|
|
|
|
BMW 6er Coupé: Neue Klassik
25.10.2003
Voisin, Röhr, Bugatti, Alfa Romeo: Die Liste der Hersteller ist lang, die in den Dreißiger Jahren außergewöhnlich gestaltete Luxuxscoupés mit exzellenter Technik anboten. Das neue Sechser Coupé von BMW, mit seiner Gestaltung zwischen Exzentrik und klassischer Zurückhaltung angelegt, scheint die Reihe dieser selbstbewussten und eigenständigen Grand Tourisme mit heutigen Mitteln fortzuschreiben. Der Sechser ist tief, lang und breit, die Fahrgastzelle ist weit zurück gesetzt und besitzt eine sehr niedrige Dachlinie, ausgeprägte Sicken geben der Silhouette Halt und Form. Eine breite und flache Niere, strukturiert durch vertikale Chromlippen, vereinigt sich mit den asymmetrischen Scheinwerfern zu einem kraftvollen Gesicht. Das Heck, bei dem die Kofferraumhaube mit dem ausgeprägten Tablett die abgerundeten Heckleuchten zu überlagern scheint, zeigt aus verschiedenen Blickwinkeln interessante und überraschende Ansichten. Ein echter BMW des zweiten Jahrtausends also: differenziert und akribisch im Design und - natürlich - polarisierend. Stoff also, aus dem Klassiker gemacht werden.
Der Innenraum dagegen setzt die Linie fort, die schon beim Siebener, Fünfer und beim Z4 zu finden ist. Alle fahrrelevanten Funktionen befinden sich am Lenkrad oder in seiner unmittelbaren Nähe. Der Zugriff auf den Controller des iDrive liegt griffgünstig auf der Mittelkonsole, so daß sich alle Komfortfunktionen auch vom Beifahrersitz aus bequem erreichen und bedienen lassen. Das Display, Klimafunktionen und Audioanlage befinden sich im ausgeprägten Mittelblock, während Informationen über Drehzahl und Geschwindigkeit in Form von Rundinstrumenten zentral vor dem Fahrer platziert sind. Auch hier streiten sich immer noch die Geister nicht wenige BMW-Fans trauern dem alten, fahrerorientierten Cockpit nach. Für ein Sportcoupé offeriert der Sechser, mit 4.820 Millimetern Länge, 1.855 Millimetern Breite bei 1.373 Millimetern Höhe beachtliche Außenmaße, die im Innenraum aber für genügend Platz sorgen. Der 2+2-Sitzer offeriert selbst den beiden rückwärtigen Mitfahrern ausreichend Bewegungsfreiheit und der Gepäckraum ist reisetauglich. Eine hochwertige Audioanlage ist ebenso serienmäßig wie eine Klimaautomatik. Für die Bewegungsenergie sorgt das bereits aus dem 745i bekannte 4,4-Liter-V8-Triebwerk mit der vollvariablen Ventilsteuerung Valvetronic, das 245 Kilowatt (333 PS) leistet und ein Drehmoment von 450 Newtonmetern bei 3 700/min anbietet. Damit erreicht das neue 6er Coupé politisch und elektronisch begrenzte 250 km/h, der klassische Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 erfolgt in 5,6 Sekunden.
Die Kraft lässt sich über drei verschiedene Sechsganggetriebe auf die hintere Antriebsachse übertragen: entweder über ein Sechsgang-Handschaltgetriebe, eine Sechsgang-Automatik mit Steptronic, über ein Sequenzielles Manuelles Getriebe (SMG) mit Schalthebel oder über so genannte Schaltpaddles am Lenkrad wie in der Formel 1. Der Sechser verfügt über die Fahr Dynamic Control (FDC), die unter anderem eine spontanere Gasannahme ermöglichen soll, einen geschwindigkeitsabhängigen Einfluss auf die Lenkung nimmt sowie bei Automatik oder SMG ein höheres Ausdrehen der Gänge und ein schnelleres Schalten ermöglicht. Einen wesentlichen Beitrag zum Fahrkomfort bei hoher Dynamik leistet der Leichtbau, der sich vor allem in einer neuartigen Aluminium-Stahl-Kunststoff-Mischbauweise der Karosserie äußert. Mit einem gegenüber Stahl deutlich leichteren gewichtsreduzierten Aluminiumvorderwagen, einer Heckklappe aus Kunststoff sowie Frontklappe und Türen aus Aluminium sowie Seitenwänden vorne aus Thermoplast konnten das Eigengewicht auf rund 1.600 Kilogramm und die Achslast annähernd auf das Idealmaß von 50:50 verteilt werden. Diese Gewichtsreduzierung beeinflußt nicht nur Fahrleistungen und Kurvendynamik sondern auch den Kraftstoffverbrauch. Das Aluminium-Fahrwerk ist mit elektronischen Regelsystemen wie der Dynamischen Stabilitäts Control (DSC) und der Dynamic Traction Control (DTC) ausgestattet. Auf Wunsch sind auch hier das "mitdenkende" Fahrwerkssystem Dynamic Drive, das die Seitenneigung der Karosserie bei Kurvenfahrt fast vollständig ausgleicht, sowie eine Aktivlenkung, die eine direktere Übersetzung bei niedrigeren Geschwindigkeiten, eine indirektere bei höherem Tempo bereitstellt, verfügbar. Runflat-Tyres mit Notlaufeigenschaften, die selbst bei völligem Luftdruckverlust noch eine gewisse Strecke gefahren werden können und das optional erhältliche Adaptive Kurvenlicht mit schwenkbaren Scheinwerfern komplettieren die Sicherheitsausstattung. Neu im Markt ist das später lieferbare Head-Up Display, das auf Wunsch für den Sechser lieferbar ist und wichtige Informationen ins Sichtfeld des Fahrers auf die Frontscheibe projiziert. Eine aktive Geschwindigkeitsregelung und ein Glaspanorama-Hubdach mit elektrisch verschiebbarem Innenhimmel sind weitere interessante Zusatzausstattungen. Die Markteinführung des Sechser in Deutschland ist für Anfang 2004 geplant, später folgt ein 2+2-Cabriolet mit Stoffdach.
(Text: Rainer Roßbach )
Verwandte Themen:
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||