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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Porsche Carrera GT: Neue Linie

Carrera GT
Die Front ist ungewöhnlich elegant und harmonisch geraten

Was ist ein Porsche? In den Sechziger Jahren war diese Frage leicht zu beantworten: Klein, leicht und technologisch anspruchsvoll, spielte man im Rennsport die Rolle des Underdogs, der manches Mal der in Hubraum und Leistung überlegenen Konkurrenz ein Schnippchen schlug. Dieses Image und der dahinter stehende technische Ansatz prägten auch die Strassenfahrzeuge, die sich auf diesem Ticket prächtig vermarkten liessen.

Seit dem Erscheinen des 928 im Jahr 1977 hat man sich daran gewöhnt, dass Porsche auch ein bißchen mehr sein darf – und seit Vorstellung des Cayenne im Jahr 2002 sind die Maßstäbe endgültig verschoben. Ertragspolitisch bezweifeln wohl die wenigsten Betrachter die Richtigkeit der aktuellen Produktstrategie, aber das Risiko ist hoch, dass die Originalität, Konzentration auf das Wesentliche und die sportliche Sachlichkeit, die Porsche früher auszeichnete, dabei auf der Strecke bleibt.

Das aktuelle Spitzenmodell, der Carrera GT, lässt die alten Prinzipien, wenn auch unter anderen technischen und konstruktiven Vorgaben, wieder lebendig werden. 5,7 Liter Hubraum und V10-Zylinderanordnung entsprechen zwar nicht gerade dem traditionellen Bild der Zuffenhausener Renner, aber der konsequente Leichtbau und die Konzentration auf die wesentlichen Zutaten eines Sportwagens sprechen eine deutliche Sprache. So kommt der Roadster bei einer Länge von 4,61 Metern, einer Breite von 1,92 Metern, einer Höhe von 1,16 Metern und einem Radstand von 2,73 Metern auf ein Leergewicht von 1.380 Kilogramm.

Carrera GT
Auch im Innenraum herrscht ein puristischer Geist.

Die Optik und Philosophie des Carrera GT sollen zeigen, dass die Abstammung des Sportlers im Motorsport liegt. Die Front zeigt ein klares und subtiles Design, wie man es bei den Stuttgartern seit den Siebziger Jahren nicht mehr gesehen hat. Die traditionell stark ausgeprägten vorderen Kotflügel nehmen Scheinwerfer auf, die in ihrer schlichten Eleganz eine reine Sprache sprechen. Ebenso wird bei den Lufteinlässen auf jeden überzogen dramatischen Effekt à la Turbo verzichtet und der elegante seitliche Lufteinlass bezieht seine starke optische Wirkung aus der Einfachheit seiner Form. Das Heck wirkt beim ersten Hinschauen reichlich zerklüftet, ebenso auf den zweiten Blick. Lochbleche, Karosserieöffnungen zwischen Spoiler und Karosserie, die Hutzen hinter den Sitzen: In diesen formalen Extrempositionen schimmert dann aber irgendwie Tradition durch. Man erinnert sich an den Porsche 718 RS von 1961 und sieht dann das Heck, die Hutzen und die Front in einem neuen Licht. Hier klingt, ob bewusst oder unbewusst, die Formensprache der frühen Sechziger Jahre nach.

Der Zehnzylinder-Motor mit Trockensumpfschmierung dagegen ist 21. Jahrhundert. Er basiert auf einem 5,5 Liter V10-Saugmotor, der ursprünglich für den Le Mans-Einsatz gedacht war. Für die Verwendung im Strassenfahrzeug wurde der Hubraum auf 5,7 Liter erhöht. Die maximale Leistung beträgt 450 kW (612 PS) bei 8000 Umdrehungen pro Minute, das maximale Drehmoment 590 Nm.

Carrera GT
Das Heck zeigt die gleiche spröde Eleganz, die viele Rennsportporsche der Fünfziger und frühen Sechziger auszeichnet.

Die Fahrleistungen sind aussergewöhnlich. Von Null auf 100 km/h beschleunigt der Carrera GT in 3,9 Sekunden und von Null auf 200 km/h in 9,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 330 Kilometern pro Stunde erreicht. Die Übersetzung der Antriebskraft übernimmt ein eigens entwickeltes und manuell schaltbares Sechs-Gang-Getriebe.

Erstmals bei Straßen- und Rennfahrzeugen bestehen sowohl das Monocoque als auch der gesamte Aggregateträger aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Nur der Werkstoff Karbon bietet laut Porsche durch aufwendige Verarbeitung die Voraussetzungen, um höchste Fahrleistung und Fahrdynamik mit minimalem Gewicht bei maximaler Steifigkeit zu verbinden.

Der neue Porsche-Roadster verfügt über ein Dachsystem, das aus zwei einzelnen, nur 2,4 Kilogramm schweren Kohlefaser-Leichtbauschalen besteht, die im vorderen Kofferraum untergebracht werden können.

Bei realisierbaren Geschwindigkeiten von über 300 km/h spielt die Aerodynamik eine entscheidende Rolle. Um möglichst hohe Abtriebs-Beiwerte zu realisieren, hat der Carrera GT eine Unterbodengeometrie, wie man sie nur von Rennsportwagen kennt. Der vollständig verkleidete Unterboden aus Kohlefaser sorgt mit ausgefeilter Aerodynamik für zusätzlichen Abtrieb.

Die Verzögerung übernimmt eine Keramik-Bremsanlage PCCB. Für die Kraftübertragung sorgt die Keramik-Kupplung PCCC, eine Weltneuheit, die durch hohe Leistungsfähigkeit, geringe Ausmaße und enorme Haltbarkeit besticht. Die Magnesium-Räder des Carrera GT werden in einem speziellen Schmiedeverfahren hergestellt und die Reifen sind speziell für den Carrera GT entwickelt worden – vorn in den Maßen 265/35 ZR 19 und hinten 335/30 ZR 20.

Carrera GT
Unübersehbare Verwandschaft: 718 RSK von 1959 beim 1000 km-Rennen auf dem Nürburgring, pilotiert von Graf Berghe von Trips

Mit dem Carrera GT ist den Zuffenhausenern ein interessanter Stilmix aus moderner Form und historischen Zitaten gelungen. Diese Mischung zwischen Eleganz und experimenteller technologischer Ästhetik möchte man auch einigen Serienmodellen wünschen, denen man doch sehr stark die Gleichteilestrategie und den Zwang zur kostengünstigen Produktion ansieht.

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(Text: Rainer Roßbach )
(Fotos: Porsche, Archiv Trips)

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