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Mille Miglia 2004: Immer wieder etwas Neues
21.05.2004
Nein, eine intime Veranstaltung für Oldtimerfreunde ist der Auftakt der Mille Miglia donnerstags in Brescia nicht mehr. Mama, Papa und Kind, ganze Schulklassen mit ihren Lehrern und hunderte Besucher aus Deutschland bevölkern die Piazza Vittoria. Trotzdem schaffen es die Veranstalter immer noch, der ganzen Sache ihren Charme zu erhalten. Der Umgang der Ordner ist bestimmt, aber freundlich, die örtliche Polizei ist weniger darauf aus, Recht und Gesetz der italienischen Strassenverkehrsordnung durchzusetzen als den ganzen Ablauf reibungslos und locker zu gestalten und die soziale Breite des italienischen Publikums ist bei vergleichbaren Veranstaltungen in Deutschland nicht vorstellbar. Es ist eng, laut und auch etwas chaotisch, aber Bresica bleibt auch zur Mille Miglia eine Stadt, in der man sich als Besucher wohlfühlt. Selbst legale Parkplätze findet man immer noch. Wie wichtig die Mille Miglia zur Positionierung einer Marke geworden ist, zeigt die Präsenz von Chrysler. Zwei Chrysler 75 Le Mans aus dem Jahr 1929, perfekt restauriert, sind neben den SSK, SL und SLR von Stuttgart gemeldet worden. Volkswagen dagegen glänzte durch Abwesenheit. Der Klassensieg eines Käfers jährt sich in diesem Jahr zum fünfzigsten Mal, aber es war kein Fahrzeug dieses Typs am Start. Möglicherweise wäre es für einen Privatbewerber nicht einfach gewesen, einen VW Käfer zu melden, eine Werksbeteiligung mit einem authentisch wiederaufgebauten Fahrzeug hätte der Veranstalter aber sicher gerne gesehen. VW hat damit eine einmalige Chance verpasst, sich in einer Reihe mit Mercedes-Benz, BMW, Alfa und in diesem Jahr auch Chrysler zu präsentieren. Die kleinen Autos, die Isettas, die Renault 4CV, die Topolinos oder Millecentos, sind die wahren Sympathieträger der Mille Miglia. Sie stechen die Rennsportgrößen und Supersportwagen der fünfziger Jahre in der Publikumsgunst längst aus. Im Gegensatz zu den Veranstaltungen in den fünfziger Jahren, wo verbesserte Alltagsautos die große Masse der Teilnehmer stellten, sind sie bei den Neuauflagen Mangelware. Einen Borgward oder einen DKW 3=6, beide auch Klassensieger, fehlen bisher bei der neuen Mille Miglia. Die Zahl der möglichen Teilnehmer ist durch das strikte Reglement begrenzt, trotzdem finden jedes Jahr neue Fahrzeuge den Weg in die Starterlisten. Das Glanzstück der diesjährigen Veranstaltung war der Mercedes-Benz 300SL von Don Ricardo, einem legendären Bandleader der fünfziger Jahre, der mit diesem Fahrzeug einige Rekorde in Bonneville aufgestellt hatte. Das Fahrzeug präsentierte sich vollkommen original und unrestauriert mit den Originalschriftzügen der Rekordfahrten. Ein weiterer Höhepunkt war der Pegaso Z 102 Touring, Wilfredo Ricarts privates Auto, das 1953 auch bei der Carrera Panamericana an den Start gegangen war. Gerade in diesem Jahr lohnte sich es noch mehr als sonst, dem Spektakel auf der Piazza Vittoria ab und zu den Rücken zu kehren und in der Stadt auf Entdeckungsreise zu gehen. An dem Donnerstag hat sich Brescia zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt, die Stadt ist voll von interessanten Autos jeden Alters. Auffällig ist, dass sogar gehütete Exoten auf eigener Achse nach Oberitalien gefahren werden. Wann hat man zuletzt einen M1, einen 300SL Roadster oder einen Intermecchanica Italia im Strassenverkehr gesehen?
(Text: Dieter Roßbach )
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