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Aktualisiert am 31.12.2011
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Porsche 997: Denkmalpflege

19.05.2004

997
Vertrauter Anblick: Der 997 ist ein Traditionalist, der formal überzeugt

Porsche Designer haben es schwer. Gerade wenn es um die Ikone 911 geht, fordert die Fangemeinde rabiat, dass ein Elfer wie ein Elfer auszusehen hat – und wie der aussieht weiß alle Welt seit 1963. Auf der IAA des gleichen Jahres stand das neue Zuffenhausener Coupé, das seinerseits den legendären 356er ersetzen sollte.

Die Formgebung des neuen Sechzylinder-Porsche stammte vom 25-jährigen Ferdinand Alexander Porsche. Und der wußte damals schon: "Es ging nicht darum, einfach irgendein neues Auto innerhalb einer großen Modell-Palette zu schaffen, sondern hier sollte der Nachfolger eines Automobils entstehen, das nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten zum Klassiker geworden war. " Das Design wurde ein Denkmal, an dem niemand rütteln mochte, und so blieb die Grundform seit 40 Jahren nahezu unverändert.

Wie Oskar Wilde's Dorian Gray will der Heckmotorporsche nicht altern: Auch das Design des neuen Porsche 911 ist selbstverständlich die Fortsetzung der tradierten Elfer-Form. Mehr noch: Wo der Vorgänger mit unkonventionellen Front-Scheinwerfern, die als "Spiegelei" in die Porsche-Geschichte eingehen werden, aufwartete, ist die 2004er Baureihe wieder mit den traditionellen Rundscheinwerfern bestückt. Separate Zusatzscheinwerfern im Frontstoßfänger, stärker betonte Kotflügel, neue Doppelarm-Außenspiegel, eine veränderte Fugenoptik und der aerodynamisch optimierte Heckspoiler bringen das historische Zitat in einen zeitgenössischen Kontext. Durch eine breitere Spur und eine stärkere Betonung der Taille ist der Auftritt des neuen Elfers dynamischer, klarer und kraftvoller geworden.

Erstmals seit 1977 gehen die Zuffenhausener wieder mit zwei neuen Elfer-Modellen gleichzeitig an den Markt: dem 911 Carrera mit 239 KW (325 PS) starkem 3,6-Liter-Boxermotor und dem 911 Carrera S, angetrieben von einem neu entwickelten 3,8-Liter-Motor, der 261 KW (355 PS) leistet. Bei einem Drehmoment von 400 Newtonmeter sprintet das S-Modell in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Der Carrera benötigt für diese Disziplin genau fünf Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 285 (Carrera) beziehungsweise 293 Stundenkilometer (Carrera S). Die beiden neuen Elfer der Baureihe "997" werden am 17. Juli 2004 europaweit – mit Ausnahme der Rechtslenker-Modelle – eingeführt.

997
Der neue Elfer präsentiert in jeder Perspektive seine dynamischen Talente

Beide Modelle verfügen über ein neuentwickeltes Sechsganggetriebe und ein überarbeitetes Fahrwerk, das beim S-Modell serienmäßig eine aktive Dämpfung umfasst. Für den 911 Carrera ist dieses Fahrwerk mit der Bezeichnung "Porsche Active Suspension Management" optional lieferbar. PASM bietet in der "Normal"-Stellung eine sportlich-komfortable Grundabstimmung der Stoßdämpfer, nach dem Drücken der Taste "Sport" hingegen wird eine härtere Dämpferkennung angesteuert, die eine besonders agile und sportliche Fahrweise unterstützt. Neben PASM wird außerdem als weitere Option für beide Modelle ein um 20 Millimeter abgesenktes Sportfahrwerk mit mechanischer Hinterachs-Quersperre angeboten.

Gewachsen ist das Format der Räder und Reifen: Das Modell 911 Carrera bekommt nun serienmäßig 18J-Räder in der Größe 8J x 18 mit 235/40 ZR 18-Reifen (vorne) und 10J x 18 mit 265/40 ZR 18-Pneus (hinten). Der Typ Carrera S ist mit 19 Zoll-Felgen/Reifen in der Dimension 8J x 19 mit 235/35 ZR 19 vorne und 11J x 19 mit 295/30 ZR 19 hinten ausgestattet.

997
Die neue Cockpit-Gestaltung wirkt hochwertiger und klassischer

Der Euro-Grundpreis für den 911 Carrera beträgt 64.700 Euro beziehungsweise 73.300 Euro für den 911 Carrera S. In Deutschland liegen die Preise bei 75.200 Euro für den Carrera beziehungsweise 85.176 Euro für den Carrera S.

Nach 15 Jahren als Leiter der Design-Abteilung geht der Niederländer Harm Lagaay zum 1. Juli 2004 in den Ruhestand. Die Fahrzeuge, die er wesentlich geprägt hat sind Boxster und Carerra GT: am Elfer hat er außer dem "Spiegelei" zwangsläufig wenig Spuren hinterlassen können.

Der "997" mußte Monate früher als geplant an den Start gebracht werden, um den schwachen Elfer-Absatz anzukurbeln. Vielleicht ein Signal dafür, dass die Reflexe der Kundschaft nicht mehr im gewohnten Maß funktionieren. Es könnte also sein, dass der neue Chef-Designer Michael Mauer der 911er-Geschichte eine deutliche Wendung geben muß – und sich damit auf eine Gratwanderung begibt, die zwischen Triumph und Absturz liegt.

(Text: Rainer Roßbach)
(Fotos: Porsche)

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