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Toyota Prius: Meister Proper
17.12.2003
Hybridantrieb: das klingt nach Science Fiction und ferner Zukunft. Fast unbemerkt vom Markt bot Toyota bislang die erste Generation der Hybridlimousine Prius an und landete mit 1200 verkauften Einheiten in Deutschland zumindest einen Achtungserfolg. Weltweit war der Erfolg mit 150 000 produzierten Fahrzeugen ungleich größer. Die zweite Generation, die ab Januar 2004 angeboten wird, soll der innovativen Antriebstechnik nun auch hierzulande zum Durchbruch verhelfen. Dazu investierten die Japaner kräftig in Design und Technologie. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Eine unproblematische und erprobte Technik, fünf kommode Sitzplätze und ein Kofferaumvolumen von 410 bis 1210 Liter sorgen für Familien- und Alltagstauglichkeit. Trotz der aerodynamischen Effizienz der Außenhaut (Cw 0,26) ist die Übersichtlichkeit der Karosserie dank vieler Fenster gut. Durch den langen Radstand zeigt die Limousine einen eigenständigen Charakter und beschert nebenbei den Mitfahrern auf den hinteren Plätzen eine großzügige Beinfreiheit. Aerodynamische Luftleitelemente vor den Radkästen, Sicken im Dach, Spoiler an der Heckklappe sowie unter dem hinteren Stoßfänger reduzieren Luftverwirbelungen und senken die Geräuschentwicklung auf ein Minimum. Der ausgefeilte Leichtbau der Karosserie reduziert das Gewicht des Fahrzeugs auf 1300 kg und schaft damit eine Voraussetzung für den sparsamen Konsum von Treibstoff. Die Instrumentierung gibt sich futuristisch, ohne dass die Funktionalität leidet. Mit einem großen Startknopf wird die Antriebseinheit gestartet, deren erste Rückmeldung darin besteht, dass die LED-Instrumente aufblenden. Diese liegen weit vorne im Armaturenbrett, eingebettet in einen schmalen Schlitz, sind gut ablesbar und frei von Spiegelungen. Der kleine, in das Armaturenbrett eingesetzte Schalthebel der Automatik ist trotz seiner unkonventionellen Form und Anordnung sehr gut zu bedienen. Etwas größere Sorgfalt bei der Materialauswahl des Instrumententrägers wäre schön gewesen, zumal Ergonomie und Gestaltung des Cockpits ausgezeichnet sind. Sobald man auf dem Fahrersitz Platz genommen hat fühlt man sich ein wenig wie im Space Shuttle. Daher ist es wirklich verblüffend, dass der Prius wie ein normales Auto gehandhabt werden kann: Reinsetzen und losfahren heißt die Devise. Ein intensives Studium der Betriebsanleitung ist nicht erforderlich.
Die gekoppelten Motoren liefern eine Spitzenleistung von 113 PS (82 kW) und haben, laut Toyota, ein Drehmoment-Maximum von 478 Nm. Damit beschleunigt das Fahrzeug bis auf 170 km/h und erreicht 100 km/h in 10,9 Sekunden. Das neue THS (Toyota Hybrid System) zeichnet sich im Vergleich zum Vorgänger durch optimierte Synergieeffekte zwischen Verbrennungs- und Elektromotor aus, die sich in einem höheren Leistungspotenzial, reduzierten Verbrauchs- und Emissionswerten sowie deutlich gesteigerten Fahrleistungen widerspiegeln. Dabei übernimmt der Elektromotor eine wichtigere Rolle als im Vormodell, da er unter nahezu allen Fahrbedingungen als Hauptantriebsquelle dient. Darüber hinaus reduziert der Antrieb Energieverluste, während die regenerative Bremsanlage Energie zurück gewinnt. Im EV-Fahrmodus,der durch einen separaten Schalter aktiviert werden kann, ist auch ein rein elektrisches Fahren möglich. Bei alledem beeindruckt der neue Prius durch die Präzision, mit der das Gesamtsystem arbeitet. Der Kraftstoffverbrauch beträgt nur 4,3 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer und die Emissionswerte machen ihn zum saubersten Automobil seiner Klasse. Trotz des nominell hohen Drehmoments ist der Prius ein Cruiser. Während in den unteren Drehzahlbereichen der Wechsel zwischen Elektroantrieb und Verbrennungsmotor sehr geschmeidig erfolgt und nie ein Gefühl von Leistungsmangel aufkommt, wünscht man sich an Autobahnsteigungen, wo vor allem die 78 PS des 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziners abgerufen werden, mehr Hubraum und mehr Leistung.
Zum erstenmal wird hier in einem Serienfahrzeug eine elektro-hydraulische Bremsanlage, die Motor-Schlupfregelung, der elektrisch betriebene Klima-Kompressor sowie das Fahrzeugstabilitätsprogramm VSC+ eingesetzt, das im Prius mit der elektrischen Servolenkung EPS vernetzt ist. Elektrische und elektronische Systeme übernehmen jene Aufgaben, die bisher mechanisch oder hydraulisch erledigt werden: "Drive-by-wire", "Shift-by-wire" und "Brake-by-wire" benutzen einen schnellen Datenbus, der Steuerbefehle in Echtzeit ausführt. Um Zweifel an der Haltbarkeit der neuen Technologie im Keim zu ersticken gewährt Toyota auf alle Komponenten des Hybridsystems eine achtjährige Garantie bis maximal 160.000 Kilometer. Der Toyota Prius ist in zwei Ausstattungen erhältlich. Bereits die Modellversion "Prius Sol" bietet serienmäßig umfangreiches Zubehör. Dazu zählen ein höhenverstellbarer Fahrersitz, elektrische Fensterheber vorn und hinten, eine Klimaautomatik mit im Lenkrad integrierten Bedienelementen, der Startknopf sowie ein RDS-Radio mit CD-Player und sechs Lautsprechern. Serienmäßig sind auch die beheizbaren, elektrisch einstellbaren und in Wagenfarbe lackierten Außenspiegel. Gewichtsreduzierte Leichtmetallräder mit Aerodynamikabdeckungen und Reifen in den Dimensionen 195/55 R16 sorgen für eine dynamischen Optik des Fahrzeugs.
Die Ausstattungsstufe "Prius Executive" wartet zusätzlich mit einer schlüssellosen Öffnung des Automobils durch die Chipkartenerkennung "Smart-Key", mit Nebelscheinwerfern und einer Geschwindigkeitsregelanlage auf. Darüber hinaus verfügt der "Prius Executive" über ein JBL-Premium-Audiosystem, das neben RDS-Radio mit einem sechsfachen CD-Wechsler, Cassettenfunktion und neun Lautsprechern ausgestattet ist und über Bedienelemente im Lenkrad angesteuert werden kann. Optional werden "Prius Sol" und "Prius Executive" mit einem DVD-Navigationssystem mit Kartendarstellung, Sprachsteuerung sowie einer integrierten Freisprecheinrichtung mit Bluetooth-Schnittstelle ausgerüstet. Toyota macht mit dem neuen Prius einen großen Schritt in Richtung Zukunft. Wie ernst es den Japanern ist, läßt sich daran erkennen, dass der Lexus-SUV RX-100 ab nächstem Jahr ebenfalls als Hybrid angeboten wird. Erklärtes Ziel ist es, innerhalb der nächsten zehn Jahre in jedem Segment ein Fahrzeug mit dieser Technologie anzubieten. Deshalb verzichten man bei der Preisgestaltung auf jeglichen Exotenzuschlag und bieten das außergewöhnliche Fahrzeug für 23.900 Euro in der Basisvariante an.
(Text: Rainer Roßbach )
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