|
|
|
|
Cadillac Sixteen: American Art Deco
19.02.2003
Wie aus einem Plakat Cassandres, dem genialen französischen Plakatgestalter des Art Deco, präsentiert sich der wohl spektakulärste Cadillac-Entwurf der letzten Jahre. Inspiriert von den handgefertigten, exklusiven Fleetwood-Karossen der Dreissiger, die für die Reichen und Mächtigen dieser Zeit gebaut wurden, sucht der Sixteen die Synthese zwischen dem distinguierten Geschmack aus dem Anfang des vergangenen Jahrhunderts und der ambitionierten Technologie heutiger Superlimousinen. Auf der Grundlage des neuen Cooperate-Designs der Marke, das auf die Studie Evoq von 1999 zurückgeht, entstand ein wohl proportioniertes und elegantes Fahrzeug, welches durch Sensibilität im Detail und mit puristischer Eleganz überzeugt. Ausstattung und Karosserie beschwören eine Ära herauf, in der Luxusautos von Hand gebaut wurden und in der man auf das Talent und Materialbewußtsein von Spitzen-Handwerkern für Sitzpolster, Instrumente, für die Holz- und Metallelemente des Interieurs und für die Karosseriebleche aus Aluminium setzte.
Die Luxuslimousine versteht sich als Vorbote einer neuen Ära, die Cadillac-Fahrzeuge hervorbringen soll, die ebenso solide, dynamisch und attraktiv gestaltet sein werden, wie die herausragenden Klassiker der amerikanischen Marke. Der Name "Sixteen" verweist auf den neu entwickelten V16-Zylinder-Motor des Fahrzeugs mit 1.000 PS - und auf Cadillacs Tradition als Hersteller gehobener Luxusautomobile, deren guter Ruf nicht zuletzt auf dem ersten in einer Limousine eingebauten 16-Zylinder aus den 30er Jahren gründete. Die Proportionen des Cadillac Sixteen wirken coupéhaft, der Dachaufbau wirkt, gemessen am Gesamtvolumen, zierlich; breite C-Säulen sorgen für Intimität auf der Rücksitzbank. Der viertürige Fahrgastraum hat ein vollständig verglastes Dach und verzichtet ganz auf die B-Säule. Die elegante Linienführung der mitternachtssilbernen Aluminium-Karosseriebleche, die wie vom Bugatti Royale Coupé Napoleon beeinflußt erscheinen, kontrastieren mit dem polierten Aluminium der großen 24-Zoll-Räder und dem auf grundlegende geometrische Formen reduzierten Luftauslass hinter den Vorderrädern. Die ausgeprägten Radbögen und die lange Motorhaube aus Aluminium beschwören den Geist der Dreissiger Jahre.
Das Design des Motorbereichs ist ungewöhlich. Zwei Flügelbleche, die über Scharniere mit der zentralen "Wirbelsäule" der lang gestreckten Motorhaube verbunden sind, lassen das Öffnen des Antriebsbereichs zu einem Ereignis werden. Die Haubenbleche heben sich motorbetrieben und geben den Blick auf die Zylinderköpfe und die polierten Auspuffrohre frei. Keine Kunststoffblenden verhindern den Blick auf den 13,6 Liter grossen 32-Ventil-16-Zylinder-Motor, der sein Drehmoment von 1.356 Nm über ein elektronisch geregeltes Vierganggetriebe an die Hinterräder abgibt. Der Motor ist mit der Treibstoff sparenden "Displacement on Demand"-Technologie ausgestattet, die ab 2004 bei GM-Fahrzeugen zum Einsatz gelangt; sie regelt die Hälfte der Zylinder unter den meisten Fahrbedingungen herunter und reaktiviert sie in Situationen, die das volle Leistungspotential erfordern automatisch. Das Interieur zeigt Ählichkeit zum Innenraumdesign des Bugatti EB 16.4 "Veyron", der seinerseits Nähe zum Art Deco-Stil sucht. Die handvernähten Sitze aus toskanischem Leder sorgen für Bequemlichkeit, der rechte Fondsitz hat eine elektrisch gesteuerte Neigungseinstellung und lässt sich absenken wie eine Chaiselongue. Handgewebte Seide bedeckt den Boden in einem auf die Lederpolster abgestimmten hellen Cremeton. Armaturenbrett, Türpanele sowie die vorderen und hinteren Konsolen sind mit Walnuss-Wurzelholzfurnier ausgelegt.
Poliertes Aluminium für Blenden und Bedienelemente tragen ihrerseits zur hohen Wertigkeit des Innenraums bei. Allein das Lenkrad hätte grösserer Aufmerksamkeit bedurft. Mit seinen grossen Prallflächen und der wenig differenzierten Optik erinnert es zu sehr an seine Pendants aus der Großserie. Ein elektronisches DVD-Informationssystem im Fond und das Sound-System von Bose sorgen für die Unterhaltung, das GM-Kommunikationssystems OnStar für Bordsicherheit und Fahrzeugsicherung. Bei den Front- und Heckscheinwerfern kommt LED-Technologie zum Einsatz. Mit dem Sixteen ist Cadillac ein grosser Wurf gelungen. Die gekonnte Mixtur aus zeitgemäßem Cooperate-Design und historischem Wissen erzeugt ein Ergebnis von hohem Reiz. Entstanden ist ein echter Solitär, konsequent und ganz unamerikanisch schnörkellos.
(Text: Rainer Roßbach)
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||