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Alfa 8C Competizione: Nach vorn in die Vergangenheit
14.09.2003
Der Alfa 8C Competizione, den die Mailänder auf der IAA 2003 vorstellen, löst Verblüffung aus. Nicht weil ein Bezug zur grossen Alfa-Sporttradition gesucht wird, und auch nicht weil man eine Verbindung zu den legendären 6 C-Achtzylinder sucht, die von den Dreißiger bis zu den Fünfziger Jahren Sportgeschichte schrieben. Überraschend ist vor allem, dass auf eine Formensprache zugegriffen wird, die sich aus dem Repertoire der Sechziger Jahre speist. Die Front variiert das Gesicht der Giulia TZ1 von 1963, das ist Heck, trotz einfacher runder Heckstrahler, eine Adaption des Ferrari GTO. Solche Formen hat man bei einem modernen Fahrzeug schon lange nicht mehr gesehen. Anders ist die Silhouette: deren dynamische Seitenlinie wird dominiert von runden Radhäusern, die vorne 245er und hinten 275er Reifen aufnehmen. Der vordere Radbogen wird durch eine scharf geschnittene horizontale Sicke, die sich aus der vorderen Rundung löst, akzentuiert, die hintere durch einen kräftigen Hüftschwung. Das ist eine moderne Sprache, die dem Zeitgeist entspricht: Form und Position der Kabine lassen Elemente von Aston Martin-Kreationen jüngeren Datums aufblitzen. Der "8c Competizione" ist ein reiner Zweisitzer, dessen Karosserie aus Kohlefaser besteht. 1900 Millimeter breit, 4278 Millimeter lang und 1250 Millimeter hoch, mit einem Achsabstand von 2595 Millimeter, beindruckt er durch seine muskulöse Statur.
Der herausgestellte Bezug zum 1950er 6C Competizione, den Fangio und Zanardi bei der Mille Miglia bewegten, scheint eher zufällig, da das Design beider Fahrzeuge kaum Gemeinsamkeiten aufweist. Am meisten verbindet die beiden Sportwagen die Zylinderzahl. Während die 6C Modelle ein vom legendären Konstrukteur Vittorio Jano konstruiertes Aggregat verwendeten, benutzt der 8C aktuelle Maserati-Technik. Der 4,2-Liter-V8 in 90 Grad-Bauweise wird durch einen Kompressor zusätzlich beatmet - 400 PS bei 7000 U/min werden so realisiert. Das 6-Gang-Getriebe ist so abgestuft, dass die Höchstgeschwindigkeit über 300 km/h beträgt und eine Beschleunigung von 0 bis 100 Kilometer in 4,5 Sekunden erzielt wird. Puristen könnten dem Alfa-Sportwagen vorwerfen, dass er nicht sauber zitiert: der 6C Competizione hat nichts mit der Epoche zu tun, aus der wesentliche Formen entliehen sind und umgekehrt. Wichtiger ist jedoch, das mit dieser Studie Wege über das aktuelle Alfa Romeo-Design hinaus aufgezeigt werden soll. Ein schwierige Strecke scheint das zu werden, denn irgendwie fehlt bei diesem konservativ geratenen Konzept das Frische und Überraschende. Wie das geht, hat Alfa mit der 156er Baureihe vorgemacht. Der 8C Competizione hingegen dürfte das ideale Fahrzeug sein für Leute, die sich für die klassischen Sportwagen der Sechziger begeistern, aber die Risiken im Umgang mit der filigranen Technik scheuen. Ein schönes und faszinierendes Auto ist der Zweisitzer zweifellos, aber als Wegweiser in die Zukunft eine Fehlbesetzung - schon der Disco Volante von 1952 war aufregender. Vielleicht hätte eine Beschäftigung mit diesem Fahrzeug für eine bessere Inspiration gesorgt.
(Text: Rainer Roßbach )
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