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Rolls-Royce 100EX: Extravaganza
03.03.2004
Experimentalfahrzeuge haben bei Rolls-Royce eine lange Tradition. Schon 1919 erschien der 1EX, der auf einem Silver Ghost-Chassis basierte. Danach entwickelte die englische Luxusmarke drei Technologieträger mit den Bezeichnungen 15, 16 und 17EX, die auf dem Phantom-Chassis basierten - alles besonders leichte Sportversionen, die beim Karosserebauer Hooper, Barker und Jarvis ab 1927 eingekleidet wurden. 1930 startete Henry Royce ein Projekt zur Entwicklung stärkerer Motoren mit größerer Laufruhe. Er wollte zunächst einen 16-Zylinder, entschied sich dann aber für eine V12-Konfiguration als Kompromiss auf halbem Wege zwischen sechs und 16 Zylindern - für ihn zu jener Zeit die beiden Eckpunkte eines möglichen Rolls-Royce Motors. Bis dahin wurden Phantom I und II von Sechszylinder-Reihenmotoren angetrieben. Die Bezeichnung „EX“ blieb großen Fahrzeugen wie dem Silver Ghost und dem Phantom vorbehalten, während die kleineren Experimentalfahrzeuge die Bezeichnung „G“ trugen, was für „Goshawk“ stand. Als Reminiszenz an diese Tradition und anknüpfend an die Philosophie dieser frühen Entwicklungsträger, entschlossen sich die Autobauer aus Goodwood erneut einen 'EX' zu entwickeln, der sowohl von der Technologie wie auch von der Ästhetik her eine Vision eines Rolls-Royce-Cabrio für das 21. Jahrhunderts darstellt. Anders als ein Concept Car ist ein Experimentalfahrzeug nahezu voll funktionsfähig und dient als Test- und Bewertungsplattform für neue Systeme, Komponenten und Ausstattungen. Der 100EX, ein Cabriolet mit vier Sitzen, ist 165 mm kürzer und 71 mm niedriger als der Phantom und baut auf einem leichten Aluminiumrahmen in Spaceframe-Technologie auf. Fahrwerk und Lenkgeometrie stammen aus dem neuen Phantom: doppelte Dreieckslenker vorn und Multilink-Hinterachse sowie Luftfederung und Zahnstangenlenkung. Die 21-Zoll-Räder sind in Meteor Silver lackiert und tragen vorn Reifen der Dimension 255/50 und hinten 285/45. Ein Neunliter-V16 mit 64 Ventilen treibt den offenen Rolls-Royce an. Man entschied sich für eine Saugversion ohne Turbolader zugunsten eines extrem weichen, aber spontanen Ansprechverhaltens,die Kraftübertragung erfolgt durch ein Sechsgang-Automatikgetriebe.
Die Studie orientiert sich in ihrer Konzeption nach zwei Seiten: die Technik spiegelt die Spitzenstandards des 21. Jahrhunderts, während der Innenraum Elemente aus dem traditionellen Schiffsbau zitiert. Die Motorhaube besteht aus poliertem Aluminium, die Einfassung der Frontscheibe und die aus statischen Gründen dreieckig ausgeführten A-Säulen wurden aus einem massiven Block gedreht. Zur Betonung der Silhouette verläuft rund um die Fahrgastzelle eine Zierleiste aus poliertem Aluminium. Applikationen aus gebleichtem Teakholz verzieren das Fahrzeug: außen ist die Verdeckklappe aus diesem Material, innen gibt es das Holz als Intarsie in den Türeinsätzen aus poliertem Aluminium. Einen Kontrast zu den goßzügigen Metallflächen bildet der dunkle Lackton mit dem Namen "Dark Curzon". "Die Silhouette soll das Leistungspotenzial des Fahrzeugs unterstreichen und gleichzeitig die dezente Komposition eines typischen Rolls-Royce beinhalten und nicht einfach dem aggressiven, nach vorn gerichteten Stil heutiger Sportwagen folgen", erläutert der Karosseriedesigner Marek Djordjevic. "Rein visuell lehnen wir uns an die Rolls-Royce Tradition an, mit nachdrücklichem, aber sanftem Vortrieb auf Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen."
Der Innenraum orientiert sich am Design moderner und klassischer Yachten. Als Holzfurnier wurde gemasertes Mahagoni gewählt. Polster und Verkleidungen präsentieren sich in dunklem Dark Curzon-Leder und der Boden ist mit gebleichten Teakholz ausgelegt. Die zwei großen Türen sind hinten angeschlagen und erlauben einen bequemen Zugang zu den Rücksitzen. Das maßgeschneiderte Verdeck ist aus einem neuartigen Stoff gefertigt, bei dem eingewebte Stahlfäden das Dach verstärken. Innen ist das Verdeck mit einem Wolle-/Kaschmirgewebe ausgekleidet. Eine ausgefeilte Verdeckkonstruktion macht einen extrem kleinen Verdeckkasten möglich, der den Kofferraum nur geringfügig beeinträchtigt. Die Kofferraumhaube im 'Countryman'-Stil ist horizontal geteilt. Der untere Teil kann ausgeklappt werden, der Kofferraumboden ist ebenfalls mit Teakholz ausgekleidet und ist eine perfekter Picknick-Tisch. Der 100EX ist ein Geschenk, dass sich Rolls-Royce zum 100. Geburtstages im Mai 2004 selbst macht - die Studie wird dieses Jahr auf verschiedenen Veranstaltungen zu sehen sein.
(Text: Rainer Roßbach ) |
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