der kurze Aluminium-Wählhebel der Getriebeautomatik) ermöglichen. Die Automatik (Tiptronic) kann, alternativ zum konventionellen Wahlhebel zwischen den Sitzen, manuell mittels Paddles am Lenkrad geschaltet werden.

Um spielerisch zukünftige Funktionserweiterungen aufzuzeigen hat man im Magellan ein Navigationssystem eingebaut, das als sogenanntes "GPS to Go" zur Routenführung abseits der Autopfade auf Wanderungen oder Radtouren mitgenommen werden kann.

VW Magellan
Behausung für den modernen Nomaden.

Insgesamt bietet der Magellan sechs Personen auf drei Sitzreihen Platz. Wie vorne, kommen in der zweiten Reihe Einzelsitze zum Einsatz, ganz hinten ist es eine durchgehende Sitzkonfiguration; in allen Lehnen befinden sich integrierte Gurtumlenkpunkte. Optisch wie technisch bauen die Sitze besonders platzsparend. Ein sogenanntes Monorail-Trägergestell mittig unter dem Sitz samt der in den Fahrzeugboden integrierten Längsverstellungsschienen soll eine optimale Raumausnutzung erlauben und darüber hinaus - analog zu den Instrumenten - den Eindruck einer frei schwebenden Sitzanlage erzeugen. Die dritte Reihe kann im Boden versenkt werden.

In der Dachkonsole befinden sich, wie beim Microbus, neben der diffusen Beleuchtung ein Kompaß sowie eine schwenkbare Kamera, die zur Kommunikation mit den hinten sitzenden Personen dienen soll und deren Einbau mit Sicherheitsaspekten begründet wird.

Wer unterwegs sein eigenes Domizil dabei haben möchte, hängt den eigens entwickelten Caravan an. Dieser korrespondiert formal mit dem Zugfahrzeug und lässt sich um zwei Meter ausziehen. Viele Reisen führen zum Meer. Auch hier bieten die Katalanen eine Lösung an: eine Dachbox, die umgedreht als Boot genutzt werden kann. Ankommen, abladen und los geht es. Alles soll möglich sein für die Entdecker einer entdeckten Welt.

Wie immer ist das weitere Schicksal von Studien ungewiss. Über die Chance, mit dem Magellan ins Unbekannte aufzubrechen entscheidet die Marketing-Abteilung des Volkswagen-Konzerns. Aber ein kleiner Ausweg bietet sich dennoch für alle Entdecker: Die tatsächlichen Abenteuer des Namesgebers können in der Magellan-Biografie von Stefan Zweig nacherlebt werden.

(Text: Rainer Roþbach )
(Bild: Volkswagen AG)

Zurück zur Startseite

Prova Gesamtarchiv
Archivsuche
ausführen Hilfe
Termine
  LMS Großbritannien
  WTCC Spanien
  WRC Rallye Japan
  GP von Italien
Impressum / Kontakt
 Anzeigen
Anzeige Porsche 804-Buch
Anzeige Porsche 908-Buch
Anzeige Porsche 917-Buch
Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de