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Lancia Fulvia Coupé: Wiedergeburt eines Klassikers
30.08.2003
Seit im Frühjahr 1965 Lancia auf dem Genfer Automobilsalon das Fulvia Coupé 1.2 präsentierte, steht das Design dieses kleinen 2+2-Sitzers für Eleganz, Sportlichkeit und eine transparente Fahrzeugarchitektur. Ein Stil, der für lange Zeit lebendig geblieben ist. Ein kleiner V4-Motor sorgte für den Vortrieb, ein für damalige Zeiten modernes Fahrwerk für gutes Handling und eine servounterstützte hydraulische Zweikreisbremsanlage mit vier Scheibenbremsen sorgte für die Verzögerung. Diese technische Basis war so gut, das die Fulvia auch im Renneinsatz Siegerqualitäten entwickelte. Sieben Jahre nach ihrer Präsentation gewann das Lancia Coupé mit dem legendären Kürzel "HF" die Rallye Monte Carlo. Erst 1976 lief nach 140.000 gebauten Exemplaren die Produktion der Fulvia 1976 aus. Die kleine Fulvia war erfolgreich und hat mittlerweile einen festen Platz bei den Freunden klassischer Automobile: Sie ist ein Charakter. So lag es nahe, dass die Designer im Centro Stile Lancia mit diesem Pfund wuchern wollten. In der Lancia-Historie gibt es nur wenige Fahrzeuge, deren Erinnerung so lebendig geblieben ist. Der Projektansatz zur Weiterentwicklung dieses erfolgreichen kleinen Sportwagens war von Anfang an jedoch klar umrissen: kein Retrodesign, sondern ein Versuch, das Urkonzept mit zeitgenössischen Mitteln neu zu interpretieren. So wurden die Dimensionen und die Stufenhecksilhouette als Thema übernommen, die Spurweite allerdings vergrößert, um dem technischem Fortschritt Respekt zu zollen, da z.B. moderne Achskonstruktionen mehr Platz erfordern als die eher spartanische Technik der frühen Sechziger Jahre. Optisch eiferten die Designer dem Look der Riva-Boote aus den Sechzigern nach, wie sie mit einer gewissen Koketterie zugeben. Das optische Fahrzeuggewicht lagert als Schwerpunkt auf der Frontpartie und soll die spezifische dynamische Wirkung des Frontantriebs unterstreichen: der Wagen wird "gezogen" statt "geschoben". Diese Designdramaturgie wird durch einen tropfenförmige Grundriß, die breite Frontpartie und die nach hinten hin schmaler werdende Heckpartie unterstrichen. Die Gestaltung von optischen Teilvolumen wie das der langen Motorhaube, die Scheinwerfer mit den flügelförmigen "Augenlidern", der optisch leichte und sportliche Dachaufbau sowie der große Lancia Kühlergrill runden die Erscheinung ab. Ebenso dynamisch zeigt sich die Silhouette: konkave und konvexen Flächen stehen im Dialog mit der ausgeprägten Schulterpartie. Im senkrechten Kofferraumabschluss und in der Schürze findet sich das Fastback des Vorgängers wieder. Senkrecht angeordnete Rückleuchten mit einem linsenförmigen Hauptelement bilden einen kühlen Abschluss.
Im Innenraum dominieren die Siebziger Jahre. Dafür sorgen unter anderem gedrehte Interieurteile, die an die aus Metall gefertigten Bedienungselemente damaliger HiFi-Gräte erinnern. Das Edelholz-Dessin "Tanganjika Frisé" weist eine seidige und metallisch schimmernden Optik auf: es kommt im zentralen Bereich der Armaturenblende und auf dem Mitteltunnel zum Einsatz. So lehnt sich das zweisitzige Interieur, das einen zusätzlichen Kofferraum unter der Heckscheibe aufweist, an das Design des Original an. Der gesamte Ansatz ist allerdings mehr zeitgenössisch, aber ebenso minimalistisch. Die Armaturenblende selbst besteht aus zwei von Hand bezogenen Lederelementen, zwischen denen das Holzdekor eingearbeitet ist. Leder findet sich ebenso in den Türverkleidungen; Fahrer und Beifahrer sind von einem durchgängigen Halbkreis umgeben, der im gleichen Material gefasst ist. Optisches Highlight des Interieurs sind klassische Analoginstrumente, die in ihrer Form denen hochwertiger Rennboote ähneln. Als Kontrapunkt dazu dient die elektronische Schnittstelle zur Bedienung der Infotainmenteinheit und der Klimaanlage, die wieder einen aktuellen Aspekt ins Cockpit bringen. Das Lederlenkrad ist mit drei Metallspeichen und einem zylindrischen Airbag-Modul ausgeführt, die Sportsitze lehnen sich wieder an den Stil der Ur-Version an. Angetrieben wird die Lancia Studie von einem 1,8 Liter großen 16v-Vierzylinder mit integriertem Phasenschieber, der aus der Fiat Barchetta bekannt ist. Der drehfreudige Motor leistet hier allerdings 103 kW (140 PS). Dank einer guten Aerodynamik und der nur 1.000 Kilogramm leichten Aluminium-Karosserie (7 kg/PS) erreicht der Sportwagen eine Höchstgeschwindigkeit von 213 km/h; dem Sprint auf 100 km/h in 8,6 Sekunden steht ein Durchschnittsverbrauch von lediglich 7,3 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometern gegenüber. Bleibt zu hoffen, dass sich die Studie irgendwann auch in den Verkaufsräumen der Händler wiederfindet,
(Text: Rainer Roßbach )
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