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BMW 330i Cabrio SMG
11.07.2003
Mit BMWs Engagement in der Formel 1 möchte der Kunde auch Synergieeffekte in seinem Alltagswagen sehen. Die SMG-Getriebetechnik, erst nur im M3 angeboten, ab 2001 auch im 325i und 330i Limousine und Coupe ist nun als Sechsgang-Getriebe auch für das Cabrio lieferbar. Die Frage muss erlaubt sein: Wie verträgt sich das SMG, das primär den Sportfahrer ansprechen soll, mit der Philosphie eines Cabrios? Ist hier nicht ein konventionelles Automatikgetriebe die bessere Wahl? SMG basiert auf dem bewährten Fünfgang-Schaltgetriebe und ist baulich betrachtet eine Add-on-Lösung: Die gesamte elektro-hydraulische Betätigungseinheit wird wie eine Glocke über das Getriebe geschoben. Das Steuergerät des SMG kommuniziert Als "Shift by wire"-System ohne mechanische Verbindung zwischen Schalthebel und Getriebe und ohne Kupplungspedal ermöglicht SMG das Schalten im P-R-N-+/– Schema über zwei neuartige Schaltwippen – sogenannte Paddles – am Lenkrad oder auch konventionell über einen Schalthebel in der Mittelkonsole. Der Fahrer kann sich
Die Kernfunktion des SMG ist das manuelle Schalten mit unübertroffener Schnelligkeit und Präzision. Dafür stehen dem Fahrer zwei Möglichkeiten offen: entweder wie bisher über den Schalthebel, oder über zwei Schaltwippen (so genannte Paddles) am Lenkrad. Die Gangreihenfolge verläuft dabei immer sequenziell, also wie bei einem Motorrad nacheinander und nicht wie bei konventionellen H-Schaltungen beliebig durch direkte Anwahl des Ganges. Auch bei schnellem Gangwechsel ist so ein Verschalten ausgeschlossen, dennoch sind Mehrfachschaltungen möglich. Zum Hochschalten zieht der Fahrer entweder den Schalthebel nach hinten oder einen der beiden Paddles zu sich. Zurückgeschaltet wird in entgegengesetzte Richtung, also durch ein Nach-vorne-Drücken von Schalthebel oder Paddles. Mit denen ist ein Gangwechsel möglich ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Im Sportmodus werden immer optimale Beschleunigungswerte erzielt, die Schaltzeiten des Getriebes werden unter Vernachlässigung des Komforts minimiert und die Start-Drehzahl erhöht sich auf etwa 4000 Touren, bevor das System die Kupplung schließt. Der Beschleunigungswert des 330i etwa von 6,9 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h, den Profis mit dem konventionellen Handschaltgetriebe erreichen, lässt sich so auch von weniger geübten Fahrern jederzeit realisieren.
Im komfortorientierten Cruise-Modus, der durch Bewegen des Schalthebels gegen den rechten Anschlag aktiviert wird, veranlasst das System Schaltungen selbsttätig in Abhängigkeit von Geschwindigkeit, Gaspedalstellung und Beschleunigung, respektive Verzögerung, ohne dass der Fahrer über Schalthebel oder Paddles das Signal dazu gibt. Werden jedoch der Schalthebel oder die Paddles oder der Sport-Taster betätigt, ist sofort der sequenzielle Modus wieder aktiv. Zum Rangieren schließlich ist eine Kriechfunktion vorgesehen, die einsetzt, wenn man nach dem Einlegen von Vorwärts- oder Rückwärtsgang den Fuß von der Bremse nimmt, ohne Gas zu geben. Das Rangieren wird dadurch auch an Steigungen und beim Rückwärtsfahren zum Kinderspiel. Dabei arbeitet die Kupplung so lange mit erhöhtem Schlupf, bis der Fahrer entweder Gas- oder Bremspedal bedient. Leider ist die Kriechfunktion im Sportmodus deaktiviert. Wer Automatikgetriebe gewohnt ist, wird beim Anfahren am Berg von einem zurückrollenden Fahrzeug überrascht. Die mit SMG ausgerüsteten Fahrzeuge erreichen die gleichen Fahrleistungen und den gleichen Kraftstoffverbrauch wie die mit Handschaltgetriebe betriebenen Ausführungen. Das SMG ist kein Ersatz für eine Vollautomatik, da der hohe Schaltkomfort einer Wandlerkupplung fehlt. Durch den Cruise-Modus und das Fehlen der Kupplung vereint es allerdings viele Vorteile beider Getriebearten zu einer einzigartigen Symbiose. Im Verbund mit dem leistungs- und drehmomentstarken 3-Liter-Sechszylinder erhält man ein Fahrzeug, das sich sowohl vollautomatisch fahren läßt, in der Stadt und i m Stau ein nicht zu unterschätzender Vorteil, andererseits muß man sich nicht mit den Nachteilen einer Wandlerkupplung abfinden. Der Wagen reagiert spontan und bissig auf das Gaspedal, die Zugkraftunterbrechnung beim Gangwechsel ist kurz, die Befehlsgewalt über das Getriebe bleibt wie bei der Handschaltung jederzeit beim Fahrer, einem freundlichen Fahrer, da er bei den kurzen knackigen Gangwechseln immer wieder zu einem kurzen Nicken gezwungen wird. Die Getriebeabstufungen passen perfekt und mit der hohen Motorleistung des 3-Liters stehen für jede Geschwindigkeit immer zwei passende Gänge bereit. Allerdings fühlt sich der Wagen mit 170kW/231PS bei 5900 min-1 und 300 Nm bei 3500 min-1 nicht übermotorisiert an, das hohe Leergewicht von 1675kg fordert seinen Tribut, der Wagen wirkt agil und handlich, aber nicht leichtfüssig. Ein Durchschnittsverbrauch von unter 10 Litern ist akzeptabel. Im Zuge der Modellpflegemaßnahmen wurde zusätzlich die Karosserie des Cabrios leicht überarbeitet. Die breitere Niere, geänderte Scheinwerfer und ein "Powerdome" auf der Motorhaube und LED-Rückleuchten werden allerdings nur Markenfans wirklich auffallen. Bordcomputer und elektrisches Verdeck sind nun bei allen Cabriovarianten serienmäßig. Eine Bluetooth-Schnittstelle löst das Problem der Integration beliebiger Mobiltelefone auf sehr elegante Weise. Sie ist allerdings, genau wie das adaptive Kurvenlicht, nur gegen Aufpreis zu haben. Das SMG im Cabrio überzeugt, da man das Beste aus zwei Welten erhält: eine Vollautomatik, die die Cruiserqualitäten des 330i C unterstreicht und ein Sportfahrzeug, mit dem ohne Anstrengung Fahrleistungen eines Sportcoupé erzielt werden können. Beide Varianten machen als Cabrio natürlich besonders viel Spass, der allerdings 1600 Euro Aufschlag auf den Grundpreis von 1600 Euro kostet.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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