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DB7 Zagato: Zurück in die Geschichte
23.02.2003
Zagato und Aston Martin: Die Verbindung dieser Namen verspricht Außergewöhnliches. Erstaunlicherweise tragen überhaupt nur drei Fahrzeuge diesen Namen. Zuallererst natürlich der DB4 Zagato von 1960. Entwickelt mit dem Ziel, die im Rennsport dominierenden Ferrari 250 GTO zu schlagen, wurden in zwei Jahren 19 Exemplare gebaut. Leistung und Leichtbau waren angesagt: 314 PS aus 3670 ccm, kombiniert mit einer leichten, aerodynamisch optimierten Aluminium-Karosserie. Komfort im Fahrgastraum wurde aus Gewichtsgründen klein geschrieben. Die Lufthutze im Motor, der vergrößerte Kühlergrill und die hier nur leicht ausgeformten, Zagato-typischen Double Bubble-Hutzen im Dach prägten ein Fahrzeug, das aggressiv und schön war und seine Leistungsfähigkeit offen zur Schau stellte. Diese eigenwillige Komposition ist heute Kennern 2,5 Millionen Euro wert.
Der DB 4 Z wird als einer der schönsten je gebauten Aston Martin bezeichnet. Vom Aston Martin V8 Vantage Zagato und Volante Zagato von 1986 wird man das wohl nicht behaupten. In diesem 75 mal gebauten Fahrzeug drückt sich zu sehr der Zeitgeist der Achtziger Jahre aus, der dazu neigte Geschichte zu ignorieren und im luftleeren Raum zu agieren. Davon zeugen Details wie die Verwendung der Heckleuchten des VW Scirocco II. Heute vertritt man andere Positionen. Ulrich Bez, Chef in Newport-Pagnell, drückt es so aus: Geschichte ohne Zukunft bleibt Geschichte, erst Geschichte mit Zukunft wird zur wertvollen Erbschaft. Eine Zufallsbegenung mit Andrea Zagato gab den Anstoß, die Beziehung der Engländer mit den italienischen Designern neu zu beleben. Als Resultat dieses Zusammentreffens verkündete man auf dem Genfer Salon 2002, dass es, bei entsprechendem Kundenzuspruch, einen neuen Aston Martin Zagato geben würde. Auf der Basis des DB7 würden maximal 99 Fahrzeuge zu einem Preis von 250.000 Euro je Exemplar gebaut. Im September 2002 war das Ergebnis auf dem Mondial de lAutomobile in Paris zu besichtigen. Mit Respekt vor der eigenen Tradition und einem Auge auf dem DB 4 Z ist der Neue ein typisches Produkt der Mailänder. Der hintere Abschluß ist als Fastback mit prägnanter Abschlußkante gezeichnet, in dem die puristischen, verschraubten runden Heckleuchten einen wesentlichen Akzent darstellen. Der Dialog zwischen dem Schwung der Heckkotflügel und der Double-Bubble, die sich vom Dach über die Heckscheibe bis zur Heckkante durchzieht, verleiht der Heckkante ihre typische Dynamik.
Ganz anders die Front: Der riesige Kühler in klassischem Aston Martin-Design besteht aus streng vertikalen und horizontalen Aluminiumstreben und wird von runden Zusatzscheinwerfern flankiert, die das Rückleuchtenmotiv aufgreifen. Wo das Heck subtil unterschiedlich geformte Flächen zu einer stimmigen Form orchestriert, drückt die Front vor allem Dominanz und Aggressivität aus. Die Wirkung des Kühlers wird noch verstärkt durch die kleinflächigen, abgedeckten Hauptscheinwerfer. Das interessanteste Designelement der eher konventionell geratenen Silhouette ist der Dialog der seitlichen, hinteren Dreicksfenster mit dem langgestreckten Heckfenster, das seinerseits spannungsvoll mit dem Schwung des hinteren Kotflügels zusammenwirktt. Nicht unwesentlich für die Ästhetik des Fahrzeugs ist natürlich auch das traditionell schwarze Zagato-Z hinter dem vorderen Radausschnitt, das wie eine Signatur wirkt. Auf der Basis eines verkürzten DB 7-Chassis ist die Karosserie selbstverständlich in Aluminium ausgeführt. Die Verwendung der mechanischen Komponenten des DB 7 Vantage mit dem 12-Zylinder-6.0l- Motor und 20 PS zusätzlich sorgen für eine angemessene Leistungsfähigkeit. Verstärkte Bremsen, ein niedrigeres Gewicht sowie ein verbessertes Fahrwerk optimieren das Paket.
Die grösste Schwäche dieses faszinierenden Fahrzeugs ist, dass Interieur und Cockpit des Serien-DB 7 unverändert übernommen wurden. Statt der eckigen Instrumenten-Guckkästen im Stil der achtziger Jahre wäre ein schwungvolles Interieur, à la Vanquish schöner und harmonischer gewesen. Man sitzt schließlich meistens im Auto und guckt raus. Doch sei es drum: Prohibition braucht kein perfektes Produkt. Schon auf der Birmingham Motorshow im Oktober 2002 wurde bekannt gegeben, dass mehr als 200 Enthusiasten das Scheckbuch gezückt hatten und man machte klar, dass man im Gegensatz zur italienischen Konkurrenz konsequent zu bleiben gedenkt. 99 Fahrzeuge sind 99 Fahrzeuge, und damit Basta! Bleibt nur zu hoffen, dass die DB 7 Zagato nicht nur versteckt unter Paletots ruhen, sondern dass ihnen auch der nötige Ausgang gewährt wird.
Um die neue erwachte Vitalität der Marke aus Newport-Pagnell noch einmal zu demonstrieren wurde dann auf der Los Angeles-Show im Januar 2003 der Aston Martin DB American Roadster 1 präsentiert. Wie das ebenfalls in Italien entworfene Coupé basiert dieses Leichtgewicht auf dem DB7. Ausdrücklich will Aston-Martin den Zweisitzer nicht als offene Version des Zagato betrachtet wissen, im Gegenteil veweigert man diesem Fahrzeug sogar den Familiennamen. Unverständlicherweise, denn das Design des Roadsters übernimmt nahezu die komplette Formensprache seines geschlossenen Bruders. So muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er im AR1 das vierte Mitglied der Aston-Martin-Zagato-Reihe sieht. Prägendes Persönlichkeitsmerkmal des nur offen zu fahrenden AR1-Roadster sind die aerodynamisch geformten Hutzen hinter den Köpfen der Piloten, und 435 PS aus dem 6l-V12 lassen keinen Leistungsmangel befürchten. Falls sich 99 Interessenten finden wird ebenfalls eine Kleinserie, aber diesmal nur für den US-Markt, aufgelegt.
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(Text: Rainer Roßbach ) |
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