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Citroën C-Airlounge: Stimmung und Luxus
19.09.2003
Wer anders als Franzosen könnte sich überzeugend um die Lebenskunst im Automobil kümmern? Bei der Konzeptstudie C-Airlounge von Citroën geht es allerdings nicht um Aperitif, les Huitres oder Cocq au Vin, sondern um Multimedia und Hightech, und wie man damit den Reisekomfort verbessern kann. Dafür benötigt man zuallererst Raum: Das Architekturkonzept der Studie verbindet eine optimierte Aerodynamik mit einem großzügig dimensionierten, variablen Interieur. Er ist ein volumenbetontes Auto, das mit besonderem Fahrvergnügen aufwarten soll. Tradition und Avantgarde Die Frontpartie ist französische Automobilgeschichte pur: DS, Panhard CD oder 24 könnten Pate gestanden haben. Aber dennoch ist sie wirklich modern: Der starke Kontrast zwischen schwarzer Lackierung sowie Chromapplikationen und Klarglasscheinwerfern betonen die expressive Grafik der Front. Im Zentrum steht der klassische Doppelwinkel, an dem sich die anderen Formen orientieren: die v-förmige Motorhaube, die ihre Basis an den A-Säulen hat, die vordere Luftöffnung, die sich seitlich betont nach unten richtet und die Sicke von der Kühleröffnung zum Markenemblem. Besondere Wirkung aber entfalten die beiden Chromleisten, die sich von den Winkelelementen lösen und sich auf die grossen, asymmetrisch geformten Klarglasscheinwerfer orientieren. Sie unterstreichen in besonderer Form die Dynamik des C-Airlounge. Die Scheinwerfer haben natürlich, in bester Citroën-Tradition, schwenkbare Reflektoren, die bei Nachtfahrten auf kurvenreichen Straßen für optimale Ausleuchtung sorgen. Die Profillinie ist klar und auf die notwendige Geometrie beschränkt. Eine Chromlinie zieht sich von der Fahrzeugbasis zu den Rückleuchten, die ebenfalls chromumrandeten Fensterflächen betonen das Volumen oberhalb der Gürtellinie. Auf die B-Säule wurde zugunsten des Wunsches nach formaler Reduktion verzichtet - was durch den Einbau von Vordersitzen mit integriertem Gurt möglich wurde. Ein Panorama-Glasdach sorgt zudem für viel Licht im Interieur. Die sich im Heck nach oben bewegende Schulterlinie und das abfallende Dach dynamisieren noch einmal die auf das Wesentliche konzentrierte Seitenansicht. Aerodynamischer Feinschliff
In guter französischer Tradition legten die Konstrukteure besonderes Augenmerk auf die Aerodynamik. Vier Luftleitsysteme helfen, den Cw-Wert auf 0,26 zu senken und damit den Akustikkomfort zu verbessern, und nicht zuletzt wurden der Kraftstoffverbrauch und die Schadstoffemissionen gesenkt. Diese aerodynamischen Konstruktionen sind so ausgelegt, dass der Wagen über eine gute Stabilität bei hoher Geschwindigkeit verfügt. Der Blade Vortex Generator besteht aus quer am hinteren Dachrand angebrachten Leitblechen, die lokal kleine Luftwirbel verursachen, und die die Luftströme in der Nachlaufströmung des Wagens beeinflussen. Vor jedem der vier Räder ist ein ausfahrbarer Radspoiler angeordnet, der den Luftstrom umleitet und seinen Einfluß auf die Laufstreifen der Reifen reduziert. Luftkanäle zwischen der Stirnfläche und den Radkästen leiten die Luft von der Stirnfläche des Wagens, wo der Druck am höchsten ist, in die vorderen Radkästen ab. Ein vertikaler Kanal in der Nähe der Außenseite hilft, das Strömungsverhalten im Umfeld der Vorderräder zu verbessern, ein Kanal unter dem Fahrzeugboden vor dem Rad dient dazu, den frontalen Einfluß des Fahrtwinds auf den Laufstreifen der Reifen zu verringern. Die Felgen sind so ausgelegt, dass sie die Luft in der Radmitte ansaugen, wodurch die Bildung von Luftwirbeln reduziert wird. Leistung und Komfort Der 3.0i V6 Motor des C-Airlounge entwickelt eine Leistung von 152 kW (210 PS) bei 6.000/min. Das eingebaute auto-adaptive Automatikgetriebe wird über einen sequenziellen Schalthebel oder Schaltwippen am Lenkrad bedient. Das Lenkrad hat eine feststehende Nabe, auf der die Bedienelemente für das Audiosystem, die Hupe, die elektrische Handbremse, die Telefon-Freisprecheinrichtung und die Niveauregulierung ergonomisch angeordnet sind. Diese Auslegung soll dem Fahrer alle überflüssigen Bewegungen ersparen und ihm damit außergewöhnlichen Bedienkomfort bieten. Gleichzeitig gewährleistet die feststehende Nabe eine verbesserte Sicherheit, da sie eine optimale Entfaltung des Airbag sicherstellt.
Für Federungskomfort und beste Straßenlage sorgt die Hydractive 3. Sie bietet die Wahl zwischen zwei Abstimmungen - Komfort oder Dynamik - und paßt die Bodenfreiheit des Wagens automatisch der Geschwindigkeit und dem Straßenprofil an. Durch die Absenkung des Schwerpunkts um 15 mm wird die Fahrstabilität bei hoher Geschwindigkeit deutlich verbessert. Bei schlechtem Straßenzustand hebt die Federung den Wagen automatisch um 20 mm an. Der C-Airlounge ist mit Michelin A Eole Reifen ausgerüstet, die speziell für dieses Fahrzeugkonzept entwickelt worden sind. Dabei wurde insbesondere der Luftwiderstand der Reifen optimiert. Zugleich haben diese Reifen die Vorzüge des PAX Systems: Die Weiterfahrt ist nach einer Reifenpanne möglich, mehr Laderaum entsteht durch Wegfall des Reserverads, ohne Beeinträchtigung des Komforts sind niedrigere Flanken möglich und der Abrollwiderstand sinkt. "Art de Recevoir" Das meint im Französischen die "Kunst des Empfangens". In diesem Sinne soll sich im Innenraum ein Gefühl der Heiterkeit und inneren Ruhe, vermittelt durch hochwertige Materialien und sinnliches Erleben, das keinen Wunsch der Insassen unerfüllt lässt, einstellen. Komfortable Einzelsitze für ein geselliges Beisammensein und eine sozial ausgerichtete Technologie stellen die Benutzer und ihr Wohlbefinden in den Mittelpunkt. Edle Formen, sinnliche Materialien So bietet der Innenraum des C-Airlounge optische und haptische Eindrücke durch die Verwendung von hochwertigen Werkstoffen, eine sinnliche Grafik des Mobiliars und Offenheit nach außen. Weiß, gleichgesetzt mit Reinheit, ist die dominierende Farbe. Eine lange rote Signatur auf den Armlehnen, die im Farbton des Lederbezugs des mittleren Sitzes aufgegriffen wird, deuten die Möglichkeit der dynamischen Neuinterpretation des Konzepts an. Die mit weißem Satinleder bezogenen Sitze schweben über einem dicken weißen Wollteppichboden. Die wulstförmigen, mit weißer Seide bespannten Armlehnen, die in die Seitentüren eingelassen sind, wollen ebenso zu diesem Gefühl der Leichtigkeit beitragen. Die Ausstattung des Innenraums sucht nach einer Atmosphäre von Heiterkeit und innerer Ruhe. Durch die grossen Glasflächen des Panoramadachs und der durchgehenden Seitenfenster entsteht ein direkter Kontakt zur Außenwelt. Die Oberflächen und die Farben des Armaturenbretts und des Lenkrads harmonieren mit der übrigen Innenausstattung.
Das Gepäckabteil ist mit weißem Satinleder ausgelegt und auf den Fahrgastraum abgestimmt. Eine von Hermes® kreierte Kofferkollektion aus der "Plume" Serie, deren kräftiges Rot perfekt mit den warmen Zinnobertönen des Interieurs harmoniert, rundet den Eindruck von elegantem Luxus ab. Stimmungsinszenierungen Wirklich neu und originell ist die Absicht, den Stimmungen der Reisenden eine passende visuelle Reflektionsfläche zu bieten. Unterwegs haben die Insassen des C-Airlounge die Wahl zwischen verschiedenen Bühnenbildern, die das Interieur vom Boden bis zum Dachhimmel verwandeln. Das Mobiliar wird zur Projektionsebene für Licht-Inszenierungen, die von optischen Fasern und Videoprojektoren im Teppichboden und in den Armlehnen erzeugt werden. Das reine, weiße Ambiente des Ausgangszustands belebt sich immer mehr, bis das gesamte Interieur schließlich von barocker Farbenpracht erfüllt ist. Zwischen diesen beiden Polen gibt es mehrere Abstufungen: - In reinem Weiß ist das Interieur des C-Airlounge sachlich und klar, belebt nur durch wenige rote Akzente auf den Armlehnen und der Rückenlehne des mittleren Fondsitzes. - Alternativ kann man ein sanftes Licht, das wie ein Kerzenschein die Atmosphäre erwärmt, wählen. - Die Türpaneele und der Boden können dramatisch in einem feurigen Rot erglühen. - In einem Übergangsstadium erfüllen farbige Arabesken den Raum und überziehen die Ausstattungen mit Lichtreflexen. - Im barocken Finale entsteht ein überreiches Ambiente, dessen Szenerie schließlich dem einströmenden klaren Licht weicht. Variable Räume
Das Interieur des C-Airlounge ist als ein Raum konzipiert, der sich je nach Wunsch für vier oder fünf Insassen konfigurieren lässt und jedem Passagier einen individuellen, komfortablen Platz bietet. Durch ein elektrisches Servosystem wird die gewünschte Konfiguration eingestellt: "Club" bezieht alle fünf Sitze ein. Im Fond sitzt man komfortabel, denn die Sitze der zweiten Reihe sind winkelförmig angeordnet und die beiden äußeren Sitze sind leicht zur Mitte hin gedreht. "Grand Confort" benutzt nur vier Sitze. Der mittlere Sitz wird in den Boden geklappt und schafft so mehr Raum für die beiden seitlichen Sitze. Diese sind auf bogenförmigen Schienen montiert und lassen sich für maximale Beinfreiheit elektrisch vorziehen oder zurückstellen. In jedem Fall hat der Citroën einen großzügig dimensionierten Kofferraum, dessen Kapazität von 450 auf bis 650 Liter vergrößert werden kann. Im Kontakt mit der Welt Als avantgardistisches Auto verkörpert der C-Airlounge ein technologisches Konzept, das mit aktueller Technologie dafür sorgt, dass seine Benutzer ständig den Kontakt zur virtuellen Welt halten können. Die im C-Airlounge eingebaute Technologie ermöglicht den Passagieren jederzeit Zugriff auf ihre persönlichen Datenbestände, für berufliche Zwecke ebenso wie zur Unterhaltung. Die Passagiere im Fond können sich einen Film ansehen, Musik hören, zusammen im Netz Computerspiele spielen, am Computer arbeiten oder auch im Internet surfen. Die Technologie ist zurückhaltend eingebaut, um das dem Konzept dieses Autos zugrunde gelegte Gefühl des Wohlbefindens nicht zu stören. Zwei Tablet PCs sind unter den seitlichen Sitzen verstaut. Das gesamte Unterhaltungsangebot kann durch Antippen des Touch Screen Bildschirms abgerufen werden. Für handschriftliche Notizen oder die Arbeit mit beliebigen Programmen wird ein Stift benutzt. Ein WLAN-Netz stellt die Verbindung zwischen der Multimediazentrale in der Mittelkonsole und den Tablet PCs her. Das Multimedia-Unterhaltungsangebot (Filme, Musik, Videospiele usw.) kann vom heimischen Computer oder von anderen Providern (Mediathek, online-Angebote, Touristenbüro usw.) herunter geladen werden. Die dazu erforderliche Datenverbindung wird über Funk aufgebaut. Eine Vision hinter der Vision Der C-Airlounge knüpft an eine Tradition des französischen Automobilbaus an, die seit dem Ende von Delahaye im Jahre 1954 beendet schien. Automobilbau als Haute Couture: Wie damals von Chapron und Letourneur & Marchand, besonders aber von Figoni & Falaschi außergewöhnliche und exzentrische Fahrzeuge gebaut wurden, so zeigt auch die aktuelle Studie von Citroën den Willen, über die Konventionen hinauszudenken. Das mag zwar nicht jedermanns Geschmack sein, und viele Betrachter finden sicher den Gedanken eines "Stimmungs"-Design befremdlich. Aber wenn man sich überlegt, mit welchen negativen Gefühlen viele Autofahrer durch Tunnel, Unwetter oder andere unangenehme Zustände fahren, ist die Frage berechtigt, ob man dies nicht durch visuelle Maßnahmen positiv beeinflussen kann. Das scheint vorerst ein Spiel zu sein, aber es enthält auch interessante Entwicklungsmöglichkeiten.
(Text: Rainer Roßbach )
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