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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Peugeot H2O: Schnell für die Feuerwehr

29.10.2002

Peugeot
So schnell muss die Feuerwehr sein!

Der wie aus einem japanischen Studio stammende Peugeot H2O strahlt Sympathie und spielerische Leichtigkeit aus. Allerdings ist das so unernst erscheinende Feuerwehrfahrzeug nicht nur eine Technikstudie zur Erprobung der Brennstoffzelle, sondern zugleich auch ein Concept-Car für die Brandbekämpfung, das sich in der Realität sowohl für die Erkundung wie auch für den Löscheinsatz in Stadtbereichen eignet, die für schweres Gerät wenig zugänglich sind. Durch sein technisches Konzept und die komplette Ausstattung für die Brandbekämpfung, entwickelt in Zusammenarbeit mit Spezialisten der Feuerwehr, bemüht er sich abseits seiner Comic-haften Wirkung um Glaubwürdigkeit. Das Frontdesign spiegelt die aktuelle Designlinie von Peugeot wieder. Hinter dem für zwei Personen ausgelegten Fahrerhaus befindet sich ein Wassertank, auf dem eine ausfahrbare Leiter aufliegt. Um den Tank herum befinden sich Stauräume sowie die für solche Feuerwehrfahrzeuge typischen Anschlüsse.

In der Frontschürze fallen ein großzügiger Lufteinlass und eine Chromleiste ins Auge, die der Front Dynamik verleihen sollen. Die hinter einer Klarglas-Abdeckung liegenden linsenförmigen Hauptscheinwerfer und die Zusatzscheinwerfer sind rechts und links vom Lufteinlass angeordnet. Die Motorhaube, die weit nach vorn reichende Frontscheibe und das Dach sorgen für eine dynamische Linienführung. Ausgeprägte Radhäuser, die akzentuierte Schulterlinie und der ausgeprägte Schweller, der die Radhäuser verbindet tragen zum kraftvollen und robusten Eindruck des Fahrzeugs bei.

H2O
Die Front zeigt eine Variation des aktuellen 206er-Modells

Die Rundung der oberen hinteren Türkante korrespondiert mit der Form des Tanks. Die Stauräume im Heckbereich verbergen sich hinter Metalljalousien. Auf der linken Seite befinden sich zwei Griffe und Trittmulden, über die man auf das Fahrzeug gelangt. Blaue Warnleuchten auf dem Dach verstehen sich von selbst. Der zylinderförmige Tank weist in seiner Rückwand einen sanft gerundeten Deckel aus poliertem Metall auf, der in der Mitte den Peugeot-Löwen zeigt. Auf dem Tank liegt eine ausfahrbare Leiter aus Leichtmetall.

Die Heckleuchten liegen hinter einer Klarglasscheibe, jede Leuchtfunktion ist durch einen eigenen Zylinder dargestellt. Unterhalb der Heckschürze befinden sich zwei Anschlüsse, die über ein Metallteil miteinander verbunden sind (ein Wasseranschluss und ein Strahlrohranschluss). Abgesehen von allen glänzenden Metallteilen leuchtet die gesamte Karosserie des „H2O“ in „Feuerwehr-Rot“. Die 18“-Räder sind aus Leichtmetall und beherbergen Reifen der Größe 215/45. Die tief liegende Radnabe in Wagenfarbe ist halbkugelförmig ausgestaltet und trägt einen Chrom-Löwen in ihrer Mitte.

Funktionales Interieur

Eine funktionelle Armaturentafel mit verschiedenen Bedienelementen und ein Kombiinstrument dienen der Information des Fahrers. Das Interieur ist rot lackiert. Einige in blankem Metall ausgeführten Elemente sorgen für den optischen Kontrapunkt. Ein Touch-Screen, ein Telefon und ein Navigationssystem (GPS) sind mittig im oberen Armaturentafelbereich angeordnet. Der Beifahrer schaut auf einen zweiten Bildschirm, der mit einem PC verbunden ist und die Anzeige von z.B. Gebäudeplänen ermöglicht. In die Mittelkonsole sind in den waagerecht verlaufenden Teil zwischen den beiden Sitzen die Schaltung des Wendegetriebes und der Handbremsgriff integriert. Wie die gesamte Innenverkleidung des Fahrzeugs sind auch die beiden Sitze mit rotem Neopren bezogen. In den Türtafeln sind Metallrahmen für die Aufnahme von Werkzeugen eingearbeitet.

H2O
Das Interieur beinhaltet feuerwehrspezifische Informationsmodule

Auch eine Technikstudie

Beim „H2O“ handelt es sich um ein Elektrofahrzeug mit Batterien und einem aus einer Brennstoffzelle (BZ) bestehenden zusätzlichen Stromaggregat, dem sog. „Range Extender“. Dieser übernimmt gleichzeitig die Funktion einer „APU“ (Auxiliary Power Unit) für das Bordnetz und stellt damit eine ständige Stromquelle für die Versorgung verschiedener Verbraucher (Pumpen, Rauchabsauger, Kommunikationssysteme, Steckdosen, usw.) dar.

Wie funktioniert die Brennstoffzelle?

Für den Betrieb einer Brennstoffzelle werden Wasserstoff und Sauerstoff gebraucht. Der Sauerstoff wird aus der Luft gewonnen oder in einer Flasche mitgeführt, während der Wasserstoff für die Technikstudie „H2O“ je nach Bedarf an Bord des Fahrzeugs produziert wird. Wenn Wasserstoff mit Sauerstoff in Kontakt kommt, findet eine elektrochemische Reaktion statt, bei der durch Elektronenübergang gleichzeitig Wasser, Wärme und vor allem elektrischer Strom erzeugt werden. Die Brennstoffzelle erzeugt also Strom für den Antrieb und setzt dabei ausschließlich Wasser frei. Der lokale Schadstoffausstoß liegt bei null. Durch ein integriertes System zur Wasserstofferzeugung in Echtzeit übersteigt die im Fahrzeug vorhandene Wasserstoffmenge in keinem Fall 2,5 g; das entspricht in etwa einem Glas Benzin. Der Wasserstoff wird aus einer wässrigen Natrium-Borhydridlösung und einem Katalysator erzeugt. PSA Peugeot Citroën erforscht damit einen neuen Ansatz, der es ermöglicht, die mit der Speicherung von Wasserstoff in Druckbehältern verbundenen Zwänge zu umgehen. Anders als konventionelle Fahrzeuge, die für die Kraftstoffverbrennung im Motor Sauerstoff benötigen, bleiben bei der Technikstudie „H2O“ auch in „anaerobem“ (d. h. sauerstofflosem) Milieu, z. B. bei einem Brand in einem Tunnel oder einer Tiefgarage, sämtliche Funktionen aufrecht erhalten. In einem solchen Fall wird der für den Betrieb der Brennstoffzelle nötige Sauerstoff aus zwei mitgeführten Sauerstoffflaschen bereitgestellt.

Die Insassen verfügen ihrerseits über extrem kompakte Atemgeräte, die in die Führerhausausstattung integriert sind. Um die Mobilität auch unter beeinträchtigten Sichtverhältnissen (z. B. durch Rauch) sicherzustellen, ist das Fahrzeug mit Abstandssensoren in den Stoßfängern sowie einem Radarsystem in der Fahrzeugfront ausgestattet. Die Integration des Gesamtsystems in das Fahrzeug ist einfach, weil seine Einzelelemente wenig Platz beanspruchen. Die Verteilung der einzelnen Funktionen im Fahrzeug stellt sich wie folgt dar: Motor, Brennstoffzelle und Wasserstofferzeugung vorne, Natrium-Borhydrid-Behälter hinten. Damit ist auch die Systemsicherheit gewährleistet. Anders als ein Wasserstoff-Druckbehälter mit seiner speziellen Form muss der Behälter für die wässrige Natrium-Borhydridlösung keine besondere Form aufweisen.

Geschickt wahrt Peugeot bei diesem Konzept die Balance zwischen Spass und ernsthaftem Nutzen. „Schnell wie die Feuerwehr“ wird hier überzeugend eigenwillig in neuer Form gedeutet.

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(Text: Rainer Roßbach )
(Fotos: Peugeot)

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