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Palastmuseum Taipeh: Schätze der Himmelssöhne
23.11.2003
Die Kunstsammlung des chinesischen Kaiserhofes hatte eine lange Odyssee hinter sich, als sie im 1965 erbauten Nationalen Palastmuseum in Taipeh wieder ausgestellt wurde. Die chinesischen Kaiser häuften als Auftraggeber und als Sammler während der Jahrhunderte die wertvollsten Kunstschätze an. Streng abgeschirmt vom Volk lagen die Kostbarkeiten in Palästen und Schatzkammern und folgten bei jeder Hauptstadtverlegung dem Hof. So kamen sie im 15. Jahrhundert nach Peking und blieben bis zur Vertreibung des letzten Kaisers Pu Yi aus der Verbotenen Stadt im November 1924 dort. 1925 wurde in Peking das Palastmuseum gegründet und ein Teil der Kunstschätze zum ersten Mal öffentlich ausgestellt. Doch nachdem die Japaner in Nordostchina eingefallen waren, wurden die seltenen Jaden, das kostbare Porzellan, rituelle Bronzegefäße, Gemälde, Kalligrafien und wertvolle Dokumente 1933 in Kisten verpackt und an immer andere Orte gebracht. Erstaunlicherweise überstanden die meisten Gegenstände diese Reise unversehrt. 1948 konnte ein Teil der Sammlung in Nanking wieder ausgestellt werden. Als die Kommunisten der Republik ein Ende bereiteten wurden die besten Stücke in aller Eile eingepackt und begleiteten Chiang Kai-shek nach Taiwan. Diese insgesamt rund 650 000 Objekte bilden den Grundstock des Nationalen Palastmuseum in Taipeh. So beherbergt das Museum auf der Insel die weltweit größte Sammlung chinesischer Kunst. Nach zehnjährigen Verhandlungen wurde nun der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland das Privileg zuteil, eine eigene Auswahl von insgesamt 400 Exponaten zu treffen, die 3 Monate lang in Bonn zu sehen sein wird. Die Tradition der Sammlung als Zeugnis des kaiserlichen China und als bedeutender Träger des nationalen chinesischen Kulturerbes verleiht dieser Ausstellung eine herausragende historische Bedeutung. Die differenzierte Sprache der chinesischen Kunst wird in ihren beiden Hauptströmungen vorgestellt. Der bildnerischen Tradition des Gelehrtentums steht die sinnenfrohe und symbolreiche Prachtentfaltung der höfischen Aristokratiegegenüber. Kaiserliches Mäzenatentum wird im Spannungsfeld zwischen ästhetischen Werten, moralischen Idealen und politischen Zielen hinterfragt. Besonderes Augenmerk gilt hier dem Kaiser und Kunstkenner Kao-tsung der Regierungsära Chien-lung (1736-1796).
Mehr als tausend Jahre alte Kalligrafien und Tuschebilder auf Seide, das aus dem 10. Jahrhundert stammende älteste gedruckte Exemplar des ältesten Wörterbuches der Welt oder die Frauenbildnisse auf Seide und Papier aus dem 12. und 13. Jahrhundert werden neben rituellen Bronzegefäßen aus der Zeit von 2000 v. Chr. und 6000 Jahre alten Jadeschnitzereien gezeigt. Von ausgesuchter Schönheit sind die buddhistischen Sutra-Texte in goldener Schrift mit goldenen Miniaturen, aber es finden sich auch Gebrauchsgegenstände, die einen deutlichen Einfluss europäischer Vorbilder zeigen. So gibt die Ausstellung, die vom 21. November 2003 bis 15. Februar 2004 in Bonn zu sehen ist, einen Überblick über die ganze Fülle und den Reichtum der großartigen chinesischen Kultur. Zur Ausstellung ist ein ausführlicher Katalog erschienen, der u.a. die Sammlungsgeschichte und den gesamthistorischen Kontexts, Ritualkunst und Ahnenkult sowie die Geschichte der Kalligraphie und Malerei im Laufe der Jahrhunderte beschreibt. Darüber hinaus werden Entwicklungen und Höhepunkte der chinesischen Keramik und Porzellankunst, die besondere Bedeutung der Jade sowie herausragende Handschriften und Buchdrucke in Aufsätzen thematisiert.
Kunst- und Ausstellungshalle
(Text: Rainer Roßbach ) |
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