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Granturismo Lancia: Tradition und Innovation
01.03.2003
Die viertürige Coupéstudie "Granturismo Lancia" basiert auf der Technik der Limousine Lancia Thesis und greift, inspiriert durch Aprilia oder Ardea, die Idee des Lancia Beta HPE aus den siebziger Jahren auf. Damals hatten die Lancia-Verantwortlichen die Idee, auf dem verlängerten Radstand des erfolgreichen Beta-Coupes ein Sportkombi zu bauen. Das Resultat war ein elegantes, sportliches Auto mit einer niedrigen Silhouette, das Fahrspass mit Variabilität verband und das sich nicht immer selbstverständlich für die noblen Autos aus Turin in Deutschland recht gut verkaufte. Mit dem "Granturismo" will Design-Chef Flavio Manzoni heute schon einen Ausblick auf das Design zukünftiger Modelle geben. Bei der 4,62 m langen, 1,92 m breiten und 1,41 m hohen Studie soll eine ausgewogene Synthese von Grundwerten geformt werden, die als typisch für Lancia bezeichnet werden: Tradition und Innovation, Sportlichkeit und Eleganz, Emotion und Funktionalität. Das reiche Potential der italienischen Traditionsmarke soll damit für zukünftige Projekte aktiviert werden. Centro Stiles interpretiert das "Shooting Brake"-Konzept neu: Grosszügig geschnitten, viertürig und mit grossen Fensterflächen, die unter anderem die ganze Dachfläche einschließen, bemühen sich die Entwickler um ein einladendes und elegantes Ambiente für die Passagiere. Die Aussenhaut soll, indem man der Lehre des "weniger ist mehr" folgt, die Skulpturalität der Lancia aus den 60er und 70er Jahren wieder aufleben lassen. Vor allem die Dynamik der Massen und die Harmonie der Volumen sollen auf eine spezifisch italienische Art zum Sprechen gebracht werden. Flüssige, kraftvolle Linien charakterisieren die Seitenlinie und bündeln sich im Heck. Dadurch wird die Silhouette mit einer deutlichen, geraden Spannung nach vorne versehen. Die Front interpretiert die Themen des Thesis auf eine sportlichere Art.
Die aluminium-umrahmte Kühlluftöffnung ist mit einem schwarzen, gelochten Inlay versehen. Dieses führt die Sicke der Motorhaube hinunter auf den Stoßfänger. Das klassische Lancia-Logo ist oben zentral angebracht und liefert mit seiner äußeren Begrenzung die Blaupause für die Kühlerform. Dessen Öffnung ist vertieft in die lange Motorhaube eingepasst und korrespondiert mit den breiten Schulterlinien, die bis auf die vorderen Stoßelemente laufen. Eine zentrale Sicke in der Motorhaube unterstreicht die dynamisch nach hinten gerichtete Bewegung. Die vertikalen Frontleuchten unterstützen mit ihrer Form diesen nach hinten gerichteten Fluß, akzentuieren aber auch die nach vorne fast rechtwinklig abfallende Front. Auch von vorne bewegen sich alle Linien konzentriert auf den hinteren Abschluß des "Granturismo". Sie vereinen sich, nachdem sie die schmalen Klarglas-Rückleuchten aufgenommen haben, unter der Heckklappe. Vor allem hier im hinteren Abschluss sind die Einflüsse von Ardea und Aprilia wiederzufinden. Dunkel lackierte Schweller, die mit einem nach hinten gerichteten Bogen die Formen des Karosseriedesign aufgreifen, bilden ein ausgeprägtes Podest, auf dem sich der Wagenkörper abstützt. Die klar gegliederten Alu-Speichenfelgen, die sich fast floral nach außen öffnen, unterstreichen den dynamischen Aspekt der Studie. Das Fahrzeug ist elegant, gleichwohl aber auch streng geraten: Alle Volumen und Linien sind auf Spannung ausgelegt. Die formale Konsequenz erinnert an das beste Audi-Design: Wo dieses, wie im A8, allerdings mittlerweile überreizt wirkt, gelingt es Lancia jedoch vor allem im Frontbereich interessante Lösungen anzubieten. Komfortables und aktives Fahren, unterstützt durch selbstanpassende Bedienelemente, eine Luftfederung und zusätzliche Technologien, die in der Lage sind, die Wünsche und Bedürfnisse des Fahrers zu erkennen und sich dessen Stil anzupassen, werden als Entwicklungsziel für die fahrdynamischen Eigenschaften des Lancia genannt. Die Studie wurde von Centro Stile Lancia in Zusammenarbeit mit dem Turiner Ingenieurbüro Carcerano und der Carozzeria Maggiora aus Chivasso entwickelt.
Maggiora als Karosseriebauer übernahm den traditionellen Part der Prototypenfertigung, während das Turiner Ingenieurbüro Carcerano durch den Einsatz hochmoderner Computerwerkzeuge direkt in den Designprozess mit eingebunden war. Diese Firma offeriert eine Dienstleistung, die zwischen Design, Modellbau und dem Kundenmarketing angesiedelt ist. Spezialität der Turiner ist der Einsatz von 3D-Konstruktion in Echtzeit: In elf "Virtual Reality Rooms" kann man digitale Prototypen ohne Zeitverzögerung entwickeln. Damit hatten die Gestalter von Lancia permanente Kontrolle über ihre Arbeit und konnten ihre Ideen unmittelbar umsetzen. Unterstützt wurden sie durch Carceranos Ingenieure, Mathematiker und Architekten, die die angelieferten Design-Konzepte analysierten und mit Blick auf die technische Umsetzbarkeit, Struktur, Architektur und mögliche Produktionsabläufe optimierten. Das fertigentwickelte Projekt wurde im letzten Schritt dreidimensional gefräst, womit komplett auf den bisher notwendigen, manuellen Modellbau verzichtet werden konnte. Nicht zu unterschätzen ist ein Zusatznutzen dieser Vorgehensweise: Durch virtuelle Prototypen können Animationen oder Bilder für die Unternehmenskommunikation hergestellt werden. Damit wird dem Marketing eine neue Strategie an die Hand gegeben, Fahrzeuge weit vor Produktionsbeginn differenziert und mit einer realen Anmutung dem Markt zu präsentieren.
(Text: Rainer Roßbach ) |
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