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Hafei HF Fantasy: Die chinesische Karte
04.06.2003
Zur Eröffnung eines neuen Entwicklungszentrums zeigte Pininfarina die Studie HF Fantasy, präsentiert im Juni 2002 anläßlich der Peking Motorshow, erstmalig in Europa. Das Grundkonzept entspricht dem klassischen "3-Box-Design" und stellt eine sportliche Limousine für das obere Marktsegment dar. Der HF Fantasy soll die Vitalität und die Fähigkeit zur Innovation ausdrücken, die der chinesische Auftraggeber Hafei Industrial Corporation bei sich selbst ausgemacht hat. Gleichzeitig möchte sich Pininfarina mit dem Konzept als industrieller Partner empfehlen, der über das Design hinaus auch im Entwicklungs- und Produktionsprozess seine Fähigkeiten einbringen kann. Man hat für den gleichen Auftraggeber schon den Lobo, einen Kompaktwagen, entworfen. Dieser geht mit einer von den Italienern konzipierten Bodengruppe im November 2002 in Produktion. Erwartet wird eine Jahresfertigung von 100.000 Exemplaren. Im Mai 1996 war Pininfarina das erste italienische Unternehmen, das im Bereich Design/Entwicklung einen Vertrag mit einem chinesischen Partner abgeschlossen hat. Erstes Ergebnis dieses Abkommens war der Hafei Zhongyi Minivan, in dessen Realisierung die Italiener ihr komplettes Know-How einbrachten. Vorgestellt im Jahr 1999, wird dieses Fahrzeug mittlerweile 100.000 mal im Jahr gebaut. Aufgrund dieses grossen Erfolges wurde der Vertrag abgeschlossen, in dem man die Entwicklung des Lobo vereinbarte. Hafei begreift die technische und gestalterische Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Partner wie Pininfarina als Möglichkeit, Fahrzeuge unter eigenen Namen fertigen und vertreiben zu können, ohne Kooperationen mit etablierten Herstellern eingehen zu müssen. Die Italiener nutzen ihrerseits die Chance, ohne Rücksicht auf gewachsene Traditionen eine komplett neue Marke entwickeln zu können. Darüber hinaus bietet ein Markt wie die Volksrepublik China ein enormes Potential für wirtschaftliches Wachstum. Auf diesem Hintergrund war es für Pininfarina von enormer strategischer Bedeutung, dass man 2001 mit Hafei einen weiteren Vertrag über die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs schloss, zu dessen Paket auch die Möglichkeit gehörte, es ausserhalb von China zu vermarkten. Ausdrücklich einigte man sich darauf, die technischen Standards zugrunde zu legen, die bei einer Zulassung in Europa gefordert werden.
Das Design des HF Fantasy Die Grundidee ist die einer klassischen, viersitzigen Limousine. Modern, dynamisch und sportlich im Erscheinungsbild, sollen die Proportionen einem Coupe entsprechen, während der Innenraum den Platz und den Komfort einer Limousine der Oberklasse bieten soll. Die Linien fallen schlank und dynamisch aus: Einfachheit, Eleganz und eine perfekte Harmonie zwischen Formen und Volumen waren das Ziel des Designs. Ein gewolltes Mass an agressivem Auftreten und einige Zugeständnisse an den futuristischen Charakter, den Studien typischerweise aufweisen, war gewollt. In diesem Zusammenhang sollen einige Details hervorgehoben werden: Die Fronthaube wird durch zwei ausgeprägte Linien geformt, die den Kühlergrill einschliessen und diesem die Form vorgeben, während sie am oberen Ende mit der Form zweier Leuchten korrespondieren, die an der Basis der Windschutzscheibe angebracht sind. Das grosse transparente Dach, die dreieckige Front und die aussergewöhnliche Positionierung der Rückleuchten an der Basis der C-Säule charakterisieren die Form des Fantasy. Die Seitenlinie ist linear und weich, wird aber durch deutliche Sicken strukturiert, die dem Fahrzeug Dynamik verleihen sollen. Die ausgeprägten Radläufe sollen ein Gefühl von Solidität und Robustheit signalisieren. Die zwei Flügeltüren erleichtern den Zugang zu den hinteren Sitzen; Neonlichter im Grill dienen als Standlicht und sollen gleichzeitig die Charakteristik des Markenbildes "beleuchten". Sportlichkeit und Innovation sind so, laut Pininfarina, gut in das Design integriert. Die Emotionalität eines Grantourismo soll sich mit dem repräsentativen Bild einer Limousine der Oberklasse verbinden. Abgerundete Formen und ausgeprägte Kanten sollen insgesamt ein Bild von Stärke und Charakter formen. Die Leitlinie für die Gestaltung definiert das italienische Studio als "zurückhaltende Sportlichkeit", ohne die vier Mitreisenden in ihrem Raumbedürfnis einzuschränken. Die Instrumententafel wird von einem dünnen, transparenten und verschoben angebrachten Kunststoffelement dominiert, das wie ein Augenlid über den Anzeigen liegt. Diese reagieren elektronisch auf die Vorgaben eines by-wire-Systems. Pininfarina variiert mit dieser Studie aktuelle Designtrends, wie man sie bei Renault Talisman, Citroen C3 oder etwa Audi findet. Insgesamt von solidem Auftritt, zeigt der HF Fantasy aber auch, dass Hafei auf dem Weg zu einer völlig neuen Markenpersönlichkeit noch eine weite Strecke zurückzulegen hat.
(Text: Rainer Roßbach ) |
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