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Aktualisiert am 01.08.2010
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Bertone Novanta: Total Digital

08.04.2003

Bertone Novanta
Das schmale Heckfenster und die grossen Flächen im Heck geben dem Novanta die wuchtige Statur

Mit dem Novanta zelebriert Bertone das neunzigjährige Bestehen und wirft einen Blick in die nähere Zukunft des Automobils.

Der Novanta, der als Reminiszenz an die lange und erfolgreiche Zusammenarbeit mit General Motors das Saab-Wappen trägt, versteht sich als Oberklassenlimousine. Wieder wird, wie im Bertone Filo und dem Chevrolet Autonomy, das Drive-by-wire-Konzept variiert. Hydraulikelemente, bei SKF entwickelt, werden überall im Fahrzeug verwendet und beeinflußen maßgeblich die Konzeption der Architektur. Die SKF-Komponenten ersetzten einen Großteil der klassischen Mechanik und erlauben dadurch den Designern eine völlig neue Sichtweise auf die Fahrer-Maschine-Schnittstelle. Informationen können anders aufbereitet werden und in einer neuen Qualität übermittelt werden.

Die Verwendung solcher futuristischer Ideen beschränkt sich allerdings nicht nur auf die reinen Drive-by-Wire-Komponenten, sondern das gesamte Fahrzeug wird zu einem Informations-Knotenpunkt, der mit der Welt außerhalb kommunizieren kann und sehr unterschiedliche Angebote für Fahrer und Passagiere bereithält.

Die Karosserieform komponiert kontrapunktisch konkave und konvexe Flächen, die durch Linien in Spannung gehalten werden. Das Profil zeigt sich glatt und wird strukturiert durch eine Schulterlinie, die steil ansteigt und auf der Höhe der C-Säule mit einem Knick ihre Richtung in eine Horizontale ändert. Schulter und C-Säule bilden nun einen fast rechten Winkel, der mit dem schmalen Heckfenster abgeschlossen und formal begrenzt wird. Die eingeleitete Bewegung setzt sich in der Kofferraumlinie fort. Rechtwinklig knickt die hintere Kante ab. Dreistreifige Heckleuchten, die nur bei Aktivierung sichtbar werden, setzten die Linie subtil fort. Den unteren Abschluß bilden zwei Auspufföffnungen auf beiden Seiten der Stoßstange, die mit der Lampenform korrespondieren. Das schmale, trapezförmige Heckfenster wird in den Kofferraumdeckel weitergeführt und akzentuiert so nochmals das Volumen des Hecks: Die Architektur des Fahrzeugs betont vor allem diesen Bereich.

Die beiden Wagenseiten sind asymmetrisch gestaltet: Links befindet sich die Fahrertür, auf der Rechten sind zwei Türen für die Passagiere. Um dem Piloten einen besonders bequemen Zugang zu ermöglichen, ist die Tür hinten angeschlagen und kann bis 90 Grad geöffnet werden. Die Front wird strukturiert durch einen Kühlergrill in typischer Saab-Form sowie zwei weiteren Lüftungsöffnungen links und rechts, die ihrerseits durch ein horizontal in der Mitte angebrachtes schmales Leuchtband geteilt werden. Dieses enthält sowohl Fahr- wie auch das Blinklicht.
Bertone Novanta
Insgesamt drei Kühlluftöffnungen sowie die schmalen Leuchteinheiten sogen in der Frontpartie für eine Spannung zwischen filigran und massig
Innen findet man den Platz, den Komfort und die Ausstattung einer Luxuslimousine. Sobald die Fahrertüre geschlossen ist, schwenkt sich die komplette Bedienungseinheit, die "Guida" servounterstützt aus der Tür und legt sich vor den Fahrer. In der Tür des vorderen Beifahrers befindet sich ebenfalls ein schwenkbarer Arm, dessen Computer den Zugang zum Internet erlaubt, die Anbindung ans Büro oder nach Hause. Außerdem können Unterhaltungsprogramme ablaufen. Dadurch, dass die Funktionselemente wegschwenken können, entsteht ein völlig neuer Typ von Fahrzeuginnenraum: Er präsentiert sich großzügig und offen, weil er seine technische Bestimmung optisch ausblenden kann. Den Innenraum dominiert eine zentrale Leuchtleiste, die Informationen aus dem Navigationssystem, der Audioanlage und der Klimakontrolle für alle Mitfahrenden darstellt.

Der Novanta stellt die Frage nach einer neuen Deutung der Mensch/Maschine-Schnittstelle: Geforscht wird nach einer Technik, die eine spontane und unmittelbare Reaktion aller Systeme auf die Anforderungen des Fahrers oder seiner Begleiter möglich macht.

Bei diesem Konzept wird nicht darüber reflektiert, ob Fahrinformationen wichtiger sind als die Büroarbeit des Beifahrers. Wichtig ist vor allem die spontane Übersetzung aller Bedürnisse und die Auswirkungen dieser Hypothese auf die Fahrzeug- Architektur.

Herzstück des Kommunikationssystems ist ein Nokia Communicator, der in die Mitte der "Guida" eingesetzt wird und der als intelligente Datenbank dient. Die persönlichen Fahrzeugeinstellungen inklusive der Ergonomie (Sitzeinstellung, Pedaleinstellung etc.), der Klimatisierung und der Audioeinstellungen können für viele Personen gespeichert werden: So kann das Telefon als intelligenter Schlüssel benutzt werden. Selbstverständlich erfolgt auch der Internetzugang über diesen Weg. Um das Fahrzeug zu starten, werden mittels eines kleinen Scanners auf der Armatureneinheit biometrische Daten (z.B. Fingerabdruck) überprüft, von deren Verifizierung die Benutzung des Fahrzeugs abhängt.

Die verwendete Drive-by-Wire-Technologie von SKF bildet den derzeitigen Stand der Technik ab und soll in Zukunft die heute im Fahrzeug verwendeten mechanischen und hydraulischen Systeme durch intelligente elektromechanische Komponenten ersetzen.
Bertone Novanta
Die "Guida" genannte Steuereinheit lässt sich komplett in die Tür klappen
Die Steuereinheit, die "Guida" stellt alle Funktionen für den Fahrbetrieb bereit und übermittelt alle notwendigen Serviceinformationen. Mit den beiden lenkradähnlichen Griffen wird beschleunigt, gebremst, gelenkt und ebenfalls die Übersetzung gewechselt. Dieses Steer-by-Wire-System sorgt mittels Sensoren für einen perm anenten Informationsfluss zwischen Lenkrad und Fahrbahn. Der Fahrer erhält dadurch die gewünschten sensorischen Rückmeldungen über Straßenzustand und Fahrphysik.

Die Bremsanlage wurde von SKF und Brembo gemeinsam entwickelt. Der Druck auf die Bremse wird als digitaler Impuls an die elektromechanisch gesteuerten Bremszangen weitergegeben. Von dieser Technologie versprechen sich die Entwickler eine deutlich schnellere Bremsreaktion, da der Bremsdruck sofort umgesetzt werden kann.

Die Gänge werden automatisch gewechselt: Die Wahl der Übersetzung erfolgt mittels eines Prozessors, der den mechanisch per Knopfdruck eingegebenen Befehl elektronisch an das Getriebe weitergibt.

Die Versorgung der zahlreichen Verbraucher übernehmen ein 14-Volt- sowie ein 42 Volt-Netz. Das 42 Volt-System versorgt die Drive-by-Wire-Installationen, das herkömmliche 14 Volt-Netz versorgt den Starter, Beleuchtungssystemsysteme, das Audiosystem, die Kommunikation-Systeme usw.

Das Netzwerk des Novanta deckt die Kommunikationsbasis für das komplette Drive-by-Wire-System ab. Es ist fehlertolerant, überwacht permanent die Zustände aller angeschlossenen Komponenten und führt Störungstests durch, um Probleme rechtzeitig zu erkennen. Die Übertragung der Informationen an die Anzeigen erfolgt im Millisekundenbereich.

Der Antrieb erfolgt konventionell mit einem 3.0l- V6-Verbrennungsmotor mit 24 Ventilen, der 200PS bei 5000 U/min realisiert. Auf den 20"-Felgen sind Reifen der Dimension 245 - 40/20 montiert. Die Fahrzeuglänge beträgt 4450 mm, die Höhe 1450 mm und die Breite 1800 mm.

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(Text: Rainer Roþbach )
(Fotos: Bertone)

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