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Bristol Fighter: Das Empire schlägt zurück
26.03.2003
Die elitäre Autoschmiede Bristol, Kind des britischen Bomber-Bauers aus dem Zweiten Weltkrieg, ist mit ca. 100 jährlich produzierten Luxusfahrzeugen des Typs "Blenheim" Lieferant für die "Snobby Few" der Insel. Während die ersten Bristol-Autos nach 1945 mit Kriegsbeute aus dem BMW 328 bestückt waren, ist seit den Sechzigern Chrysler der Hauslieferant für die mechanischen Komponenten. Was lag also näher, für die Konzeption eines neuen Bristol-Sportwagens ins Chrysler-Regal zu greifen und sich die ultimativen Bauteile zu sichern. V10-Zylinder, acht Liter Hubraum und 525 PS: Das alles klingt nach Dodge Viper. Die Verwendung dieser amerikanischen Bauteile ist weder für die generelle Leistungsfähigkeit noch für den Service von Nachteil. Allerdings sollte die Konzeption des Fahrzeugs dann doch für einen deutlichen Unterschied zum Ausgangsprodukt sorgen. Der Ansatz von Bristol beschäftigt sich deshalb auch im wesentlichen mit Komfortmerkmalen und Aerodynamik. So sind zum Beispiel die verwendeten Flügeltüren so konstruiert, dass ein bequemer Zustieg zum Fahrzeug selbst bei engen Bordsteinkanten oder geringen seitlichen Abständen möglich sein soll. Zudem finden im Innenraum Personen mit zwei Metern Körperlänge Platz, was allerdings mit einer schlechten Proportion zwischen Wagenkörper und Dachaufbau erkauft wird.
Gute Übersichtlichkeit war ebenso ein Aspekt in der Konstruktion wie eine gute Strassenlage und ein gutes Handling. Die Bodenfreiheit des Fighter wurde so gewählt, dass Geschwindigkeitsbegrenzungs-Hindernisse ebenso wie ungepflasterte Strassen ohne Risiko für den Fahrzeugboden befahren werden können. Ein kleiner Wendekreis sowie kompakte Abmessungen sollen dafür sorgen, dass das Fahrzeug auch in der Stadt ohne Einschränkungen benutzt werden kann. Zudem ist der Kofferaum laut Werksangaben so groß, dass mit dem Fighter auf Reisen gegangen werden kann, auch auf ein vollwertiges Ersatzrad braucht nicht verzichtet zu werden. Die Engländer versuchen, den normalerweise vorhandenen Widerspruch zwischen Komfort und Leistungsfähigkeit aufzulösen. Indem man sich also folgerichtig darauf konzentriert hat, den zwei Insassen ein wohnliches Umfeld zu bereiten, ist der wohl komfortabelste Bristol aller Zeiten entstanden. Die Außenhaut wird von Hand in Aluminium ausgeführt und das Interieur, natürlich aus Conolly-Leder und mit Wilton-Auslegeware, repräsentiert den höchstmöglichen Qualitätstandard. Zum komfortablen Ambiente trägt auch der Umstand bei, dass der Dämpfung des Innengeräuschs höchste Aufmerksamkeit gewidmet wurde. So sollen sich nach dem Willen der Fahrzeugbauer ein luxuriöses Ambiente mit einem aussergewöhnlich hohen Leistungspotential verbinden und eine einzigartige Mischung erzeugen.
Die Ingenieure widmen sich natürlich auch dem Fahrverhalten. Agilität und spontane Reaktionen auf die Aktionen des Fahrers standen ganz oben im Pflichtenheft. Man rechnet es sich als Leistung an, dass, da die Herkunft von Bristol im Luftfahrzeugbau liegt, das Fahrzeug besonders leicht geraten ist (1475kg), aber gleichzeitig eine steife Struktur hat. Die Maschine ist als Front-Mittelmotor ausgelegt, um eine gute Gewichtsverteilung zu erreichen und durch Übernahme wesentlicher Teile des Viper-Fahrwerks kann man davon ausgehen, dass die Fahreigenschaften ordentlich geraten sind. Ein 8 Liter-V 10-Motor prägt zweifellos den Charakter eines Fahrzeugs. Ausgeführt in Aluminium, mobilisiert er ein sattes Drehmoment von der Leerlaufdrehzahl an und reichlich Leistung in jedem Drehzahlbereich. Bristol verspricht für den Saugmotor sogar einen relativ ökonomischen Betrieb bei gleichzeitig geringem Service-Aufwand. Die Pferdestärken werden entweder über ein manuelles Sechsgang-Getriebe oder einen Viergangautomaten an die Antriebsräder gebracht. Die Leistungsmerkmale des "Kämpfers" in Verbindung mit einem niedrigen Luftwiderstand sollen eine hohe Endgeschwindigkeit ermöglichen. Bristol weist darauf hin, dass die Mitarbeiter in der Fertigung Luftfahrtspezialisten sind: Optimale Aerodynamik und sichere Fahreigenschaften gerade in hohen Geschwindigkeitsbereichen reklamiert man als das Resultat dieser Erfahrungen. Bristol nimmt für sich in Anspruch, in Aerodynamik und Seitenwindempfindlichkeit neue Standards für die Automobilindustrie gesetzt zu haben. Dass die Bäume in der englischen Hafenstadt aber nicht in den Himmel wachsen, zeigt ein Blick auf den Alfa-Romeo TZ 1 von Zagato aus dem Jahre 1963, der vor allem in der Seitenansicht eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Fighter aufweist (auch andere Zagato-Konzepte der Sechziger sind einen vergleichenden Blick wert). Gefertigt wird der Bristol-Sportwagen nach den Spezifikationen der Luftfahrtindustrie und man verspricht, in der Produktion auf die in der Großserie notwendigen Kompromisse zugunsten eines Qualitätsfahrzeuges zu verzichten. So erklärt sich denn auch der Preis von 205.625 englischen Pfund. Bristol verzichtet nach wie vor auf den Vertrieb über Händler, also sollten Interessierte direkt mit dem Werk Kontakt aufnehmen.
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(Text: Rainer Roßbach) |
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