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Toyota TF104: Kaizen
21.01.2004
Die rennfreie Zeit wird von allen Teams gerne genutzt, sich und die Fahrzeuge für die neue Saison mit mehr oder weniger großem Aufwand zu präsentieren. Diese "Car launch" genannten Veranstaltungen bieten einige besondere Vorteile: Man hat die Medienaufmerksamkeit für sich alleine und die Fans nehmen, getrieben von Entzugserscheinungen, jedes Wort gierig auf. So im Mittelpunkt des Interesses zu stehen, freut zudem die Sponsoren. Toyota nutze diese Gelegenheit, und lud rund 500 Journalisten in die Formel-1-Fabrik nach Köln-Marsfeld ein. Die Fabrik und ihr Produkt präsentieren sich als Musterbeispiel einer deutsch-japanischen Kooperation. Maschinen und Technik, wie man sie in den großen Modell- und Formenbaufirmen, die die deutsche Automobilindustrie bedienen, findet, paart sich mit Sauberkeit bis in den letzten Winkel, makellos weißen Wänden und Fußböden wie im OP eines Krankenhauses.
Der neue Wagen schliesslich ist ein Musterbeispiel der Toyota-eigenen Philosphie des "Kaizen", der kontinuierlichen Verbesserung. Die Höhen und Tiefen der letzten Saison verlangten nach einem evolutionären Schritt, um die Zuverlässigkeit deutlich zu verbessern, ohne die inzwischen gefundene Schnelligkeit zu verlieren. Begünstigt durch die neuen Qualifikationsregeln hatte man zwar einige Startplätze in den vorderen Reihen erreichen können, und da Matta waren sogar im Rennen in Silverstone die ersten 17 Führungsrunden gelungen, aber die Ausfälle, bedingt durch technische Probleme, standen doch wohl zu sehr im Gegensatz zu Toyotas Reputation bei den Serienfahrzeugen. Der Abonnementsieger in der ADAC-Pannenstatistik darf einfach nicht bei dem wichtigsten Sportereignis der Branche mit rauchendem Motor ausrollen. Die kleinen Revolutionen, mit denen alleine man die großen Teams im Formel-1-Zirkus überholen kann, mussten dieses Mal ausbleiben, konsequente und kompromisslose Verbesserungen waren angesagt. Wie sehr Toyota aber diese Strategie vertritt, zeigt, daß man sich doch in der Lage glaubt, mit dem neuen Fahrzeug in jedem Rennen zu punkten und auch mindestens einen Podiumsplatz herausfahren zu können.
Der neue TF104 leidet unter dem Problem aller aktuellen Formel-1-Autos, von Williams mutigem Ansatz einmal abgesehen. Das Reglement diktiert ein Design, bei dem die Individualität auf der Strecke bleibt. Verbesserungen sind Detailarbeit, die Leistung der Ingenieure bleibt dem Betrachter meist verborgen. Hier war der Veranstaltungsort besonders hilfreich und Toyota nutzte diesen Heimvorteil konsequent: Alle Rennwagen des noch jungen Teams, vom zweitausendzweier Testauto bis zum TF103, dem Einsatzwagen des vergangenen Jahres, waren ausgestellt. Der direkte Vergleich zeigt erst, wie sehr sich die Fahrzeuge letztlich doch unterscheiden. Der TF104 mag das Gesicht des Vorjahreswagens haben, aber der Wagenkörper ist besonders ab Fahrzeugmitte eleganter und detailreicher geworden. Deutliche Einzüge auf Höhe des Motors, senkrechte Leitbleche lassen den Wagen schlanker und dynamischer wirken, der Einfluss des hauseigenen Windkanals ist deutlich zu sehen. Im Aerodynamik-Bereich ist zudem in Zukunft noch mehr zu erwarten, den die Abwerbung Mike Gaskoynes vom Konkurrenten Renault bringt einiges an Erfahrung ins Team, Erfahrung, die den Renault im vergangenen Jahr auch ohne den stärksten Motor im Feld zum Siegauto hat werden lassen. Von daher ist Toyotas Ziel, erstmals auf das Podium zu kommen, doch nicht so unrealistisch.
(Text: Dieter Roßbach )
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