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Vor 65 Jahren: Der größte Sieg des Ewald Kluge
23.12.2003
Jedes Jahr in der ersten Juni-Woche verwandelt sich eine kleine Insel in der irischen See zum Mekka der Motorradfahrer: Wer dort gewinnt, bleibt unsterblich. Die Rede ist - natürlich - von der Isle of Man, dem härtesten Motorradrennen der Welt, 1907 das erste Mal gestartet. 30 Jahre gewannen dort nur Engländer auf einheimischen Maschinen – des untrainierbaren Kurses und der unberechenbaren Wetterkapriolen wegen. Dort zu gewinnen, galt für alle Piloten wie Fabrikate als das höchste aller Ziele. Vor 65 Jahren gelang dies dem ersten Deutschen: Ewald Kluge. 29 Jahre war der Dresdener DKW Fahrer damals alt und wurde mit diesem Sieg am ersten Mittwoch des Juni 1938 zur Legende. Zwar hatte im Vorjahr mit Omobono Tenni der erste "Nicht-Engländer" auf einer "nicht-englischen Maschine" in der 250 ccm-Klasse gewonnen, die 424 Kilometer lange Strecke nach 3.32.06 Stunden dabei aber "nur" mit einem Vorsprung von 37 Sekunden vor S. Wood auf Excelsior absolviert. Kluges Sieg ein Jahr später kam für die stolzen Engländer indes dem Ende eines Mythos gleich. Auf seiner 250 ccm-Maschine fuhr der DKW-Werksfahrer mit 3.21.56 Stunden nicht nur neuen Strecken- und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 125,56 km/H auch Rundenrekord, nein, er demütigte die Konkurrenz nahezu. Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Ginger Wood betrug über elf Minuten! Für die Engländer "shocking, isn´t it?"
Der Isle of Man-Sieg 1938 war das Pünktchen auf dem I im Erfolgsjahr der ruhmreichen Karriere des Ewald Kluge. Von den 14 Rennen 1938 gewann der DKW Pilot zwölf und wurde zweimal Zweiter. Die einmalige Ausbeute: Europameister, Deutscher Meister, Deutscher Bergmeister und der höchst seltene Ehrentitel "Meister aller Meister", welcher nur dem zustand, der mit der höchst möglichen Punktzahl die Saison beendete. Ewald Kluge war Ende der 1930er Jahre die Lichtgestalt der deutschen Motorradszene. Zweimal wurde er Europameister (1938/1939), viermal Deutscher Meister, Silvervasen-Gewinner mit der deutschen Mannschaft. Die Auto Union, für die Kluge sein Sportlerleben lange fuhr, entsandte ihn 1938 gar nach Australien, wo er helfen sollte, diesen Markt für das einstmals sächsische Unternehmen zu erobern. Viermal trat Kluge nach über 40-tägiger Schiffsfahrt an, viermal gewann er – einmal mit seiner 250er Maschine sogar in einem Rennen der 350er-Klasse. Kluge, der sein Sportlerleben lang von schweren Stürzen verschont geblieben war, was in seiner, von vielen Konkurrenten neidlos bewunderten, exakten Fahrweise begründet lag, musste seine Karriere dann doch ob eines fürchterlichen Unfalls beenden. 1953, beim Eifelrennen auf dem Nürburgring, an zweiter Stelle liegend, stürzte der bereits 44-Jährige bei hoher Geschwindigkeit und zerschmetterte sich hierbei den Oberschenkel. Das Bein konnte gerettet werden. Kluge lag aber fast ein Jahr in der Klinik und kehrte nie mehr auf die Rennstrecken zurück. Sein größter Wunsch, noch einmal auf der Isle of Man fahren zu können, sollte sich nicht erfüllen. Am 19. August 1964 verstarb Ewald Kluge in seiner zweiten Heimat Ingolstadt - an Krebs, gerade 55 Jahre alt. Trotz all der großen Erfolge galt Ewald Kluge als bescheidener und stets freundlicher Mensch, dem der Nachwuchs am Herzen lag und der um seine Siege kein großes Aufhebens machte.
(Text: Pressetext Hersteller ) |
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