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Rendsburg: Über den Kanal schweben
10.12.2002
Sie haben in und um Kiel oder Flensburg zu tun oder Sie fahren nach Skandinavien? Auf der A7 läßt sich dann der Nord-Ostsee-Kanal, auf einer langen und hohen Autobahn-Brücke ganz gewöhnlich überfahren . Oder er lässt sich, nach einem Umweg auf der einzigartigen Schwebe-Fähre überqueren. Auf der Gondel der Schwebe-Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal läuft alles eher betulich ab: Die Transport-Plattform schwingt fast gar nicht, obwohl sie nur an Stahlseilen hängt. An den vier Eck-Punkten der Schwebe-Fähre treffen sich jeweils drei Stahl-Trossen, dreieckig schräg gespannt und mit Befestigungspunkten oben am Laufwagen, sodass sämtliche Querkräfte aufgenomme n werden. Diese Konstruktion verdankt ihre Existenz dem Bau des "Kaiser-Wilhelm-Kanal" (heute heißt er Nord-Ostsee-Kanal), der 1895 nach acht Jahren Bauzeit eröffnet wurde. Im Jahr 1911 begann der Bau der Eisenbahn-Hochbrücke, über die am 1.Oktober 1913 der erste Eisenbahnzug rollte. Unter der eigentlichen Brücke wurde die Schwebefähre angebracht. Dieses verkehrstechnische Unikum ist bis heute im Dienst. Beeindruckend ist die Tragkraft der luftigen &U uml;berwasser-Fähre: Sie nimmt nicht nur bis zu sechs Pkw auf, sondern trägt auch Wohnwagen-Gespanne und Lkw bis zu 7,5 Tonnen Gewicht. Dieses exzentrische Transportvergnügen wird zu einem tollen Preis angeboten: Kostenlos wird zum anderen Ufer des Nord-Ostsee-Kanals übergesetzt! Die Schwebe-Fähre hängt unter einer Eisenbahn-Hochbrücke an einem elektromotorengetriebenen Laufwagen. Während oben der Zugverkehr braust, gleitet sie unten ganz leise in knapp vier Me tern Höhe über den Kanal. Gesteuert wird die Fähre von einer Brücke aus - wie ein Schiff . Ein Helfer als "Deckoffizier" sorgt für Ordnung, dass Autos richtig stehen, Fußgänger und Radfahrer ihren Bereich nicht verlassen und die Schranken zum richtigen Zeitpunkt geschlossen und geöffnet werden. Von frühmorgens bis spätabends ist die Fähre in Betrieb und erfreut sich regen Zuspruchs: Kein Museumsstück also, sondern eine stark frequentiert e, sehenswert-funktionierende Stahl-Konstruktion, die man nutzen und empfehlen kann - und die man gesehen haben muss.
Die Eisenbahn-Hochbrücke selbst ist eine Stahlkonstruktion, genau 2486 Meter lang den Nord-Ostsee-Kanal in 42 Meter Höhe überspannend. Züge kommen nur auf diese Höhe, weil die Eisenbahn-Trasse sie in einer ovalen Riesenschleife trotz geringer Steigfähigkeit auf kleinstem Raum hochführt. Diese Höhe ist notwendig, damit die groß en Schiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal drunterdurch stets freie Fahrt haben. Der Kanal verbindet die Nord- und die Ost-See zwischen Brunsbüttel an der Elbmündung und Kiel-Holtenau, ist 98,7 km lang und einer der meistbefahrenen Seekanäle der Welt. Zu spüren ist das, wenn die Schwebe-Fähre warten muss, bis der Abstand zwischen den Schiffen groß genug für die Hänge-Partie-Passage der Luft-Fähre ist. Da die neueren Kanal-Schleusen eine nutzbare Läng e von 310 Metern haben, der Kanal eine Wassertiefe von 11 Metern und die Kanalsohle 90 Meter Breite, passieren beachtliche Schiffe, was Wartezeiten vor der Fähr-Fahrt kurzweiliger macht. Der Fährbetrieb ist täglich von 5.00 bis 23.00 Uhr.
(Text: Rainer Rossbach ) |
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