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Aktualisiert am 31.12.2011
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Gottlieb Daimler: Gedächtnisstätte im Gartenhaus

13.07.2003

Laube
Das Gartenhaus in der Taubenheimstrasse in Bad Cannstatt ist eine der Geburtsstätten der mobilen Gesellschaft

1882 erwirbt Gottlieb Daimler die Villa in der Taubenheimstraße. Das dazugehörige Gartenhaus wird zur Werkstatt umgebaut und so zur Keimzelle, in der Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach ihre Vision von der individuellen Mobilität verwirklichen wollen. Ihr Antrieb soll transportabel sein und zu Lande, zu Wasser und in der Luft eingesetzt werden können.

Der Raum mit Werkzeugbank und Schmiede wird das Refugium der beiden Ingenieure, die Tag und Nacht unter strengster Geheimhaltung arbeiten. Selbst die Familie und die Hausangestellten wissen nicht, was im Gartenhaus vor sich geht. Der misstrauische Gärtner holt die Polizei, weil er glaubt, im Gartenhaus befände sich eine Falschmünzerwerkstatt. Die Überraschung ist groß, als die Polizei zu nächtlicher Stunde statt einer Münzpresse nur Werkzeuge und Motorteile findet.

1883 entsteht endlich der erste schnelllaufende Motor, für den alle Komponenten neu erdacht, gebaut und erprobt werden müssen. Das Zündungsproblem mit einer Glührohrzündung ist schwer in den Griff zu bekommen. Als Arbeitsverfahren wählen sie das Viertaktprinzip. Ihr Versuchsmotor mit liegendem Zylinder hat 176 cm3 Hubraum und wird ab August 1883 ausführlich erprobt. Ende des Jahres erreichen Daimler und Maybach ein entscheidendes Ziel: Ihr Motor läuft mit sensationellen 600 Umdrehungen/min. und leistet 0,25 PS.

Laube
Die klar gegliederte Ausstellung läßt den Besucher an den Entwicklungen von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach teilhaben

Der zweite Versuchsmotor ist die Basis des Patentes DRP (Deutsches Reichspatent 34926), das am 3. April 1885 Daimlers Vision veröffentlichen wird. Die sogenannte "Standuhr" hat ein geschlossenes Kurbelgehäuse, auf dem der luftgekühlte Zylinder steht. Das Einlassventil arbeitet automatisch, das Auslassventil wird durch die von Daimler erfundene Kurvennutensteuerung betätigt. Dazu kommt ein Schwimmervergaser. Der Einzylinder wiegt nur 60 Kilogramm, hat einen Hubraum von 264 cm3 und leistet 0,5 PS bei 650 Umdrehungen/min. Dank seines geringen Gewichtes und seiner kompakten Abmessungen kann er in Fahrzeuge eingebaut werden. Erster Versuchsträger wird ein Zweirad, der sogenannte "Reitwagen". Die Vision des schnelllaufenden, leichten Universalmotors mit Benzinbetrieb ist Wirklichkeit geworden.

Im November 1885 hatte Gottlieb Daimlers Sohn Adolf mit dem "Reitwagen", dem ersten Motorrad der Welt, die drei Kilometer lange Strecke zwischen Cannstatt und Untertürkheim zurückgelegt. Im Sommer 1886 bauen Daimler und Maybach den Motor in eine Kutsche ein, womit sie erfolgreiche Fahrversuche zwischen Esslingen und Cannstatt durchführen. Gleichzeitig kommt der Motor auch im ersten Motorboot der Welt, der "Neckar", zum Einsatz. Das Gartenhaus wird jetzt schnell zu eng. Im Juli 1887 bezieht Daimler ein Fabrikgebäude am Seelberg.

Mit dem Auto erreicht man die Gedächtnisstätte wie folgt: Aus allen Richtungen dem Wegweiser Stuttgart-Bad Cannstatt, dann der Beschilderung "Kurpark" folgen. Die Gottlieb-Daimler-Gedächtnisstätte befindet sich an der südlichen Grenze des Kurparks. Parkmöglichkeiten sind vorhanden.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10-16 Uhr,
Eintritt frei.

Gottlieb-Daimler-Gedächtnisstätte,
Taubenheimstraße 13,
70372 S-Bad Cannstatt,
Telefon: +49 (0) 7 11/56 93 99

(Text: rr )
(Fotos: DaimlerChrysler)

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