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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Seat Altea: Raumgleiter

29.10.2003

Seat Altea
Die Seat-Gestalter haben das schwierige Problem, eine Großraumlimousine sportlich zu verpacken, glänzend gelöst

Seat ist, wie kaum ein anderer Automobilproduzent, mit zwei Gesichtern ausgestattet. Einerseits zeigen die Spanier seit geraumer Zeit interessante Studien wie Salsa oder Tango. Andererseits befindet sich die gesamte Modellpalette im Zustand des dauernden Face-Liftings. War nicht die Rede davon, eine Marke mit ähnlichem Profil wie Alfa Romeo aufzubauen? Überhaupt, was war die letze Neuvorstellung der VW-Tochter? Der Leon?

Doch nun scheint Besserung in Sicht: Mit der Studie Altea wird das Markenbild neu definiert und das sieht – zugegebenermaßen – gut aus. Diese Konzeptstudie will eine neue Fahrzeugklasse definieren, die man bei Seat MSV getauft hat. Dahinter verbirgt sich das "Multi Sport Vehicle, eine sportliche Großraumlimousine.

Um das Versprechen von Dynamik einzulösen ist der Altea mit der neuesten Technologie ausgerüstet: Intelligente Motorsteuerung, agiles Fahrwerk, sportliche Federung, hochwirksame Bremsen.

Das Design nimmt für sich gleichzeitig funktionale und ästhetische Kriterien in Anspruch. Durch den Grundcharakter als Großraumlimousine gibt es keine visuelle Trennung zwischen Motorraum, Innenraum und Kofferraum, aber die betonte Keilform, die kompakten Proportionen, die Einzelheiten der Ausstattung und das lebendige Rot der Karosserie sollen ihr ein ansprechendes und extrovertiertes Aussehen verleihen und so den sportlichen Charakter herausarbeiten.

So ist die dynamische Linie, die das Profil der Motorhaube begrenzt und langsam bis zur hinteren Radnabe abfällt, dynamisch gezeichnet, andererseits sorgt die Gestaltung der Fenster, nach unten begrenzt durch die hohe Gürtellinie und das nach oben gezogene Dreiecksfenster, das die Linie in Richtung Dachspoiler lenkt, für viel Licht und Offenheit.

Ein ausgeprägtes Keilprofil mit der aerodynamischen Integration diverser funktionaler Teile lässt den Altea besonders windschlüpfrig erscheinen. Rückleuchten und Scheinwerfer sind unter schlitzförmigen Polikarbonatabdeckungen verborgen, die dicht mit der Karosserie abschließen. Die beiden Scheibenwischer sind in vertikaler Position in die A-Säulen eingelassen und die Griffe der hinteren Türen befinden sich in verborgenen Mulden.

Nur durch unvermeidbar hervorstehende Teile wie Außenspiegel und Vordertürgriffe sowie durch die erforderlichen Lufteinlässe wird die glatte Linie unterbrochen. Kühlergrill und die großen Öffnungen an beiden Seiten der Frontschürze für die Belüftung und Kühlung der Bremsen besitzen eine dreidimensionale, wabenförmige Abdeckung.

Seat Altea
Dachbogen und seitliche Sicke sorgen für eine dynamische Silhouette

Auch am Heck werden notwendige Elemente in den Karosseriekörper integriert: Der Spoiler im oberen Heckklappenbereich nimmt die dritte Bremsleuchte und den Heckscheibenwischer auf, während sich Rückfahrscheinwerfer und Nebelschlussleuchte als Leuchtdiodenreihe unter dem Vorsprung des hinteren Stoßfängers befinden und die Rückleuchten von einer roten Kunststoffabdeckung geschützt werden.

Das gerundete Heck verleiht dem Altea Prototipo ein coupeartiges Aussehen, wobei gleichzeitig die Kompaktheit der Karosserie und der Zugang zum Gepäckraum, also Funktion, betont wird. Ein großes Seat-Logo dient als Öffnungsvorrichtung für die Heckklappe. Breite Kotflügel, 19"-Felgen und breite Reifen, eine reduzierte Bodenfreiheit und die beiden auf der rechten und linken Seite befindlichen Auspuffendrohre komplettieren das sportliche Auftreten des Seat.

Wesentliches Augenmerk legte man auf die Konstruktion und das Design der Scheinwerfer und Rückleuchten. Das Resultat ist eine neue Beleuchtungstechnik: Scheinwerfer mit Doppelfunktion und variabler Iris und die Positionsleuchten/Blinkereinheiten mit Luxeon-LEDs.

Dieses neue, von SEAT patentierte Beleuchtungssystem basiert auf einem feststehenden Modul mit allen seinen dazugehörigen Elementen (d.h., weder Glühlampen noch Reflektoren bewegen sich gegeneinander), was zu einer optimalen Fokussierung des Lichtstrahls und einer größeren Kompaktheit des Ganzen führt. Der Scheinwerfer besitzt einen Reflektor für jede Funktion (Fern- und Abblendlicht), eine einzige Glühlampe (Gasentladungslampe) und einer Blende mit radialer Öffnung (wie die Iris im Auge), die von einem kleinen Elektromotor bewegt wird. Das Funktionsprinzip ist einfach: Bei geschlossener Blende fällt das Licht nur auf den vorderen Parabolspiegel, wodurch das Abblendlicht entsteht und bei geöffneter Blende wird das Licht auch vom hinteren Parabolspiegel reflektiert, wodurch ein starkes Fernlicht erzeugt wird. Die Lichtqualität ist so gut, dass auf Nebelscheinwerfer verzichtet werden kann.

Das Modul für Positions- und Blinkleuchten beinhaltet seinerseits auch eine neue Technologie: Die Baugruppe verwendet zwei starke Luxeon-LEDs, die durch einen elektrischen Ventilator gekühlt werden. Die Blinker-LED ist nach vorn ausgerichtet und die Positions-LED in Richtung eines konzentrischen Parabolspiegels, der sich im hinteren Teil befindet. Die Rückleuchten besitzen die gleiche Technik, obwohl in diesem Fall nur ein Element in konzentrischer Anordnung die Positions- Blink- und Bremsleuchtenfunktion wahrnimmt.

Seat Altea
Sportliche Zutaten wie drei separate Rundinstrumente, Leder und gebürstetes Aluminium sorgen im Innenraum für eine fahraktive Atmosphäre

Der Innenraum bemüht sich mit minimalistischen Mitteln um einen Eindruck von Qualität, Präzision, Funktionalität, Helligkeit und Geräumigkeit.

Vier Einzelsitze in sportlichem Design und Bezüge in einer Kombination von Leder und rutschfestem Stoff bieten Platz für die Mitfahrer. Die Vordersitze sind mehrfach einstellbar, die hinteren Sitze haben verstellbare Rückenlehnen und können außerdem vollständig umgeklappt werden, wodurch sich eine ebene Ladefläche ergibt.

Der Fahrersitz hat alle Bedienelemente in Griffweite, entweder an der Instrumententafel oder in der Mittelkonsole, die als Kommunikationsbrücke zwischen den Insassen dient. Hier wurde hinter dem Schalthebel ein Getränkespender (Wasser, Erfrischungs- oder Heißgetränke) eingebaut und für die hinteren Plätze gibt es einen Bildschirm für DVD-Widergabe oder Videospiele, der bei Nichtbenutzung eingeklappt ist.

Die Fahrgastzelle ist mit zwei Schichten Material verkleidet, das eine technische Ästhetik anbietet: Die erste Schicht im Hintergrund (Armaturenbrett, Seitenwände, Himmel) hat einen warmen Grauton. Die zweite, die Kontaktschicht (Instrumententafel, Konsole, Armstützen), ist schwarz. Diese Schicht weist eine Prägung nach Art von Karbonfasern auf, die dank der Oberflächenbehandlung mit Lasertechnologie einen optischen Tiefeneffekt hervorruft. Die Instrumenteneinfassungen, der Lenkradbogen, die Seitenteile der Konsole und die seitlichen Stützen der Sitze sind mit schwarzem Leder bezogen. Einige Elemente wie Lenkradspeichen, Hebel und Düsen der Lüftung, oder Schaltern an der Einfassung des Radio-Navigationssystems wurden aus gebürstetem Aluminium hergestellt.

Die Instrumente bestehen aus drei voneinander unabhängigen runden Uhren: Der Drehzahlmesser in der Mitte, rechts davon der Tachometer und links ein Kombiinstrument mit Benzinanzeige, Wassertemperaturanzeige und Multifunktions-Display. Bei den drei Instrumenten stehen die Anzeigenadeln in Ruheposition auf einer vertikalen Position, wobei sich die Null am Südpol jedes Rundinstruments befindet. Der in warmem grau gehaltene Hintergrund weist die selbe Prägung wie die Instrumententafel auf.

Das Design der Innenbleche zitiert die Karosserielinien und auch einige der äußeren Merkmale wie das System zum Öffnen der Türen. Der vordere Türöffner ist sichtbar, der hintere ist in den Armstützen integriert, wodurch die hintere Seitenwand vollständig glatt bleibt.

Im Kofferraum erlaubt ein Staufach mit doppeltem Boden die Unterbringung von kleinen oder mittelgroßen Objekten. Im Innenraum befinden sich außerdem zahlreiche Staufächer mit klarem Design, wie etwa die Netze in den Türen.

Um dynamische Fahreigenschaften zu realisieren, haben die Ingenieure des Centro Técnico an drei Aspekten gearbeitet: An einem Motor mit hoher Leistung, einem sportlichen Fahrwerk und einer Struktur mit niedrigem Schwerpunkt.

Sportlicher Vortrieb wird durch einen neuen Vierzylindermotor sichergestellt. Dieser ist ein Benzin-Direkteinspritzer mit einer Leistung von 150 PS, der einerseits zusammen mit einem Automatikgetriebe und einem sequentiellen 6-Ganggetriebe mit Tiptronic hohe Fahrleistungen erlaubt, andererseits aber auch sparsam im Verbrauch ist.

Seat Altea
Das Heck passt, trotz seines grossen Volumens, gut zum sportlichen Charakter des Altea

Bei der Entwicklung des Fahrwerks wurde von einer vollständig neuen Plattform mit einigen Modulen des neuen Audi A3 ausgegangen. Die Räder sind an beiden Achsen einzeln aufgehängt (vorn mit McPherson-Geometrie, hinten mit einer Mehrlenkerachse) und beinhalten das agile Fahrwerk oder DSR. Dieses kombiniert eine spezielle Federungsabstimmung (mit harten Stoßdämpfern und weicheren Federn), sehr festen Silentblocks und einem elektronischen Programm, dass den Einsatz der Lenkhilfe als Funktion von Geschwindigkeit und Lenkrad-Drehgeschwindigkeit steuert. Das Ergebnis ist eine präzise Spurführung, besseres "Feedback" der Bodenhaftung und eine schnellere Reaktion auf jede Aktion des Fahrers. ESP garantiert Stabilität und Spurtreue.

Die Bremsanlage wurde ebenfalls den höheren Anforderungen angepasst. Die vier großen, durch ABS geregelten Bremsscheiben, sind durch die großen Felgen der Größe 8,5J x 19" im neuen Fünf-Speichen-Design zu sehen. In der Mitte jeder Felge befindet sich ein SEAT-Logo in rot.

Um das Fahrverhalten zu verbessern, musste der Schwerpunkt so tief wie möglich gelegt werden. Bei einer konventionellen Großraumlimousine befindet sich dieser Punkt sehr hoch. Der Altea mit seinem kompakten Design und geringer Bodenfreiheit erlaubt eine liegende Sitzposition für die Insassen, was zu einer positiven Beeinflussung des Schwerpunkts führt.

2004 soll die Markteinführung des Altea erfolgen, der zusammen mit dem Ibiza und León zum dritten wichtigen Standbein der SEAT-Modellreihe werden soll. Falls die Studie nicht zu ihrem Nachteil verwässert wird, dürfte sie alle Talente mitbringen, um das Profil der spanischen Marke nachhaltig zu schärfen.

(Text: Rainer Roßbach )
(Fotos: Seat)

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