|
|
|
|
Peugeot 407: Frischer Franzose
07.12.2003
Nach der Renovierung der kompletten 307er Palette haben die Autobauer aus Sochaux nun den Nachfolger des 406 auf Kiel gelegt: Auf dem Genfer Salon 2004 wird der neue 407 dem Publikum vorgestellt. Diese neue Limousine ist segmenttypisch keine Revolution, ist aber in frischen Formen gestaltet. Vorbild, gerade im Frontbereich, ist die auf der IAA 2003 vorgestellte Studie "Elixir". Das Gesicht dieses Konzeptfahrzeugs zeigte eine Weiterentwicklung des Markenbildes, die schon recht seriennah war. Neben den traditionellen Peugeot-Werten wie Beständigkeit und Werthaltigkeit brachte die neue Grafik auch Dynamik und die Ästhetik von Innovation zum Ausdruck. Der neue 407 ist dem "Elixir" wie aus dem Gesicht geschnitten und der große, fast sportwagenmäßig gezeichnete Lufteinlass wird zum Fokus des neuen Limousinengesichts. Bisher entwickelte sich die Größe des Kühlers aus der technischen Notwendigkeit einer guten Versorgung mit Atemluft. Jetzt ist er vergrößert und gewinnt durch seine Form, die an ein geöffnetes Maul erinnert, eine stärkere und sportliche Präsenz. Darüber sitzen rechts und links lang gezogene, schlitzförmige Scheinwerfereinheiten, bei denen die Assoziation an Raubtieraugen durchaus gewünscht sind. Der Markenlöwe sitzt wie ein Solitär in einer großen, chromumrandeten Fassung zentral in der Motorhaube und die senkrecht angeordneten Zusatzscheinwerfer beidseits des Lufteinlasses lassen die Fahrzeugfront breiter wirken. Die Wirkung von Licht und Schatten wird von den Designern geschickt genutzt, um der Skulptur des Wagens Schwung zu verleihen. Ausgehend von den Frontleuchte bilden zwei scharfe Sicken den Übergang zur stark geneigten Frontscheibe, die in ein schwungvoll geformtes Dach mündet. Den Abschluss bildet ein kompaktes und stämmiges Heck, das Solidität und Robustheit verspricht. Die Franzosen wissen, dass Limousinen-Kunden gerade auch im eigenen Land konservative Karosserieformen schätzen, also bietet man dieser Klientel mit dem neuen 407 zwar einen recht spannungsreichen Mix, der aber die Grenzen des Genres nicht mutwillig verletzt.
Unaufgeregte Geradlinigkeit dominiert auch den Fahrerarbeitsplatz. Zwei große und drei kleine, chromumrandete Instrumente geben Auskunft über den Fahrzustand. Ein prägnanteres Design zeigt der Peugeot in der Gestaltung der Mittelkonsole, die in einem Doppelbogen bis zur Basis der weit nach vorn gezogenen Frontscheibe reicht. Durch den geschickten Wechsel zwischen dunklen und silbernen Elementen und durch ihre betonte Dreidimensionalität erzielt sie eine starke Präsenz. Ansonsten ist der Innenraum hell und schnörkellos. Vor allem hatten die Entwickler den Komfort der Passagiere im Blick:Ergonomisch geformten Vordersitze mit einem großen Verstellbereich tragen ebenso dazu bei wie die gut konturierten Sitze für die Hinterbänkler. Die Rücksitze lassen sich zur Vergrößerung des Laderaumvolumens im Verhältnis zwei Drittel/ein Drittel umklappen, ohne dass die Kopfstützen dafür abgenommen werden müssen. Viele Ablagefächer im Innenraum, ein klimatisiertes Handschuhfach zum Kühlhalten einer 1,5 Liter-Flasche, große Türfächer, Getränkehalter, sowie geschickte Nutzung des verfügbaren Raums mit kleinen offenen oder geschlossenen Ablagen zeigen den Sinn der Konstrukteure für praktische Lösungen. Eine optional verfügbare Mittelarmlehne im Fond bietet ebenfalls ein Staufach und Getränkehalter. Der 407 Liter große Kofferraum wird ergänzt durch geschlossene Staufächer in den Seitenwänden, das Reserverad liegt in einer Mulde unter dem Kofferraumboden. Der 407 besitzt Ausstattungselemente, die den Komfort für alle Insassen erhöhen. So hat der Beifahrer einen bequemen Zugriff auf die Bedienfelder von Klimaanlage, Radio, Telefon und Satellitennavigation und die am gemeinsamen Monochrom- oder Farbbildschirm angezeigten Informationen sind für alle Fahrzeuginsassen gut lesbar. Bei der Klimaanlage sorgt ein "Soft-Ausströmer" dafür, dass die Hauptluft diffus und damit sanft aus dem neuen Mittenausströmer über dem Bedienfeld sowie aus zusätzlichen Luftauslässen vorn und den Luftauslässen für den Fondbereich verteilt wird. Die Klimaanlage des 407 wird in zwei Varianten angeboten: mit Einzonen- oder mit Zweizonenregelung, bei der sich die Temperatur und Luftverteilung links und rechts getrennt einstellen lassen. Zwei in die Türverkleidung eingelassenen Sonnenrollos für die hinteren Seitenscheiben ergänzen das Heckscheibenrollo und schützen vor zu starker Sonneneinstrahlung. Die Beleuchtungsanlage des 407 besteht aus Doppelscheinwerfern mit Halogenlampen oder Xenonlampen für das Abblendlicht. Letztere kommen mit einer automatischen Leuchtweitenregelung und einer Scheinwerferwaschanlage zum Einsatz. Außerdem sind bei allen 407-Modellen Nebelscheinwerfer in die Frontschürze integriert. Eine Einschaltautomatik für die Scheinwerfer dagegen verbessert die Sicherheit und eine Begleitlicht-Funktion erlaubt das Ausleuchten eines Weges oder einer Haustür durch die Abblendscheinwerfer, auch wenn die Zündung bereits ausgeschaltet wurde.
Sämtliche Fahrzeuginsassen werden mit Rückhaltesystemen gesichert. Fahrer und Beifahrer verfügen über aktive Kopfstützen, die gegen den Peitschenschlageffekt schützen, über Smart-Airbags und Sicherheitsgurte mit pyrotechnischem Gurtstraffer, Gurtkraftbegrenzer und Warnsignal bei Nichtanlegen des Gurts sowie über in die Sitzflanken integrierte Seitenairbags und Airbag-Vorhänge, die auch die Fondpassagiere schützen. Für den Fahrer wird darüber hinaus ein noch wenig verbreiteter Lenksäulen-Airbag für den Schutz der unteren Gliedmaßen eingebaut. Isofix-Befestigungen sind an den äußeren Fondsitzen vorhanden und für die gefühlte Sicherheit der Insassen werden Türen und Kofferraum ab einer Geschwindigkeit von 10 km/h automatisch verriegelt. Serienmäßig ist der 407 mit einem Autoradio mit Einzel-CD-Player, 4x15 W und sechs Lautsprechern ausgestattet. Ein Telematiksystem (RT3) wird als Sonderausstattung angeboten. Es umfasst Audioanlage, GSM-Telefon und Satellitennavigation. Der 407 baut auf der PSA-Plattform für Mittel- und Oberklassefahrzeuge auf. Diese Plattform wurde weiterentwickelt, um die an die neue Limousine gestellten spezifischen Anforderungen in punkto Fahrverhalten und Fahrvergnügen bei gleichzeitig hervorragender Sicherheit zu erfüllen. Als Antriebsaggregate stehen Benziner und HDi-Diesel zur Verfügung. Die Kraft wird wahlweise mit Fünf- oder Sechsgang-Schaltgetrieben oder mit Vier- oder Sechsgang-Automaten übertragen. Alle Motoren erfüllen die EU 4-Norm und die Dieselversionen sind mit dem Partikelfiltersystem FAP ausgerüstet. Die Palette der Benzinmotoren reicht vom Einstiegsmodell mit 1,8 Liter-Vierventiler, 85 kW (116 PS) und einem max. Drehmoment von 163 Nm über einen 2,0 Liter-Motor mit 100 kW (136 PS) und einem Drehmoment von 190 Nm bis zum 2,2 Liter-Motor mit 116 kW (158 PS) und einem Drehmoment von 217 Nm. Spitzenmotorisierung ist ein V6-Motor mit drei Liter Hubraum, einer Leistung von 155 kW (ca. 211 PS) und einem Drehmoment von 290 Nm. Er verfügt über eine stufenlos variable Einlass-Nockenwellenverstellung (VVT), die für lineare Beschleunigungen sorgt, und ein neu entwickeltes Auslasssystem mit aktivem, bimodalem Schalldämpfer, das höhere Leistungen im oberen Drehzahlbereich und einen höheren Akustikkomfort ermöglicht. Er kommt mit einer völlig neuen Sechsgang-Automatik mit sequenzieller Schaltung nach dem "Tiptronic-System Porsche" zum Einsatz. Als Dieselmotoren werden zunächst zwei HDi-Aggregate angeboten: Der 1,6 Liter-HDi mit Partikelfiltersystem mobilisiert 80 kW (109 PS) und ein Drehmoment von 240 Nm, das durch eine kurzfristige Erhöhung des Ladedrucks, auf 260 Nm angehoben werden kann. Der 100 kW (136 PS) starke 2,0 Liter-HDi ist ebenfalls mit einem Partikelfiltersystem ausgerüstet und mobilisiert ein Drehmoment von 320 Nm bzw. dank "Overboost" von 340 Nm. Zu einem späteren Zeitpunkt soll der 407 auch mit anderen HDi-Motorisierungen geordert werden können, so z.B. mit einem V6-HDi mit 2,7 Liter Hubraum, der mit Ford zusammen entwickelt wird. Das Fahrwerk soll ein direkt spürbares Fahrvergnügen vermitteln und unter allen Bedingungen eine erstklassige aktive Sicherheit bei gleichzeitig hohem Komfort garantieren. Die Achsen sind zu weiten Teilen aus einer leistungsfähigen und leichten Aluminiumlegierung gebaut: Eine Vorderachse mit zwei Dreieckslenkern und entkoppeltem Achsschenkel, die eine Synthese aus Fahrverhalten und Fahrkomfort bei hohem Lenkkomfort bietet wird mit einer Mehrlenker-Hinterachse kombiniert, die mit liegenden Stoßdämpfern zur Optimierung der Kofferraumbreite beiträgt.
Die Fahrtrichtung wird mit einer Zahnstangenlenkung bestimt. Diese besitzt eine variable Lenkkraftunterstützung mit geregeltem Steuerventil. Um die hydraulische Lenkkraftunterstützung optimal an die jeweilige Motorisierung anzupassen, wurden drei verschiedene Servosysteme entwickelt. Die Reifengröße und das jeweilige Ausstattungsniveau werden dabei berücksichtigt. Groß dimensionierte Scheibenbremsen (bis 330 mm Durchmesser) und ein ESP der neuen Generation sorgen bei allen Modellvarianten für eine angemessene Verzögerung. Das ESP beinhaltet die Antriebsschlupfregelung, das ABS, den Notbremsassistenten, eine neue radindividuell arbeitende Bremskraftverteilung, eine dynamische Stabilitätskontrolle (CDS) mit einer neuen, besonders leistungsfähigen Steuerung für die Eingriffe bei drohendem Unter- bzw. Übersteuern. Um der Leistung des V6 gerecht zu werden, werden Aufhängung und Lenkung in Verbindung mit dieser Motorisierung dem Oberklasseanspruch gemäß speziell abgestimmt. Die Dämpferregelung kann die vier Stoßdämpfer unabhängig voneinander regeln und verfügt dafür über neun verschiedene Dämpfungskennlinien. Für das Interieur des 407 werden drei Designvarianten angeboten: "Esplanade" ist die Einstiegausstattung und setzt auf eine zeitgemäße und helle Interieurvariante. "Tendance" soll Dynamik und Effizienz mit Chromelementen zum Ausdruck bringen und "Platinum" zeigt warme Farbtönen und unterstreicht die Eleganz und den Komfort mit Zierelementen in "Walnussholz Rot". Die drei Designausprägungen, die sich mit verschiedenen Ausstattungsvarianten verknüpfen lassen, warten mit typischen Ausstattungen auf. So ist die Sportvariante mit 17"-Rädern, einem hell unterlegten Kombiinstrument und einem Sportlenkrad ausgerüstet, während die elektrische Sitzverstellung bei der Executive-Variante zur Serie gehört. Mit dem 407 nimmt Peugeot Abschied von weich fließenden Linien und sanften Konturen. Mehr Dynamik, mehr Agressivität und mehr Selbstbewußtsein drückt sich in der neuen Linie aus. Angesichts der Konkurrenz, die betont eigenständiges Design betreibt, bei dem er zuerst um eine unverwechselbare Persönlichkeit geht, war dieser Schritt überfällig.
(Text: Rainer Roßbach )
Verwandte Themen:
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||