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Aktualisiert am 31.12.2011
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Kira Streetster: Mode für Metropolis

09.05.2003

Kira Streetster
Der Kira Streetster zeigt eine ausdrucksstarke Seitenlinie

Technikvernarrt und modeversessen, übersät mit Leuchtreklamen und zusammengeballt aus vielen autonomen urbanen Zentren, die durch ein urbanes Straßensystem organisch zur Metropolis verbunden sind – das ist Tokyo. Vor allem junge Leute sehen neue technische Erfindungen als Bestandteil der Mode und als Möglichkeit, das eigene Image zu bestimmen und anderen zu vermitteln. So ist auch das Fahren ein Aspekt von Pop, echte Strassenkultur sozusagen. Der Kira "Streetster" ist für diese Zielgruppe entwickelt worden; Cruisen über die ruhelose Bühne der Großstadt ist das Thema dieses Fahrzeugs.

Die Kraft des "Streetster" und die des Fahrers sollen sich ergänzen zu einem Bild, das den Geist der Metropole vollkommen wiedergibt und sich letztlich zu einer spezifischen Energie bündelt. Das Design wurde nicht, wie bei einem Roadster, zur Darstellung von Leistung und Geschwindigkeit genutzt, sondern man suchte speziell nach einer Form, die gemächliches Cruisen als Akt der Mode ausdrückt. Hier ist Mode wirklich im Sinn von "Bekleidung für den Fahrer" gemeint. So befinden sich auf der Seitenlinie, mit klarem Bezug auf die runden Radöffnungen, zwei deutlich an- und abschwellende Flossen. Diese stellen sich auf- und ab bewegende Meereswellen dar. Die Windschutzscheiben zitieren unverstellt das Motiv der Sonnenbrille und das Frontenblem ist wie ein Ansteck-Pin geformt.

Unter dieser Schicht liegt aber auch traditionelle japanische Kultur: In den klaren Kanten der Seitenlinie spiegelt sich die Kunst des Origami, aus einem quadratischen Blatt Papier elegant einen Kranich zu falten, und das Wort "Kira" transportiert die Bedeutung "Grosse Schönheit".

Kira Streetster
Ornament und modischer Materialmix für den Innenraum

"Kira" meint in stofflicher Hinsicht kostbare und schöne Seide, ein Motiv, das als Interpretationsfolie für die Gestaltung des Innenraums diente. Metall, Leder und Stoff wurden in einer ornamentalen Weise kombiniert. Das Zentralinstrument befindet sich auf einer Messing-Panele, von gelbem Leder umgeben und korrosiongeschützt. Die gleiche Materialzusammenstellung findet sich auch in den Türverkleidungen. Die Form der Instrumente ist die von grossen Broschen, die Sitzbezüge erinnern in ihrer Struktur an Kimonos und der Boden besteht aus poliertem Aluminium. Diese Materialkombinationen des Innenraums beziehen sich in ihrem Stilmix auf moderne Mode, die frei sehr unterschiedliche Stoffe kombiniert.

Autos haben heute, nach Meinung desjapanischen Studios Sivax, neue Rollen zu erfüllen, die über die traditionelle Rolle des Transports hinausgehen. Diesen stärker modisch orientierten Aspekt sowie die Überzeugung, dass urbane gesellschaftliche Rollenspiele auf einen neuen Ausdruck drängen, haben die Designer aus Yokohama in den "Streetster" übersetzt. Die spezifische Sicht, die sich aus dem Lebensgefühl japanischer Großstädte entwickelt, mutet für den europäischen Zuschauer zunächst seltsam an. Wer die Muße findet, sich intensiver auf die Ideen einzulassen, wird für sich aber auch neue Betrachtungsweisen entdecken – und sei es nur, dass man ein präzises Negativ für die eigenen Sichtweisen findet.

Man sollte dem Mut der Japaner Respekt zollen, zumal auch deren einst festgefügte Autowelt ins Wanken geraten ist. Grosse Teile der japanischen Industrie sind mittlerweile in ausländischer Hand und die Notwendigkeit, als Dienstleister dort präsent zu sein, wo die Entscheidungen fallen ist dringender denn je.

Sivax eröffnet eine Dependance in Paris und versucht mit dem Experiment "Kira Streetster" den Eintritt auf dem hiesigen Markt. Möglicherweise ist dieser exotische und ungewöhnliche Blick auf das Auto der Zukunft ein belebendes Element für die Designkultur Europas.

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(Text: Rainer Rossbach )
(Fotos: Sivax)

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